Muskelmonster: „Godzilla vs. Kong“ lässt die Kinos erzittern

  • Beim Popcornspektakel „Godzilla vs. Kong“ vibriert der ganze Kinosaal.
  • Das Monsterduell erstrahlt im Glanz eines überfinanzierten B-Movies.
  • Geboten werden digitale Schlachtengemälde – feinste, hirnlose Kinokost.
Martin Schwickert
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Am Morgen von den ersten Sonnenstrahlen aufwachen, die behaarte Brust kratzen und zum Duschen ab unter den Wasserfall – so lässt man sich das Leben als Riesengorilla gefallen. Aber das Paradies, in dem King Kong lebt, ist Fake. Wie einst Jim Carrey in Peter Weirs „Truman Show“ ist auch der gigantische Affe der Gefangene einer abgeschotteten Idylle, in der die Menschen das Tier unter Beobachtung halten.

Die Biologin Ilene Andrews (Rebecca Hall) hat sich für die friedliche Koexistenz von Mensch und Monster eingesetzt und betreut Kong in seinem Reservat auf Skull Island. Aber auch die Gorillaflüsterin muss erkennen, dass das einsame Leben in Gefangenschaft für den obersten Primaten keine Perspektive bietet. So willigt sie in eine Exkursion ein, die Kong zu seinem Habitat weit unter der Erdoberfläche führen soll, in dem er einst als König die Monsterwelt regiert hat.

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Mit klaren Referenzen an Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ setzt Regisseur Adam Wingard seinen „Godzilla vs. Kong“ in Szene. Die fantastische unterirdische Welt, die sich an der Schnittstelle zwischen den beiden Erdhälften effektvoll spiegelt, ist für Genrefans ein echter Hingucker, aber leider nur eine kurze Station auf dem Weg zur versprochenen Konfrontation der beiden Supermonster. Der Film versteht sich als Teil eines Franchises, das die Warner-Studios in aller Bescheidenheit das „Monsterverse“ getauft haben.

Menschen spielen nur die zweite Geige

Der erste „Godzilla“ (2014) und „Kong: Skull Island“ (2017) generierten beträchtliche Einnahmen, aber die Folge „Godzilla: King of Monsters“ (2019) spielte gerade seine Kosten wieder ein. So versucht man nun, mit dem Aufeinandertreffen der beiden überdimensionalen Stars das postpandemische Publikum ins Kino zu locken.

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Wie seine Vorgänger erstrahlt auch „Godzilla vs. Kong“ im Glanz eines überfinanzierten B-Movies, das seine Ressourcen großzügig in digitale Schlachtengemälde und detailgenaue Monsteranimationen pumpt. Obwohl mit Rebecca Hall als Jane-Goodall-Wiedergängerin, Alexander Skarsgard in der Rolle des verrückten Professors und Demián Bichir als weltmachtgeile Schurkenfigur Fachpersonal angeheuert wurde, spielen die Humancharaktere nur die zweite Geige. Auch auf eine metaphorische Aufladung der Figuren wurde verzichtet.

Wingard („Blair Witch“) setzt auf geballte Monsterkraft und imposante Kinobilder. Mit Erfolg. In dem ersten Zusammentreffen auf hoher See zerbersten Flugzeugträger mit technischer Perfektion, fechten die überdimensionalen Kontrahenten über und unter Wasser einen detailgenau choreografierten Zweikampf aus.

Dazu lässt der dröhnende Soundtrack alle Knochen des Publikums vibrieren, wie man es im Heimkino mit dem besten Soundsystem nicht hinbekommen könnte. Feinster, hirnloser Kinobombast, der in China und den USA bereits zahlungswillige Massen vor die große Leinwand lockte.

„Godzilla vs Kong“, Regie: Adam Wingard, mit Rebecca Hall, Alexander Skarsgard und Demián Bichir, 113 Minuten, FSK 12

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