• Startseite
  • Kultur
  • Happy Birthday, “Peanuts”! Die Helden eines unschuldigen Amerikas werden 70

Happy Birthday, “Peanuts”! Die Helden eines unschuldigen Amerikas werden 70

  • Happy Birthday, Charlie Brown, Snoopy und Peppermint Patty!
  • Am heutigen 2. Oktober werden die “Peanuts” 70 Jahre alt.
  • Ihr Zeichner Charles M. Schulz schuf die altklugen Kinder und ihren multitalentierten Hund, die in einem unschuldigeren Amerika ihre kleinen Abenteuer erlebten und bis heute von Millionen Fans geliebt werden.
|
Anzeige
Anzeige

Nicht mehr lang, dann ist wieder Halloween und dann packen wir – wie alle Jahre – die “Peanuts”-Halloweenfolge in den DVD-Player. Dann steigt wieder der große Kürbis auf über dem Kürbisfeld und bringt den Kindern in dem amerikanischen Zeichentrickstädtchen einen Sack voller Geschenke. Daran glaubt jedenfalls Linus (der mit seiner Schmusedecke Mücken aus der Luft schießen kann, als wäre er ein Italowesternsheriff). Und so versäumt er glatt das “Grabschen” (nein, nicht die Trump-Unsitte, sondern das, was heute als “Süßes oder Saures” bekannt ist).

Der Kürbis kommt natürlich nicht, und Charlie Browns Schwester Sally, die mit Linus vergeblich im herbstlichen Acker ausharrte, entliebt sich spontan von ihm. Das war süß, lustig und traurig in einem. Die Liebe ist ein ebenso flüchtig Ding wie ein Kürbis ein völlig unmöglicher Himmelskörper ist. Linus hat’s überlebt – er überlebt es alle Jahre wieder.

Anzeige

Charles M. Schulz’ unbewegte (Comic Strips) und bewegte (Cartoons) Geschichten von den erwachsenartigen Knirpsen mit den Kartoffelköpfen lässt man sich immer gern noch einmal erzählen. Am 2. Oktober 1950 veröffentlichte der damals 27-jährige zeitlebens schüchterne Schulz, Sohn eines Deutschen und einer Norwegerin aus Minneapolis, die erste Vier-Panel-Folge der “Peanuts”, die mit den “Li’l Folks” seit 1947 einen Vorläufer hatten. In sieben Zeitungen des United Feature Syndicate erschienen die vier Bildchen, in denen Charlie Brown an zwei Kindern vorbeilief, von denen eines nach seinem Verschwinden deklamierte, wie sehr es Charlie Brown hasse. Da war er geboren, der Verlierer aller Comic-Verlierer, der, bedenkt man seine Popularität, in Wahrheit natürlich ein Gewinner war.

Die “Peanuts” wurden nach den billigen Theaterplätzen benannt

Denn auf dem Höhepunkt waren es 2671 Blätter in 75 Ländern und 21 Sprachen, die “Peanuts” druckten. Und Papa Schulz war unermüdlich. 17.897 “Peanuts”-Strips sind von ihm überliefert. In all der Zeit machte der “Peanuts”-Schöpfer nur ein einziges Mal Urlaub von Snoopy & Co. – fünf Wochen im Herbst 1997, als er 75 Jahre alt wurde. Da wurden alte Storys neu aufgelegt – ausnahmsweise.

Das Stream-Team Was läuft bei den Streamingdiensten? Was lohnt sich wirklich? Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix & Co. gibt‘s jetzt im RND-Newsletter „Stream-Team“ – jeden Monat neu.
Anzeige

Sonst galt Schulz' Walten täglich seinen “Erdnüsschen” und ihrem Miteinander: Lucy liebt Schröder, Pianist Schröder liebt nur Beethoven, Lucys Bruder Linus liebt seine Decke, Beagle Snoopy küsst gern Mädchen, ist ein hervorragender Tänzer und schmeißt gern mal den Propeller seiner Hundehütte an, um gegen den (imaginären) Roten Baron zu fliegen. Ach ja, Charlie Brown ist vielleicht ein Holzkopf, aber auch ein wunderbarer, grundguter Mensch, das Herz der “Peanuts”-Comics, die nach der “peanut gallery”, den billigen Plätzen im Theater benannt wurden. Ein Junge, der immer Kind blieb, während man selbst alt und älter wurde und sich dennoch bis heute in ihm erkennt.

Und der nicht nur den Vornamen von seinem “Vater” Schulz erhielt, sondern viele seiner Eigenschaften. Das rothaarige Mädchen, dem Charlie hinterherschmachtete, das er sich auf dem Schulhof nicht anzusprechen traute, gab es wirklich. Auch gab es in Wirklichkeit einen Heiratsantrag, der indes abgelehnt wurde. Schulz’ wurde später dennoch glücklich. Zwei Ehen, fünf Kinder.

Anzeige

Charlie Brown und Snoopy schafften es bis ins Weltall

Was die “Peanuts” generationenübergreifend attraktiv machte, war ihr Streben, groß zu sein, verantwortungsvoll, erwachsen zu handeln, wie Kinder eben so sind. Cool, altklug, furchtlos, durch nichts zu entmutigen. Auch wenn Charlie nie ein Baseballspiel gewann, griff er immer wieder aufs Neue zum Schläger. Man konnte über die “Peanuts” lachen, aber es war mehr ein Lachen mit ihnen. Sie waren in ihrem Witz ernst, niemals infantil. Und sie standen für ein unschuldiges Amerika, in dem es keinen Krieg, keine Krisen und keinen Rassismus gab. 1968 stieß das schwarze Kind Franklin dazu. Als Gleicher unter Gleichen.

Die echten Erwachsenen waren bei alldem nur bis zur Hüfte zu sehen, hatten nörgelige Stimmen, die immer klangen wie gedämpfte Trompeten: “Näg-näg-näg!” Damit konnten sie der forschen Peppermint Patty, der emanzipierten Lucy und dem in einer Staubwolke lebenden Pig Pen im Mondschein begegnen. Mit dem Mondschein wären wir nun fast wieder bei der “Peanuts”-Halloweenfolge.

Zum Trabanten flogen die “Peanuts” übrigens auch: Nachdem 1958 die erste Snoopy-Plastikfigur erschien, waren der menschelnde Beagle und seine menschlichen Kumpane Teil der Popkultur geworden. So wurde im Mai 1969 nach Snoopy die Mondlandefähre der Apollo-10-Mission benannt, die zugehörige Rakete hieß Charlie Brown. Und es passt perfekt zu Charlie Brown, dass Apollo 11 der Ruhm vorbehalten blieb, auf dem Mond zu landen.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen