“Ich war noch niemals in New York”: Liebe ohne Leiden

  • Das Kinomusical „Ich war noch niemals in New York“ ist eine Hommage an Udo Jürgens.
  • Unvermittelt dürfen Heike Makatsch und Co. in dem beschwingten Film in Gesang ausbrechen.
  • Regisseur Philipp Stölzl zeigt Mut zu großen Gefühlen - und auch zu dick aufgetragenem Kitsch.
Martin Schwickert
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Die bundesdeutsche Nachkriegsgesellschaft hat viele Schlagersänger hervorgebracht, aber Udo Jürgens war immer eine Liga für sich: musikalisch, textlich und in der Art, wie er sich ohne Anbiederung in die Herzen des Publikums hineingesungen hat. Sein eigenes Musical wurde zehn Jahre lang auf deutschsprachigen Bühnen aufgeführt.

Und was bei „Mamma Mia“ funktionierte, soll nun auch mit „Ich war noch niemals in New York“ klappen: die Verlängerung des Musicalerfolges auf die Leinwand. Mit einem Budget von zwölf Millionen Euro hat Produzentin Regina Ziegler das Projekt gestemmt und mit Philipp Stölzl („Medicus“) einen Regisseur unter Vertrag genommen, der keine Angst vor Großproduktionen hat.

Die lästige Realität wird ausgehebelt

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Schnell ist klar, dass Stölzl das wichtigste Gestaltungsprinzip des Musicals in sich aufgenommen hat: Nicht weniger, nur mehr ist mehr. Die lustvolle Übertreibung und die Aushebelung lästiger Realitätsansprüche bilden das Fundament eines Genres, in dem die Menschen unvermittelt auf der Straße zu singen anfangen. „Ich war noch niemals in New York“ ist ein Jukeboxmusical: Die Handlung bildet nur einen dünnen Vorwand für das beherzte Trällern beliebter Songs.

Hier ist es ein altes Mütterchen (Katharina Thalbach), das nach einem Sturz sein Gedächtnis verliert und sich nur noch – Udo Jürgens sei Dank – daran erinnert, noch niemals in New York gewesen zu sein. Also geht es ab auf den nächsten Dampfer – verfolgt von Tochter Lisa, gespielt von Heike Makatsch

Lisa ist eine gestresste TV-Moderatorin, die das Schiff mit ihrem treuen Maskenbildner Fred (Michael Ostrowski) kurz vor dem Auslaufen entert. Und schon befindet man sich in einem Traumschiffszenario, in dem auf hoher See die Gefühle in verschiedenen Liebeskonstellationen in Wallung geraten.

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Draußen hüpfen Delfine vorüber

Mit inszenatorischem Übermut hangelt sich der Film von einem Udo-Hit zum nächsten: „Aber bitte mit Sahne“, „Mit 66 Jahren“, „17 Jahr, blondes Haar“, „Merci Chéri“, „Liebe ohne Leiden“. Dabei werden die manchmal holprigen Übergänge vom Film zum Song mit augenzwinkerndem Charme überspielt. Und wer hätte gedacht, dass der deutsche Urlauber-Gassenhauer „Griechischer Wein“ aus der Kehle Pasquale Aleardis so viel Matrosen-Sexappeal freisetzen würde?

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Im Kitschsegment schreckt Stölzl vor nichts zurück: Wenn Lisas Mutter in der Hochzeitssuite endlich in den Armen von Jugendliebe Otto (Uwe Ochsenknecht) liegt, hüpfen draußen vor dem pinkfarbenen Sonnenuntergang Delfine vorbei.

Für solche schrillen Details muss man den Film lieben, auch wenn nicht alle Schauspieler mit stimmlichem Talent glänzen. Natürlich kann man „Ich war noch niemals in New York“ nicht mit US-Produktionen wie „La La Land“ vergleichen, die finanziell und personell besser ausgepolstert sind. Und doch entfaltet Stölzl maximale Liebe zum Genre, das er mit Genuss und Ironie abfeiert.

„Ich war noch niemals in New York“, Regie: Philipp Stölzl, mit Heike Makatsch, Moritz Bleibtreu, 128 Minuten, FSK 0

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