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Gute Seiten, schlechte Seiten: TV-Promis nutzen Corona-Krise zum Buchschreiben

  • So viele Biografien und Bücher von Prominenten wie 2021 erschienen wohl in kaum einem Jahr.
  • Egal ob Komikerin Carolin Kebekus oder Schauspieler Fritz Wepper: Sie haben die Corona-Krise im stillen Schreibkämmerlein genutzt.
  • Während einiges davon literarischen Wert hat, ist anderes eher nur Stoff für wahre Fans.
Cornelia Wystrichowski
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Die Corona-Krise hat sie ausgebremst: Viele Schauspielerinnen und Schauspieler, Moderatorinnen und Moderatoren sowie Comedians stehen normalerweise nicht nur für Shows, Filme und Serien vor der Kamera, sondern sind permanent auf Achse und füllen mit ihren Programmen große Hallen. Doch das Virus ließ monatelang keine Chance für Comedytourneen oder Lesereisen durch die Republik. Ein Blick in die aktuellen Kataloge vieler Verlage zeigt nun aber, dass etliche TV-Promis die unfreiwillige Pause genutzt haben, um sich literarisch zu verwirklichen: 2021 überfluten Autobiografien und andere Ergüsse bekannter Gesichter den Markt – von Comedyqueen Carolin Kebekus bis zu Schauspielurgestein Fritz Wepper.

So hat etwa Comedian Bülent Ceylan, dessen Tournee „Luschtobjekt“ verschoben werden musste, im Lockdown das Buch „Ankommen“ (erscheint am 8. September) über sein Leben als deutscher Entertainer mit Migrationshintergrund geschrieben. Carolin Kebekus schreibt in ihrem feministischen Buch „Es kann nur eine geben“ (Erscheinungsdatum 7. Oktober) über Frauen an der Spitze. Nur wegen der Pandemie habe sie Zeit dafür gehabt, erzählt die Comedyqueen, die sonst viel auf Tournee ist: „Immer am selben Ort zu sein und im selben Bett zu schlafen, das kenne ich normalerweise nicht so. Das setzt ganz neue Energien frei.“ Ähnlich erging es Eckart von Hirschhausen: „Normalerweise bin ich ein Drittel meiner Zeit auf Tour mit meinem Bühnenprogramm“, sagt der Mediziner und Moderator, der in der Auszeit das Klimawandel-Buch „Mensch, Erde!“ geschrieben hat.

Liste der Stars, die in der Krise ihre Gedanken zu Papier brachten, ist lang

Eine sehr spezielle Geschichte schildert der Schauspieler Markus Majowski („Die dreisten Drei“) in seinem Buch „Markus, mach mal!“ (erscheint am 21. Oktober): Als es wegen Corona mit dem Fernsehjob nicht mehr lief, sattelte er um: „Er ließ sich zum Sicherheits- und Alarmexperten ausbilden und wurde schließlich als Installateur zertifiziert“, schreibt der Verlag. In dem Werk mit dem sinnigen Untertitel „Runter vom roten Teppich und rauf auf die Leiter“ berichtet Majowski davon.

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Die Liste der Stars, die in der Viruskrise ihre Gedanken zu Papier brachten, ist lang. Einige dieser Botschaften aus dem Homeoffice sind wohl eher für Fans reizvoll. Hardy Krüger jr. verfasste seine Autobiografie „Wendepunkte: Wie ich Kraft aus der Veränderung geschöpft habe“ (erscheint am 1. November), Désirée Nosbusch lässt in „Endlich noch nicht angekommen“ (18. Oktober) ihr Leben Revue passieren, und Fritz Wepper schrieb gleich zwei Bücher: seine Autobiografie „Ein ewiger Augenblick“ (9. August) und eines über seine Liebe zu Hunden, das pünktlich zum weihnachtlichen Geschenkerummel erscheinen soll.

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Guido Cantz: Ein Buch statt 200 Karnevalsauftritten

„Verstehen Sie Spaß?“-Moderator Guido Cantz, der sonst 200 Karnevalsauftritte im Jahr absolviert, hatte jetzt Muße, seinen 50. Geburtstag mit dem Buch „Bauchgefühl & Gottvertrauen“ (12. August) zu würdigen. Dragqueen Olivia Jones sagte bei der Veröffentlichung ihrer Biografie „Ungeschminkt“ im April: „Im Moment ist mir meine Bühne genommen, und so kann ich natürlich auch mein Publikum erreichen.“ Die Lebensgeschichte, die Olivia Jones in Zusammenarbeit mit Lena Obschinsky, Leiterin des Teams Unterhaltung beim RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), erarbeitete, schoss prompt auf Platz eins der Bestsellerliste.

Die Gründe für den kreativen Schub sind unterschiedlich. Es kann Zeitvertreib sein, vielleicht auch der Wunsch, sich etwas von der Seele zu schreiben – oder das Honorar, mit dem sich in der Viruskrise der Verdienstausfall kompensieren lässt. Kleiner Haken: Vor allem Bücher von Stars mit großen Namen verkaufen sich gut und lassen den Rubel rollen – die unbekannteren Künstler hätten das Geld wohl nötiger, gucken aber oft in die Röhre. Carolin Kebekus weiß das: „Ich gehöre natürlich zu den wenigen privilegierten KünstlerInnen in Deutschland. Ich kann sagen: Oh, meine Tournee geht nicht mehr – alles klar, dann mache ich eben eine Sendung, einen Podcast, oder schreibe ein Buch.“

„Tatort“-Stars in der Krise privilegiert

Zu den Privilegierten zählen auch die „Tatort“-Stars: Die Produktion der Krimireihe pausierte trotz Krise nur kurz, pro Folge verdienen die Schauspieler viele Tausend Euro. Doch auch vor dieser TV-Elite macht die Schreibwut nicht halt – so nutzte Schauspielerin Ulrike Folkerts die Pandemie, um ihre im April veröffentlichte Autobiografie „Ich muss raus“ zu texten. Ihr „Tatort“-Kollege Ulrich Tukur geht ebenfalls mit einem neuen Buch schwanger, doch anders als viele prominente Kollegen wurde er von den vielen Mußestunden gelähmt und geriet beim Schreiben ins Stocken: „Kreatives Arbeiten im Stillstand ist mir neu, und ich merke, wie schwer ich mich damit tue.“ Liefern muss er dennoch, bekennt er: Er haben den Vorschuss, den ihm der Verlag gezahlt habe, bereits ausgegeben.

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