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„Helden der Wahrscheinlichkeit“ mit Mads Mikkelsen: schwer verkorkste Männlichkeit

  • Der Kinofilm „Helden der Wahrscheinlichkeit“ bietet einen ganz speziellen dänischen Humor.
  • Die Riege schwer verkorkster Männerfiguren wird von Mads Mikkelsen angeführt.
  • Theorie und Praxis der Verbrechensbekämpfung prallen auf skurrilste Weise aufeinander.
Martin Schwickert
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Nicht die wahrscheinlichen Ereignisse, sondern die unberechenbaren Zufälle bestimmen die Dramatik. Das gilt im Leben und erst recht im Kino.

Zu Beginn von Anders Thomas Jensens „Helden der Wahrscheinlichkeit“ wird ein Fahrrad gestohlen, das Mathilde (Andrea Heick Gadeberg) gehört. Ihre Mutter möchte sie mit dem Auto fahren, das jedoch nicht anspringt, weshalb beide beschließen, sich zusammen einen schönen Tag in der Stadt zu machen. Auf dem Weg dorthin bietet ihr ein Mann in der S-Bahn seinen Sitz an. Als der Zug kurz danach entgleist, verliert die Mutter ihr Leben, während Mathilde mit Verletzungen davonkommt, genauso wie Otto (Nikolaj Lie Kaas), der höfliche Mitreisende. Mathilde wirft sich vor, nicht zu Fuß zur Schule gegangen zu sein. Auch Otto wird von Schuldgefühlen geplagt. Schließlich hat er der Unbekannten den todbringenden Sitzplatz angeboten.

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Der arbeitslose Mathematiker auf dem Gebiet der Wahrscheinlichkeitsrechnung ist jedoch der festen Überzeugung, dass der Unfall kein Zufall war, sondern das Werk einer kriminellen Rockergang, die den Kronzeugen in einem Prozess aus dem Weg räumen wollte. Die Polizei wimmelt ihn ab.

Otto nimmt Kontakt zu Mathildes Vater Markus (Mads Mikkelsen) auf. Der Berufssoldat ist gerade aus Afghanistan zurückgekehrt und von der Rolle des väterlichen Trostspenders überfordert. Er tut sich mit Otto, dessen ehemaligen Kollegen Lennart (Lars Brygmann) sowie dem Hacker Emmenthaler (Nicolas Bro) zusammen, um die mutmaßlichen Täter zur Strecke zu bringen.

Anders Thomas Jensen gilt mit wuchtigen Dramen wie „In einer besseren Welt“ (2010) oder „Nach der Hochzeit“ (2006) als wohl wichtigster Drehbuchautor des dänischen Kinos. Wenn er selbst als Regisseur hinter die Kamera tritt, dann um einen ganz speziellen schwarzen Humor auf die Leinwand zu bringen, mit dem er in Filmen wie „Adams Äpfel“ (2005) oder „Men & Chicken“ (2015) seine liebevoll gezeichneten, aber schwer verkorksten Männerfiguren charakterisiert.

In „Helden der Wahrscheinlichkeit“ erweitert er dieses Arsenal um ein nerdiges Dreigespann, das sein halbes Leben mit Algorithmen verbracht hat und nun eine Allianz mit einem rachewilligen Mann der Tat eingeht. Während Otto und seine Freunde mit Cyberüberwachung die Bösewichte ausmachen, fackelt der gelernte Soldat Markus nicht lange, wenn es um Mord und Totschlag geht.

Theorie und Praxis der Verbrechensbekämpfung prallen in dem ungleichen Ermittlungsteam auf skurrilste Weise aufeinander und zeitigen fatale Folgen. Auf bitterböse Weise nimmt Jensen die kurzsichtigen Verarbeitungsstrategien fehlgeleiteter Männlichkeit auseinander. Dennoch hält er an seinem liebevollen Blick auf die verkrachten Existenzen fest. Am Ende verrennt sich der Film jedoch in einen Shootout, der trotz schwarzhumoriger Munition Längen entwickelt.

„Helden der Wahrscheinlichkeit“, Regie: Anders Thomas Jensen, mit Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, 16 Minuten, FSK 16

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