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Die Frau mit dem speziellen Sound: Eine Disney-Serie spürt Aretha Franklin nach

  • Die Disney-Serie „Genius: Aretha Franklin“ spürt der Biografie der legendären Sängerin nach.
  • In der Musik wie im Privatleben ging es für Aretha Franklin darum, ihren eigenen Sound zu finden.
  • Nicht große Oper, sondern Understatement bestimmt den brillanten Auftritt von Cynthia Eviro.
Martin Schwickert
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Die Krone trägt sie mit verhaltenem Stolz und beantwortet im Blitzlichtgewitter geduldig die Fragen der Presse. Nach ihrem Konzert im Regal Theatre von Chicago ist Aretha Franklin 1967 soeben zur „Queen of Soul“ gekürt worden – ein Titel, den sie bis zu ihrem Tod vor drei Jahren würdevoll verteidigte.

Die Serie „Genius: Aretha Franklin“ macht die Krönung zum Ausgangspunkt. Das Projekt ist Teil einer Anthologie. Geoffrey Rush spielte in der ersten Staffel den Physiker Albert Einstein. In der zweiten gab Antonio Banderas den Maler Picasso. Beste Gesellschaft für die legendäre Sängerin, die zu den einflussreichsten Musikerinnen gehörte, vom Jazz zum Soul, vom Soul zum Pop wechselte und immer wieder zurück zu ihren Wurzeln als Gospelsängerin gefunden hat.

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Drehbuchautorin Suzan-Lori Parks („United States vs. Billie Holiday“) hält sich nicht an die chronologische Erzählstruktur eines klassischen Biopics, sondern lässt sich von den Songtiteln leiten. „Respect“, „Chain of Fools“ oder „Amazing Grace“ lauten die Überschriften der Episoden, die einzelne Aspekte von Franklins Leben in den Fokus rücken und sich durch verschiedene Lebensphasen klicken. Die ersten beiden Folgen, die der Presse vorab zugänglich gemacht wurden, widmen sich dem mühsamen Aufstieg zum Erfolg.

Schon in jungen Jahren singt Aretha (Shaian Jordan) in der Kirche ihres Vaters (Courtney B. Vance), der als Prediger und Sänger von der Gemeinde gefeiert wird. „Ich werde dich immer beschützen“, verspricht er. Aber der Mann ist nicht verlässlich. Der Geistliche feiert gern in wechselnder Damengesellschaft, vernachlässigt seine Aufsichtspflicht und kann nicht verhindern, dass Aretha im Alter von zwölf Jahren schwanger wird.

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Durch die Ehe mit dem gelernten Zuhälter und späteren Manager Ted White (Malcolm Barrett) versucht Aretha (Cynthia Eviro), dem väterlichen Einfluss zu entkommen. Sie schlittert direkt in eine gewalttätige Beziehung.

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In der Musik wie im Privatleben geht es für die Sängerin darum, ihren eigenen Sound zu finden. Gelungen sind die Szenen, in denen Franklin im Studio mit einer Gruppe ausnahmslos weißer Musiker oder zu Hause am Klavier mit ihren Schwestern den Weg zu einem neuen Song findet. Hier lässt sich die Serie Zeit, das geduldige Vortasten, die sichere Intuition und das musikalische Genie in Bild und Ton zu fassen.

Wie die Sängerin, so scheint auch der Film hier ganz bei sich zu sein, bevor es wieder hineingeht in eine wilde Biografie, in der die Musikerin um die Kontrolle ihres künstlerischen Seins kämpft. Cynthia Erivo („Harriet“) spielt diese durchaus widersprüchliche Figur mit der richtigen Mischung aus Charisma und Sensibilität.

Nicht große Oper, sondern leises Understatement bestimmen ihre Performance, um dann die Emotionen während der brillanten Gesangseinlagen in die Musik fließen zu lassen.

„Genius: Aretha Franklin“, 8 Episoden ab 4. Juni bei Disney+, von Suzan-Lori Parks, mit Cynthia Erivo, Courtney B. Vance

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