Ein Bayer mit Leib und Seele

  • Joseph Vilsmaier war ein Bayer mit Leib und Seele.
  • Am Dienstag ist der „Herbstmilch“-Regisseur im Alter von 81 Jahren gestorben.
  • Ein Nachruf auf den großen deutschen Filmemacher.
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Joseph Vilsmaier hatte nichts gegen den Begriff „Heimatfilmer“. Er bekannte sich zu seiner Heimat Bayern, wenn ihm dies nötig erschien: „Du brauchst nicht nach Spanien, in die Türkei oder nach Italien, das ist alles viel schöner in Bayern“, hat er mal gesagt. Für Freunde war Vilsmaier der „Sepp“, so wie sich das im tiefen Süden Deutschlands gehörte. Und die Filmwelt kannte ihn als den Regisseur, der mit „Herbstmilch“ (1988) berühmt wurde.

Am Dienstag ist Vilsmaier, der „Bayer mit Leib und Seele“, gestorben, wie seine Familie mitteilte. Er wurde 81 Jahre alt.

Für einen Heimatverwurzelten hat Vilsmaier allerdings eine ziemlich internationale Karriere hingelegt: Die Literaturverfilmung „Schlafes Bruder“ nach dem Roman von Robert Schneider ging 1995 sogar ins Rennen um den Auslands-Oscar.

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Berühmt wurde er mit „Herbstmilch“

Vilsmaier inszenierte den Kriegsfilm „Stalingrad“ (1993), „Comedian Harmonists“ (1997) über die Berliner Vokalgruppe und „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ (2008). In „Marlene“ (2000) mit Katja Flint in der Titelrolle setzte er Marlene Dietrich ein cineastisches Denkmal.

In „Der letzte Zug“ (2006) erzählte Vilsmaier von den letzten Berliner Juden, die vom Bahnhof Berlin-Grunewald nach Auschwitz in den Tod verschleppt wurden. In „Nanga Parbat“ (2010) zeichnete er die tragische Himalaya-Expedition der Bergsteigerbrüder Reinhold und Günther Messner nach, die mit dem Tod von Günther endete.

Berühmt aber wurde er mit jenem Werk „Herbstmilch“, das ein Heimatfilm im besten Sinne ist – eben alles andere als verkitschende Verklärung der Vergangenheit, wie sie in Opas Kino in den Fünfzigerjahren üblich war. Hier kletterte kein Luis Trenker auf den Watzmann-Gipfel in den Alpen, und Lilo Pulver bediente auch nicht im Wirtshaus im Spessart. So wie Edgar Reitz trug Vilsmaier dazu bei, den Begriff Heimat zu entschlacken.

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Mancher Vilsmaier-Film wurde zum Familienunternehmen

Vilsmaier war damals schon beinahe 50 Jahre alt. Der Sohn eines Flugzeugtechnikers, aufgewachsen in München und Niederbayern, hatte Musik studiert, Schwerpunkt Klavier. Er hatte in einer Jazzband gespielt, bevor er das Filmgeschäft von der Pike auf lernte. Zunächst absolvierte er eine technische Ausbildung beim Kamerahersteller Arri. Es folgten Arbeiten als Kameramann und Produzent. Und dann stieß er auf Anna Wimschneiders Memoirenband.

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In „Herbstmilch“ erzählte Vilsmaier vom entbehrungsreichen Leben der niederbayerischen Bäuerin. Dieser Film bedeutete seinen Durchbruch als Regisseur und machte zugleich deutlich, was Vilsmaier unter Heimat verstand: Für ihn war diese stets mit Historie und nicht nur mit einem Punkt auf der Landkarte verbunden, wie er sich heute mit Google Maps ansteuern lässt. Mit der Heimat musste man sich auseinandersetzen, auch wenn dies schmerzhaft war.

Die Hauptrolle in „Herbstmilch“ spielte die tschechische Schauspielerin Dana Vávrová, Vilsmaiers Frau. Sie blieb eine seiner Lieblingsdarstellerinnen – bis zu ihrem bitteren Krebstod vor genau elf Jahren. Mancher Vilsmaier-Film wurde zum Familienunternehmen: Die drei Töchter Janina, Theresa und Josefina standen in „Marlene“ als die junge Dietrich in verschiedenen Altersstufen vor der Kamera. Der Papa inszenierte, übernahm die Kamera und produzierte.

Seinen letzten Film hat Vilsmaier noch vollendet

Zuletzt hat Vilsmaier vorwiegend dokumentarisch gedreht. Die Filme hießen „Bavaria – Traumreise durch Bayern“ (2012) oder „Bayern – sagenhaft“ (2017). Kein Wunder, dass die Bavaria Filmstudios ihn schon zu Lebzeiten mit einer Joseph-Vilsmaier-Straße ehrten.

Der Regisseur hatte aber noch Pläne, und einer davon wird auch nach seinem Tod Wirklichkeit: Sein letzter Film „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ mit Michael „Bully“ Herbig und Hape Kerkeling ist bereits abgedreht.

Er werde den Regisseur und Freund sehr vermissen, schrieb Herbig am Dienstag. Zumindest auf Vilsmaiers letzten Film im November können wir uns freuen.

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