„Jurassic World 2“ – Und ewig brüllen die Saurier

In „Jurassic World 2 – Das gefallene Königreich“ (Kinostart am 6. Juni) droht den Sauriern schon wieder das Aussterben. Sonst ist alles beim Alten – sie fressen immer den Richtigen.

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Hannover. Auf dieses Bild mussten wir fünf „Jurassic“-Filme lang warten. Ein Dino vom Schlag der Karnivoren brüllt da auf dem höchsten Turm eines Schlosses vor dem Hintergrund eines satten Vollmondes. Sieht aus, als wäre „King Kong“ sein Lieblingsfilm. Sieht überdies aus wie Saurier in Hogwarts – Harry Potter bitte melden!

Die Sache mit der Spoilergefahr

Ein Mädchen mit rotem Oberteil wird dann in ihrem Bettchen von einer Echse mit besonders langen Zähnen und besonders scharfen Krallen bedroht. Wie schön wäre dagegen ein Wolf, nicht wahr, Rotjöppchen? Der Spanier Juan Antonio Bayona, Regisseur des fantastischen Monster-Märchenfilms „Sieben Minuten nach Mitternacht“, hat sich offenbar auf Märchen und Monster eingeschossen.

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Die Urzeitviecher in seinem neuen Film sind dabei fast genauso nett wie im Vorjahr sein Baumungeheuer: Sie fressen am Ende immer die Richtigen – Schurken und deren Schergen schmecken eben schön verdorben. Ein echter Brüller!

Ja, Spoilergefahr. Aber irgendetwas muss man ja erzählen über diesen neuen Film, und wer nur wissen will, ob in „Jurassic World: Das verlorene Königreich“ wieder ordentlich prähistorisches Riesengekreuch und –gefleuch zum Einsatz kommt, der stoppt die Lektüre am besten nach dem nun folgenden „Ja“.

Die Urzeittiere sind schon wieder vom Aussterben bedroht

Der Rest darf weiterlesen mit dem Versprechen, dass Essentielles verschwiegen bleibt und dem Wissen, dass der Platz gar nicht ausreichen würde für auch nur ein Zehntel der Details.

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Der Themenpark „Jurassic World“ auf der Isla Nublar (bei Costa Rica) ging im vorigen „JW“-Film spektakulär zu Bruch. Die Saurier können sich ihres käfiglosen Survival of the Fittest indes nur kurz erfreuen, sind sie doch 25 Jahre nach ihrer Regenesis schon wieder pauschal vom Aussterben bedroht. Ein pompöser Vulkanausbruch steht bevor, und Amerika verwendet die neuen Schutzzolleinnahmen gewiss nicht darauf, Dinos eines insolventen Privatunternehmens zu retten. So entscheidet es der US-Senat.

Da kommt den Tierschützern um Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) das Geld des Milliardärs Benjamin Lockwood (James Cromwell) gerade recht. Der hatte damals mit dem legendären John Hammond aus dem ersten Film das intakte Saurier-Erbgut in den Urmücken gefunden und sich hernach mit ihm (über das finsterste Geheimnis dieses Films) zerstritten.

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Die Arche rettet nicht alle Saurier

Lockwood lebt mit Enkelin Maisie (Isabella Sermon), Haushälterin Iris (Geraldine Chaplin) und seiner schmierigen rechten Hand Mills (Rafe Spall) in jener Hogwarts-Kopie, in deren Keller sich auch ein neues Genlabor befindet. Ein Expeditionskorps wird gen Costa Rica entsandt, und in der ersten Hälfte des Films fliegt Helden, Söldnern, Sauriern und Kinopublikum eine bis dato traumhafte Insel um die Ohren.

Den Waffenträgern kommt es vor allem darauf an, mithilfe des früheren Sauriertrainers Owen (Chris Pratt) den schlauen, menschliche Befehle befolgenden Velociraptor Blue einzufangen. Der sei das zweitintelligenteste Wesen auf der Welt, behauptet Mills. Und während sich der geneigte Zuschauer fragt, ob das intelligenteste ein Mensch ist und wenn ja, welcher, dämmert ihm zugleich, welches unerhörte Vorhaben Mills da auf eigene Rechnung verfolgt.

Die Arche rettet dann auch nur Auserwählte. Das traurigste Bild des Films ist das eines Brontosaurus, der sich im Hafen auf seine Hinterbeine stellt, um dem giftigen Qualm zu entkommen, während sich das Schiff entfernt. Das von hinten heranrollende gelbrote Vulkanfeuer lässt den Verlorenen einen Moment lang erscheinen, als sei er in Bernstein eingeschlossen.

Regisseur Bayona warnt vor dem Öffnen von Pandoras Büchse

Ansonsten: Alles wie gehabt. Der endlich wieder mitwirkende Chaostheoretiker Ian Malcolm (Jeff Goldblum) der frühen „Jurassic Park“-Filme hat wie immer recht: Was schief gehen kann, geht auch schief.

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Käfige haben Türen, die gehen schon mal auf, und dann warten Saurier nicht, bis sie wieder jemand zumacht, sonst wäre der Film ja kaum mehr als ein Panoptikum. Freunde des Visuellen kommen voll auf ihre Kosten, Freunde der Logik eher nicht, Mister Spock wäre schon nach einer halben Stunde am Verzweifeln.

Die Moral ist zudem unklar: Bayona warnt vorm Öffnen von Padoras Büchse, bevor der Tierfreund (fast immer irrationale Zeitgenossen) in ihm sie dann öffnet. Und den Deckel wegwirft. Das geschieht natürlich auch, um „Jurassic World 3“ möglich zu machen.

T. Rex kann sein eigenes Getöse nicht hören

Das Schönste am Film? Dass man die Musik, die der liebe Gott eigentlich für den Jüngsten Tag vorgesehen hatte, jetzt schon vorab hören kann. Weia! Was für ein jenseitiges Gebratz hat Komponist Michael Giacchino abgeliefert, da versteht der T. Rex sein eigenes Getöse nicht mehr.

Obwohl der ja auch anders kann. Wenn es etwa darum geht, den Oberbösewicht in der Luft zu zerreißen, ist er auch 2018 noch eine 15-Tonnen-Primaballerina, trapst leise und langsam herbei wie die Nachtigall. Und Geschwindigkeit ist keine Echserei. So hat er es schon 1993 für Steven Spielberg gemacht. Ein One-Trick-Pony, könnten Miesepeter jetzt monieren. Aber, hey, was für eins!

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Von Matthias Halbig / RND