Honig und Viagra: olympiareife Theorien

  • In Tokio zeigt der Mensch gerade, was er körperlich alles leisten – und nicht leisten – kann.
  • Doch seine wahre Stärke liegt im Inneren, meint unser Kolumnist Wladimir Kaminer.
  • Und gibt ein paar verschwörungstheoretische Beispiele.
Wladimir Kaminer
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Die Olympischen Spiele in Tokio zeigen mit aller Deutlichkeit: Wir Menschen werden nie so schnell laufen wie Strauße und so schnell schwimmen wie Haie. In einer anderen Disziplin sind wir aber die absoluten Könige, da kann uns kein Hai und kein Strauß etwas vormachen.

Wir können Geschichten erzählen, wir produzieren sie am laufenden Band. Wie die Bienen verwandeln wir den trockenen Staub der Ereignisse in den süßen Honig von Geschichten. Zurzeit in Verschwörungsgeschichten. Sie werden von denen erzählt, die sich nicht gegen Corona impfen lassen wollen.

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Bill Gates, von der CIA gezüchtete Fledermäuse und die übermächtige Plexiglasindustrie sind längst aus dem Schneider. Es wird unermüdlich weitergeforscht.

Meine russischen Landsleute sagen, nur die ersten zwei Stiche sind gratis, danach entwickelt der Körper eine Sputnik-Abhängigkeit und will jeden Monat eine neue Spritze haben, die aber kostet. Die Neuköllner Versteifungstheorie lautet, die Firma Pfizer habe rote Zahlen wegen sinkenden Absatzes von Viagra geschrieben. Also hat sie ein Vakzin entworfen, das sich hemmend auf die Potenz auswirkt, damit sie ihre Pillen wieder besser verkaufen kann.

Die österreichische Endzeittheorie besagt, der Staat wolle unsere Loyalität prüfen, die Spreu vom Weizen trennen. Nur wer staatlichen Anweisungen bedingungslos folgt, darf ins Restaurant, in den Zoo, ins Krankenhaus, die Freiheitsliebenden werden vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sein.

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Es gibt noch ein paar, die meinen, es gehe bei der Impfung darum, dass die Menschen gesund bleiben. Wer glaubt das?

Wladimir Kaminer schreibt jede Woche aus seinem Alltag als Schriftsteller – zwischen Moskau und Berlin.

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