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Helen Mirren nach dem Weinstein-Urteil: “Der Damm ist gebrochen”

  • Die britische Schauspielerin Helen Mirren bekommt am Donnerstag den Ehrenbären der Berlinale.
  • Ihr gesamtes Schauspielerinnenleben lang hat sich die 74-Jährige für Frauen eingesetzt.
  • Mirrens Tipp für junge Schauspielerinnen: Seid mutig, seid dreist – und akzeptiert kein Nein!
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Berlin. Frau Mirren, Sie haben eine Menge Preise zu Hause rumstehen, zum Beispiel einen Oscar für “The Queen”: Was bedeutet Ihnen da noch der Berlinale-Ehrenbär, den Sie am Donnerstag bekommen?

Wir Filmmenschen wissen genau, was wir am Berliner Publikum haben: Es ist kenntnisreich, kritisch und auch herausfordernd. Ich war schon zu Gast bei diesem Festival, als die Mauer noch stand. Mitte der Achtzigerjahre habe ich hier den Science-Fiction-Film “2010” vorgestellt – und der kam ziemlich schlecht an. Übrigens habe ich auch schon in einem Werk mit dem Titel “Berlin, I Love You” mitgemacht.

Sie sind spezialisiert auf die Darstellung von Königinnen ...

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… und auch auf viele andere Rollen, Haushälterinnen zum Beispiel …

... und haben im Vorjahr Katharina die Große gespielt. Haben Sie für diese Zarin eine besondere Vorliebe wegen Ihrer aristokratischen russischen Abstammung?

Katharina kam ja aus dem Preußischen, sie war keine Russin. Aber wer weiß, vielleicht haben die Gene meines russischen Großvaters mir geholfen. Meine Vorfahren stammten irgendwo aus Osteuropa. Der Spaß an so einer Königinnenrolle ist aber ein ganz anderer.

Welcher?

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In so einer Rolle ist es entscheidend, die Spannung zwischen dem Politischen und Privaten auszubalancieren. Katharina war nicht nur Regentin, sondern eine Frau mit Leidenschaften und Schwächen.

Nervt es Sie, dass Sie nun auf ewig mit der “Queen” identifiziert werden?

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Ach wissen Sie, bekannt geworden bin ich mit der britischen Fernsehserie “Heißer Verdacht”. Da spielte ich die Polizistin Jane Tennison. Und irgendwann wurde mir klar: Wenn ich jetzt von einem Bus überfahren werde, sterbe als Jane Tennison und nicht als Helen Mirren. Da bin ich aus der Serie ausgestiegen. Bei der “Queen” ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass sie vom Bus überfahren wird. Ich bin jetzt auf der sicheren Seite.

Sie haben sich manches Mal mit Ihren Regisseuren angelegt: Waren Sie Ihre eigene “Time’s Up”-Bewegung – schon lange, bevor es diese Bewegung überhaupt gab?

Absolut! Da ist was dran. Ich habe jedenfalls immer um Gleichberechtigung gekämpft – so wie manch andere Frau auch. Vielleicht war ich nicht immer so deutlich hörbar in der Öffentlichkeit, wie ich es hätte sein sollen. Aber das war auch schwierig. Über viele Jahre habe ich mich in einer Umgebung bewegt, die visuell und kulturell von Männern gesteuert wurde. Wenn ich ans Filmset kam, standen da 150 Männer rum und drei Frauen – wenn ich Glück hatte.

Was bedeutete das für Ihre Arbeit?

Das können Sie sich gar nicht vorstellen: Jeden Tag wieder musst du mit dieser Situation umgehen. Du darfst nicht das Falsche sage. Du musst höflich sein. Du musst flirten, wenn es wichtig ist, und es lassen, wenn es falsch ist.

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Was hat sich inzwischen – auch nach dem ersten Urteil gegen Harvey Weinstein in New York – in der Filmwelt verändert?

Es ist, als wäre ein Damm gebrochen – und das ist fantastisch. So lange hatten die Männer ihre Hände gegen die Dammmauer gestemmt. Und nun sind sie erschrocken über die Druck der Flut, die ihnen entgegenrollt. Ich hoffe wirklich, dass der Damm endgültig zerstört ist.

Wie sieht es heute für Frauen am Set aus?

Seit ein paar Jahren sind viel bessere Rollen im Angebot. Als ich jung war, war zum Beispiel an eine weibliche Actionfigur gar nicht zu denken. Der große Moment in meiner Karriere war aber der, als ich die erste Kamerafrau entdeckte. Ihr gesamtes Team bestand aus Frauen. Es geht nicht nur um Veränderungen vor, sondern auch hinter der Kamera.

Inzwischen tauchen Sie selbst im Actionkino auf, zum Beispiel in “Fast & Furious” – eher ungewöhnlich für ein verdientes Mitglied der Royal Shakespeare Company. Wie kommt’s?

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Weil ich Vin Diesel so sehr liebe! Er gehört zu jenen Kinostars, die ich heimlich verehre. Ich nutze jede Gelegenheit, um ihm nahe zu sein. Im Ernst: Als ich in meinen Zwanzigern war, hätte ich da nie mitgemacht. Da war ich regelrecht versnobt.

Tatsächlich?

Auf jeden Fall. In die Welt der Schauspielerei bin ich als 14-Jährige durch Shakespeare gekommen. Und dann wollte ich lieber experimentelles Theater in Paris machen. Die Theaterbühne war meine Kirche. Heute bin ich bei Action begeistert dabei. Das hat wohl etwas mit dem Erwachsenwerden zu tun. Und so führte mein Weg von Shakespeare zu Vin Diesel.

Haben Sie noch einen Tipp für junge Frauen parat, die ins Filmgeschäft wollen?

Seid mutig, seid dreist! Es macht gar nichts, wenn ihr andere verärgert. Ein Nein als Antwort dürft ihr nicht akzeptieren.


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