Jennifer Lopez im Interview: Dieser Film hat ihr Männerbild verändert

  • In ihrem neuen Film „Hustlers“ spielt Jennifer Lopez eine Stripclub-Managerin, die mithilfe ihrer Stripperin korrupten Wall-Street-Managern auf die Spur kommt.
  • Im Interview spricht sie über das harte Striptraining für den Film.
  • Auch denkt sie nun anders über Männer.
Dierk Sindermann
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Wenn Leute stehlen oder andere ausnehmen, dann urteilt unsere Gesellschaft anders darüber abhängig davon, ob es Männer oder Frauen sind. Diese Erkenntnis stammt nicht von sozialkritischen Juristen, sondern von Jennifer Lopez. Woher die das weiß? Durch ihren neuen Film „Hustlers“. Darin spielt sie Ramona, eine zur Stripclub-Managerin avancierte Pole-Tänzerin. Zusammen mit drei Kolleginnen nimmt sie Gäste aus – vor allem Wallstreet-Haie, die in der Wirtschaftskrise mit skrupellosen Taktiken Millionen ins finanzielle Unglück gestürzt haben. „Das ganze Land ist ein Stripclub“, spricht Lopez durch Ramona, „einige werfen mit dem Geld um sich und die anderen tanzen dafür.“ Dierk Sinderman hat mit ihr über den Film gesprochen.

Was fasziniert Sie an dem Filmthema?

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„Hustlers“ erinnert mich an „Goodfellas“ oder „Boogie Nights“, wo man in eine sexy, aber auch hochgefährliche Unterwelt eintaucht. Aber das wurde noch nie aus der Perspektive einer Frau gezeigt. Diese Art Film wollte ich schon immer machen.

Waren Sie zum Rollenstudium im Stripclub?

Ja klar. Allerdings haben wir dem Manager vorher Bescheid gesagt, damit der uns einen Tisch versteckt in einer Ecke gibt. Ich wollte die Girls nur erst einmal beobachten, ohne selbst aufzufallen. Ich bin mit meiner Schwester und ein paar Freunden hin. Ich trug einen Pferdeschwanz und keiner hat mich erkannt.

Haben Sie bei dem Besuch auch selbst mal ausprobiert, an der Stange zu tanzen?

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Der Manager hat es mir angeboten. Aber ich habe ihm gesagt, dass ich nur zusehen und mich dann mit einer paar der Frauen unterhalten will.

Was haben Sie sich von den Tänzerinnen abschauen können?

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Ihre Attitude, wenn sie auf die Bühne kamen. Ich konnte deutlich sehen, welche einfach eher gelangweilt ihre Show abgespult haben und welche wirklich wie ein Star im Rampenlicht standen und alles gebracht haben. Was mich erstaunt hat, war, aus welch verschiedenen Gründen die Frauen in einem Stripclub gearbeitet haben.

Zum Beispiel?

Eine war alleinerziehende Mutter. Sie konnte so mehr Geld als in anderen Job verdienen und nachts arbeiten, damit sie sich tagsüber um ihre Kinder kümmern konnte. Die andere war eine Collegestudentin. Eine dritte hat geglaubt, dass sie als Tänzerin den Jackpot knacken könnte, also von einem Besucher das große Geld kassieren würde. Sie sagte, es war wie eine Spielsucht, die sie immer wieder zurück in den Club trieb.

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Was Sie im Film an der Stripstange veranstalten, sieht professionell aus. Sind Sie ein Naturtalent?

(lacht) Es war ein sehr hartes Training mit vielen blauen Flecken. Ich weiß noch, wie meine Tanztrainerin bei mir zu Hause erschien und meinte: „In Trainingshose und langem Shirt geht das aber nicht, die Haut muss die Stange berühren! Zieh dich bis auf deinen BH und Unterhose aus.“ Ich so: „Soll das ein blöder Witz sein? Wir kennen uns ja gar nicht!“ (lacht)

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Und dann haben Sie Ihre Scheu überwinden können?

Ja. Ich hatte ja keine Wahl. Wir hatten nur sechs Wochen Zeit, um mich gut aussehen zu lassen. Ich konnte anfangs noch nicht einmal die Stange hochklettern, weil mir die Kraft fehlte. Ich habe beim Training vor Schmerz und Anstrengung manchmal geweint, aber immer weitergemacht. Und ich denke, man kann sehen, dass ich einiges gelernt habe.

Sie wollen es ein viertes Mal mit der Ehe versuchen. Ihr Lebensgefährte Alex Rodriguez hat um ihre Hand angehalten, …

… was für mich eine riesige Überraschung war. Allerdings hatte ich vom ersten Augenblick an mit ihm eine tiefe Verbindung und konnte mir sofort eine Zukunft als Paar vorstellen.

Warum sind sie so perfekt füreinander?

Ich denke, weil wir liebend gern um den anderen herum sind und weil wir uns gegenseitig respektieren. Das ist so wichtig, wenn du zwei starke Menschen hast, die beide Personen des öffentlichen Lebens sind. Und ich liebe es so sehr, dass er immer für mich emotional und körperlich da ist, wenn ich ihn brauche. Da weiß ich einfach, dass er der richtige Mann für eine Familie und die Kinder ist!

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Ihre Zwillinge Emme und Max sind inzwischen elf Jahre alt. Nehmen Sie sie noch immer mit auf Tournee und auf die Filmsets?

Nur, wenn sie keine Schule haben. Ich habe sie bis vor zwei Jahren von einem Hauslehrer unterrichten lassen. Doch inzwischen gehen sie auf eine normale Schule. Das wollten sie unbedingt, und es bekommt ihnen sehr gut. Sie haben Freundschaften geschlossen und sind sehr happy. Ich bin so stolz auf sie!

Macht es das Leben leichter oder schwerer, Sohn oder Tochter eines Weltstars zu sein?

Es macht es nicht leichter. Max ist neulich nach Hause gekommen und hat berichtet, dass jeder auf seiner neuen Schule wissen wollte: „Ist Jennifer Lopez deine Mutter?“ Er hat ihnen nicht geantwortet, weil er nicht wusste, was er sagen sollte. Ich habe ihm gesagt, dass er stolz darauf sein soll, wer er ist, und dass er seine Herkunft nicht verschweigen soll. Ich bin eine Mama wie jede andere auch – nur dass ich halt singe und tanze.

Ihre Tochter hat Ihr Gesangstalent geerbt.

Ja. Sie ist eine großartige Sängerin und hat bei meiner letzten Tournee auch mit mir auf der Bühne gesungen. Es war etwas sehr Besonderes für mich.

Hat der Film Ihr Männerbild verändert?

Ich war nie so naiv zu denken, dass es nicht Ehemänner gibt, die ein Doppelleben führen. Die heimlich in Stripclubs gehen und auch Dinge mit anderen Frauen am Laufen haben. Doch durch „Hustlers“ wurden mir die Augen geöffnet, dass das eine regelrecht kulturelle Sache ist. Das war mir nie so bewusst und beim Drehen dachte ich: „Verdammt, das ist echt real!“

Sie haben vor ein paar Monaten Ihren 50. Geburtstag gefeiert. Haben Sie sich schon mal überlegt, es irgendwann langsamer angehen zu lassen?

Ich trage den Fluch eines sehr kreativen Menschen in mir. Selbst wenn ich relaxen und mal nichts machen könnte, würden mir alle möglichen Ideen in den Kopf kommen. Diesen kreativen Fluss kann ich nicht stoppen. Und das will ich auch nicht. Warum nicht die großartigen Möglichkeiten nutzen, die mir das Leben bietet? Ich fühle, dass ich immer besser werde und immer mehr Selbstbewusstsein entwickle. Ich habe das beste Leben, und ich bin überzeugt, dass es noch besser und besser werden wird.