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Hunde im Himmel: Als Laika auf tödliche Weltraum-Mission ging

  • Laika umkreiste als erstes Lebewesen die Erde.
  • Die Doku “Space Dogs” über Straßenhunde in Moskau erinnert an ihr Schicksal.
  • Und sie erzählt von Tierquälerei im Namen der Wissenschaft.
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Als die Raumkapsel nach fünf Monaten wieder Kurs auf die Erde nahm, war die einzige Passagierin an Bord lange schon tot. 2570-mal hatte die Hündin Laika 1957 den Planeten umrundet. Gestorben war sie schon bei der dritten oder vierten Erdumkreisung gerade fünf bis sieben Stunden nach dem Start. Nur behielt die sowjetische Staatsführung diese Information bis zum Jahr 2002 lieber für sich.

Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühte Sputnik 2. Möglich jedoch, dass die Hündin nicht gänzlich im Nichts verschwand: “Wissenschaftler haben uns erklärt, dass die Partikel langsam auf die Erde sinken. Das kann 60 oder gar 100 Jahre dauern”, sagt die österreichische Regisseurin Elsa Kremser.

Auf der Suche nach dem Geist Laikas

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Zusammen mit ihrem deutschen Kollegen Levin Peter hat sie aus dieser Überlegung eine poetische Idee geboren: Die beiden machen sich auf die Suche nach dem Geist Laikas und verfolgen in der Kinodoku “Space Dogs” (Start: 24. September) ein Rudel Straßenhunde durch Moskau – auch Laika war eine Streunerin, eine rund dreijährige Mischlingshündin mit viel Terrierblut, die für ihre tödlich endende Mission eingefangen worden war.

Eine gehörige Portion Einbildungskraft ist vonnöten, um die beiden Geschichten zu klammern. Zumindest tröstet die Vorstellung von Laikas Fortexistenz. Denn was 1957 wie ein Unfall erschien, war geplant: Eine Rückkehr Laikas stand nie auf der Agenda. Angeblich hätte sie nach zehn Tagen mit vergiftetem Futter getötet werden sollen.

Im Oktober 1957 zitierte Staatschef Nikita Chruschtschow seinen obersten Raketenkonstrukteur Sergei Pawlowitsch Koroljow zu sich. Die Sowjets hatten soeben Amerika beim Wettlauf um den ersten Satelliten überflügelt. Der Sputnik-Schock saß tief. Nun wollte Chruschtschow den USA den nächsten Schlag versetzen: Ein Säugetier sollte in den Weltraum geschossen werden. Bis zum 40. Jahrestag der Oktoberrevolution sollte Koroljow seine Rakete in die Luft bringen. Fürs Austüfteln eines Rückkehrsystems fehlte die Zeit. Laikas Schicksal war besiegelt.

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Vor ihr war schon einiges Getier in den Orbit geschossen worden. Fruchtfliegen wurde 1947 das zweifelhafte Privileg zugestanden. Der Rhesusaffe Albert an Bord einer V2, abgeschossen von einer US-Luftwaffenbasis, brachte es 1948 auf 62 Kilometer, war aber wohl schon beim Start erstickt. 1951 überlebten die sowjetischen Hunde Dezik und Tsygan einen Flug bis in eine Höhe von 110 Kilometern. In eine Umlaufbahn gestartet wurde erst Laika.

Die Sowjets experimentierten mit Hunden

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Die Amerikaner experimentierten mit Affen, die Sowjets setzten auf Hunde, aber keinesfalls auf Rassehunde: “Wir brauchen den Köter von der Straße, der widerstandsfähig ist”, soll Koroljow gesagt haben. Die tierischen Astronauten durften maximal sechs Kilo wiegen, Weibchen bevorzugt: Diese hoben nicht das Bein, um zu pinkeln, was in der winzigen Kapsel unmöglich gewesen wäre.

Zur Vorbereitung wurden die Tiere in Zentrifugen gesteckt, um die Beschleunigung in der Rakete zu simulieren. Im Flugzeug wurden sie extremen Bedingungen ausgesetzt, und sie wurden in immer kleinere Käfige gesperrt. So eng waren diese, dass die Tiere keinen Kot mehr ausschieden. Erfolgreich galten die Versuche nach Angaben der Filmemacher, wenn die Tiere 20 Tage in einer Isolationskabine ertragen konnten.

Die Regisseure stießen auf bislang unveröffentlichtes Material in Moskauer Archiven. Dessen Anblick dürften Tierfreunde nur schwer ertragen: “Diese Filmrollen wurden so gut geschützt, weil man sieht, wie die Hunde operiert wurden”, sagt Peter.

Demnach wurden einigen Tieren Sonden in die Haut genäht und manchen die Halsschlagader nach außen operiert. Während des Flugs ließ sich so ihr Puls messen. Bei späteren Flügen wurden die Hunde mittels einer Magensonde ernährt. Sie bekamen energiereiches Gel zu fressen.

Laika war nicht die einzige Hündin, die für Sputnik 2 infrage kam. Albina und Muschka waren auch schon bei Höhenforschungsprogrammen erprobt worden und sollten sie im Zweifelsfall ersetzen. Warum die Wahl auf Laika fiel, beschrieb ein Wissenschaftler damals so: “Sie verschwendet ihre Energie nicht, macht keine hastigen Bewegungen in der Isolationskapsel und reagiert aktiv auf den Menschen. In ihrem Verhalten gibt es nichts Überflüssiges.” Laika heißt übersetzt so viel wie “Kläffer”, tatsächlich aber war sie wohl die perfekte tierische Astronautin.

Hündin Laika ließ ihr Leben

Dokuregisseurin Kremser weiß noch einen weiteren Grund für die Bevorzugung Laikas: “Ihr Gesicht war besonders schön schwarz-weiß gemustert und daher für den Zeitungsdruck bestens geeignet.”

Im Dienste der sowjetischen Wissenschaft, mehr aber noch als Opfer von Weltmachtstreben und Propaganda, ließ Laika ihr Leben. Posthum stieg sie zur Heldin auf. Auf Tassen und auf Briefmarken wurde ihr Gesicht abgedruckt, die Sowjetunion feierte ihr angeblich heroisches Ende.

“Das Space Race war teilweise Entertainment”, sagt Peter. Kremser spricht gar von den “ersten Popstars der Sowjetunion”. Noch 2008 wurde in Moskau ein Denkmal für Laika enthüllt, das die Hündin stehend auf einer stilisierten Rakete zeigt.

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Drei Jahre nach Laika wurden die Hunde Belka (Eichhörnchen) und Strelka (Pfeilchen) mit Sputnik 5 ins All geschossen. Sie überlebten den eintägigen Ausflug ins All – und ermöglichten es, dass die Sowjetunion es riskieren konnte, Juri Gagarin 1961 als ersten Menschen um die Erde kreisen zu lassen.

Strelka bekam bald Welpen. Einen davon schenkte Chruschtschow Caroline Kennedy, der Tochter des US-Präsidenten. Auch mit niedlichen Hundebabys ließen sich im Kalten Krieg PR-Erfolge erzielen.

So viel Glück war Laika nicht beschieden. Am 3. November 1957 um 2.30 Uhr stieg die Rakete im kasachischen Baikonur in die Luft. Die Sensoren zeigten an, dass Laikas Puls sich verdreifachte. Nur langsam beruhigte er sich wieder. Sieben Stunden später war kein Lebenszeichen mehr zu empfangen. Vermutlich starb Laika wegen des schlechten Wärmeschutzes einen Hitzetod.

Laikas Tod löste heftige Debatten über den Missbrauch von Tieren im Namen der Wissenschaft aus. Heute noch verweist die Tierschutzorganisation Peta auf Laikas Tod, um gegen Versuche an unseren Mitlebewesen zu mobilisieren. Laikas Ausbilder Oleg Gasenko sagte 1998: “Je mehr Zeit vergeht, desto mehr tut es mir leid. Wir haben durch die Mission nicht genug gelernt, um den Tod des Hundes zu rechtfertigen.”

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