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„Impfpflicht durch die Hintertür“: So reagiert die Kulturbranche auf den Vorschlag des Eventim-Chefs

  • Wann dürfen die Besucher wiederkommen? Für viele Akteure in der Kulturbranche ist das eine Frage des Überlebens.
  • Trotzdem gibt es bei einigen große Vorbehalte gegenüber einer Impfpflicht.
  • In der Branche ist nun eine Diskussion entflammt.
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„Das Ticket und den Impfausweis, bitte“ – Sieht so künftig der Einlass bei einem Konzert oder einer anderen Großveranstaltung aus? Wenn es nach dem Vorschlag des CTS-Eventim-Chefs Klaus-Peter Schulenberg ginge, wäre das zumindest eine Möglichkeit. Gegenüber der „Wirtschaftswoche“ bestätigte er, dass eine Impfung eine Zulassungsvoraussetzung für Veranstalter werden sollte, wenn jeder die Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen.

Kulturschaffende und Verbände reagieren auf diesen Vorschlag ganz unterschiedlich. „Schulenberg hat eine gute und richtige Diskussion angestoßen. Ich möchte als Veranstalter entscheiden, wen ich reinlasse. Das ist völlig legitim“, sagt Tom Koperek, Vorstandsvorsitzender der der Initiative #AlarmstufeRot gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Das Bündnis will mit verschiedenen Aktionen die Bundesregierung und die Öffentlichkeit auf die über eine Millionen Beschäftigten im Veranstaltungswesen aufmerksam machen.

Für diese Menschen gehe es in erste Linie darum, ihren Job wieder ausüben zu können. Denn bereits seit März 2020 ist es in den meisten Kulturstätten still. Auch deswegen befürwortet Koperek den Vorschlag des Eventim-Chefs: „Alles, was uns früher zurück zur Normalität bringt, ist zu begrüßen.“

Tontechniker plädiert für Schnelltestpflicht

Doch das gilt nicht für alle Menschen aus der Branche. „Das ist keine gute Idee. Das spaltet die Gesellschaft total“, sagt Timo Hollmann, Tontechniker. „Und wirkt ein bisschen, wie die Impfpflicht durch die Hintertür.“ Seit 25 Jahren arbeitet er selbstständig und begleitet unter anderem Schlagersängerin Andrea Berg, Sänger und Songwriter Daniel Wirtz und Sängerin Yvonne Catterfeld bei ihren Konzerten.

„Man muss auch respektieren, wenn Menschen sich nicht impfen lassen wollen oder können“, so Hollmann weiter. Seine Hoffnung, dass schon im Sommer wieder Veranstaltungen stattfinden können, besteht trotzdem. Seiner Meinung nach sollte dann aber lieber auf eine Pflicht für Corona-Schnelltests gesetzt werden, statt auf eine Impfpflicht.

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Eine ähnliche Position vertritt der Veranstalter S-Promotions, der beispielsweise Shows für Dieter Nuhr organisiert. „Der Vorstoß verstößt klar gegen das im Grundgesetz verankerte Diskriminierungsverbot“, teilt der Geschäftsführer Stefan Schornstein mit. Er plädiere neben Hygienekonzepten und Maskenpflicht für freiwillige Impfungen und Corona-Schnelltests.

Auch der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) befürwortet bis zum Erreichen einer akzeptablen Impfquote PCR-Tests oder Antigen-Tests einzusetzen. Dennoch signalisiert der Verband eine Bereitschaft gegenüber einer möglichen Impfpflicht. „Die Kulturveranstalter werden auch weiterhin alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um den Infektionsschutz der Veranstaltungsbesucher zu gewährleisten“, teilt Jens Michow, Geschäftsführender Präsident des BDVK, dem RND in einem schriftlichen Statement mit.

Der Deutsche Museumsbund wollte sich nicht auf Nachfrage äußern, ebenso wie der Bundesverband Musikindustrie.

Für das Kino stellt sich die Frage, ob Besucher künftig nur noch mit dem Impfausweis in die Vorstellung kommen, gar nicht erst: „Bei uns wird ja nicht getanzt, und wir reden hier nicht von vollen Stadien, wir haben genügend Abstand zwischen den Plätzen“, so Christian Bräuer, der Vorstandsvorsitzende des Verbandes AG Kino, der Programmkinos vertritt. Da setze er auf bewährte Hygienekonzepte. Und eine Impfpflicht bereitet ihm Bauchschmerzen: „So sehr ich persönlich fürs Impfen bin, das würde ja bedeuten, die Impfpflicht durch die Hintertür einzuführen.“ Kino solle auch künftig ein Alltagsvergnügen bleiben, für das man sich spontan entscheiden könne, ohne einen Ausweis zücken zu müssen.

RND/ch/goe/sto

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