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Heino verärgert: Tonhalle Düsseldorf will „deutschen Liederabend“ nicht bewerben

  • Sänger Heino kündigt in Düsseldorf für Oktober einen „deutschen Liederabend“ an.
  • Die Tonhalle will die Veranstaltung nicht bewerben, da sie als „Abend für Deutsche“ missverstanden werden könnte.
  • Der Musiker ist „fassungslos“ und will am Begriff „deutsch“ festhalten.
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Düsseldorf. Heino hat Humor. Etwa wenn er in der neuen Amazon-Show „LOL – Last One Laughing“ „Kein schöner Land“ singt und zwischendurch mal aus einem Luftballon Helium einatmet, worauf der Mann mit der dunklen, kraftvollen Stimme bei heimatseligen Zeilen wie „Wo wir uns finden, wohl unter Linden zur Abendzeit“ klingt wie der Klampfenschlumpf aus Schlumpfhausen. Der Sänger, der in den Zehnerjahren mit Coverversionen von Songs der Toten Hosen, von Rammstein und anderen Rock- und Popmusikern sein Image erweitert hatte, rockt derzeit nicht mehr – er besinnt sich nicht nur in Bully Herbigs Show wieder auf sein Kerngeschäft. Mit der Ankündigung eines Liederabends unter dem Titel „Heino goes Klassik – Ein deutscher Liederabend“ hat er jetzt für Unmut gesorgt. Zugleich ist ihm selbst das Lachen vergangen.

Die Tonhalle Düsseldorf, in der das Konzert des 82-Jährigen am 8. Oktober 2021 über die Bühne gehen soll, hat Bedenken, was das Werben für den Auftritt betrifft. Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) führte Tonhallen-Pressesprecherin Marita Ingenhoven aus: „Wir würden auch einen Sinfonieabend mit Werken von Brahms oder Beethoven nicht als ‚deutsches Sinfoniekonzert‘ ankündigen. ‚Deutsches Lied‘ ist ein wissenschaftlich verbürgter Begriff, aber ,deutscher Liederabend‘ ist nicht richtig – fachlich wie politisch.“

Die Sorge: Der Abend wird als „Liederabend für Deutsche“ eingeordnet

Man räume ein, dass die Auswahl der aufzuführenden Stücke tatsächlich zum deutschen Liedgut gehöre, trage aber Sorge, der Titel könnte als „Liederabend für Deutsche“ missverstanden werden. Alternativvorschläge seitens der Halle wurden angeboten: „Heino – ein Liederabend“ oder „Heino singt deutsches Lied“. „Das Einzige, was wir gesagt haben, ist“, so Ingenhoven, „dass wenn er auf dem Untertitel besteht, wir den Abend auf unseren vergleichsweise reduzierten Kanälen – unserer Homepage und unserem Saisonmagazin – nicht ankündigen werden.“ Sowieso würden Gastveranstaltungen wie das Heino-Konzert innerhalb der Halle nicht mit Plakaten beworben.

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Eigentlich sei der Abend schon für die Saison davor angekündigt gewesen. Damals habe die Show, so Ingenhoven, noch „Heino goes Klassik – mit großem Orchester & Chor; Stargast Yury Revich“ geheißen, sei dann aber wegen der Pandemie ausgefallen. Mit – auch wegen der Corona-Bestimmungen – deutlich reduziertem Orchester gehe Heino jetzt mit dem umstrittenen neuen Programmtitel auf Tour

Der Künstler selbst äußerte gegenüber „Bild“, er „denke nicht daran, das Wort ‚deutsch‘ aus meinem Liederabend zu streichen“. „Muss ich mich jetzt als 82-jähriger Deutscher für das Wort ‚deutsch‘ schämen?“, fragte der Verärgerte und befand die Diskussion um eine „neue korrekte Sprache“ als „Quatsch“. „Ich bin und bleibe ein deutscher Sänger, der deutsche Lieder singt und die deutsche Sprache liebt“, so Heino weiter.

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Wohingegen der Intendant Michael Becker in der „Bild“ auf die städtischen Richtlinien von 2019 verwies. Die „Überlassung von Räumen für Veranstaltungen mit rassistischen, antisemitischen, salafistischen, antidemokratischen, sexistischen, gewaltverherrlichenden oder anderen menschenfeindlichen Inhalten“ werde abgelehnt.

Heino: „Bin ich ein Hetzer, weil ich deutsche Lieder von Brahms und Schubert singe?“

Dabei stellte Pressesprecherin Marita Ingenhoven gegenüber dem RND klar, dass man seitens der Tonhalle wirklich ausschließlich den Untertitel der Show kritisiere, in keiner Weise aber deren Inhalt oder den Künstler in einer der erwähnten städtischen Kategorien sehe. „Der Vertrag steht. Das Konzert ist gebucht und findet auch statt“, so Ingenhoven. Außer natürlich, wenn es durch die Corona-Lage unmöglich werde.

„Fassungslos“ zeigte sich der Sänger. „Bin ich ein Hetzer, weil ich deutsche Lieder von Brahms und Schubert singe?“, fragte Heino in der „Bild“. „Soll das Wort ‚deutsch‘ jetzt auch schon rechtspopulistisch sein?“

„Es müsste von Anfang der Diskussion an klar gewesen sein, dass wir uns überhaupt nicht an dem Begriff ‚deutsch‘ stören“, so betonte Intendant Michael Becker gegenüber dem RND. „Und ich kriege jetzt den ganzen Tag Mails, was ich denn für einer sei und man dürfe nicht mehr ‚deutsch‘ sagen. Wir sagen nicht: Herr Heino ist ein Hetzer, was er selbst hingegen suggeriert. Wir sagen nur: Dieser Titel ist so missverständlich. Nenn es doch bitte nicht so – weil es ein falscher Begriff ist.“

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„Das ist alles sicherlich nicht von Heino intendiert“, versichert Marita Ingenhoven dem RND. „Aber er rutscht damit in diese ‚tümelnde‘ Ecke, in die man ihn im Lauf seiner Karriere immer mal wieder gestellt hat.“ Spätestens seit ‚Junge‘ dürfe ihm diesbezüglich ja niemand mehr etwas unterstellen, so Ingenhoven. „Und er hat seine Verdienste, auf seine unverwechselbare Art deutsches Liedgut in die Gegenwart zu retten.“

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