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“Känguru-Chroniken” im Kino – Haut den Nazis auf die Nase!

  • Ein kultiges Beuteltier kommt aus der Literatur auf die Leinwand gehüpft.
  • Die “Die Känguru-Chroniken“ (Kinostart am 5. März) dürften die Fans von Marc-Uwe Klings Geschöpf erfreuen.
  • Die Gags werden hier in so rascher Folge gezündet, dass Rohrkrepierer kaum bemerkt werden.
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Es ist nicht ganz leicht, an die Existenz eines sprechenden Kängurus zu glauben – schon gar nicht, wenn dieses auf Schnapspralinen und Schnitzelbrötchen steht, sich als Kommunist begreift und Wohnungen von schluffigen Kleinkünstlern okkupiert. Da kann man den Psychotherapeuten in diesem Film schon verstehen, der das vorlaute Beuteltier allein in der Imagination seines Patienten Marc-Uwe verortet – und auch dann noch mit wachsender Panik auf seiner Meinung beharrt, als das sprachbegabte Tier in seiner Praxis hockt.

Bislang haben wir von dem Känguru in den Büchern von Marc-Uwe Kling immer nur gelesen oder seine knarzige Stimme in Hörbüchern gehört. Wir haben es nie in Augenschein nehmen können. So selbstverständlich erschien es uns als Marc-Uwes chaotischer Mitbewohner, dass wir kein Abbild von ihm brauchten. Als James Stewart mit dem Hasen Harvey in der US-Komödie “Mein Freund Harvey” (1950) durch die Kneipen zog, haben wir auch an Harvey geglaubt, ohne den Hasen zu Gesicht zu bekommen.

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Das Beuteltier hat die Leinwandprüfung bestanden

Doch jetzt ist geschehen, was nach der Vermarktungslogik eines Bestsellers wie “Die Känguru-Chroniken” zu erwarten war: Das Känguru ist auf die große Leinwand gehüpft. Nach eineinhalb ziemlich kurzweiligen Kinostunden muss man sagen: Das Beuteltier fühlt sich dort, nun ja, pudelwohl.

Es lässt seine großen Ohren spielen, hoppelt durch vermüllte Kreuzberger Straßen, kickt kleine Kläffer durch die Luft (“Chihuahuas fliegen am besten”) und zieht seine roten Boxhandschuhe aus dem Beutel, um tumben Neonazis und etwas clevereren Rechtspopulisten eins auf die Nase zu geben. Manchmal bleckt es die Zähne zum Grinsen, und dann weiß man, dass es im nächsten Moment einen bösen Spruch raushaut.

Der Zuschauer akzeptiert das Beuteltier sofort

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Das Erstaunliche ist: Der Zuschauer akzeptiert das Tier sofort, das sich da auf der Hollywoodschaukel fläzt und den phlegmatischen Marc-Uwe (gespielt von Dimitrij Schaad) gut gelaunt beleidigt. Die Computertrickser der Firma Trixter kennen sich aus mit vorlauten Wesen aus dem Tierreich und haben auch schon dem Waschbären Rocket in “Guardians of the Galaxy” Leben eingehaucht. Nun steckten sie den Komiker Volker Zack in einen Motion-Capture-Anzug und sorgten dann per Animation für dessen Verwandlung in den australischen Ureinwohner.

Das Känguru ist schon mal ein Pluspunkt in Dani Levys Komödie – zumal es von Kling selbst gesprochen wird, was eingefleischte Fans erleichtert in ihre Kinosessel zurücksinken lässt. Wer sonst hätte diesen Job übernehmen sollen?

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Die Hauptfigur ist nicht zu einem “gemäßigt sozialdemokratischen Koala” mutiert

Bei seinem Weg ins Mainstream-Kino ist der titelgebende Hauptdarsteller tatsächlich nicht zu einem “gemäßigt sozialdemokratischen Koala” mutiert. Das wollten die Filmemacher unbedingt verhindern.

Doch sind bei der Umsetzung einer solchen Vorlage weitere Herausforderungen zu meistern: Die “Känguru-Chroniken” sind nicht wirklich Chroniken, sondern eher locker verbundene satirische Episoden von erfrischend politischer Dreistigkeit.

Autor Kling hat auch das Drehbuch geschrieben

Känguru-Erfinder Marc-Uwe Kling hat auch das Drehbuch geschrieben und so gut als eben möglich eine Geschichte um die beiden ungleichen Kumpel in ihrem Kreuzberger Kiez gestrickt. Das Ganze ist eher ein Notkonstrukt – weshalb die Handlung gelegentlich auch auf die Stelle tritt. Was hier wirklich zählt, ist der anarchisch-alberne Witz – sowie der Einsatz für die rechte, also linke Sache. Nieder mit dem kapitalistischen Schweinesystem!

Und da kommt der rechtspopulistische Bauunternehmer Jörg Dwigs (Henry Hübchen) ins Spiel, eine schon aus den Büchern bekannte Figur. Dwigs will sich ausgerechnet in Kreuzberg mit einer Art Dwigs-Tower verewigen – nicht ganz unähnlich den Gepflogenheiten eines Immobilienhais in New York, der einen Trump-Tower hochgezogen hat. Es handelt sich um eine ganz besondere Form der Gentrifizierung.

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Manche Pointen sind nur so lala

Diesen großkotzigen Bebauungsplan gilt es mit geballtem Wort- und Wahnwitz zu stoppen. Ein Grüppchen Underdogs nimmt sich der Aufgabe an. Um so besser, wenn sich dabei der ein oder andere Porsche verschrotten lässt. Nur bei der Romanze mit Nachbarin Maria (Rosalie Thomass) kommt der ungeschickte Marc-Uwe trotz der Beziehungstipps seines tierischen Mitbewohners nicht recht voran.

Nicht alle Pointen sitzen, manche sind nur so lala. Aber das ist ja auch schon in den Büchern so. Die Gags werden in so rascher Folge gezündet, dass die Rohrkrepierer kaum bemerkt werden. Sowieso geht es hier nicht um politische Analyse, sondern darum, einen Wohlfühlfaktor beim einverstandenen Publikum zu erzielen: Das rechte Gesocks wird am Nasenring durch die Kreuzberger Manege gezogen.

Echte Känguru-Freunde dürften auf ihre Kosten kommen. Sie haben ja schon immer gewusst, dass es sprechende Kängurus gibt.

“Die Känguru-Chroniken”, Regie: Dani Levy, mit Dimitrij Schaad, Henry Hübchen, Rosalie Thomass, 93 Minuten, FSK 0

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