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Gefakete Streamingzahlen: So manipuliert ein Hacker angeblich die deutschen Rap-Charts

Manipulierte Accounts und Playlists: Eine YouTube-Doku des öffentlich-rechtlichen „Y-Kollektivs“ zeigt, wie ein Hacker angeblich Streams und Chartplatzierungen für deutsche Rapper generiert.

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Berlin. Die Augen sind hinter einer schwarzen Sonnenbrille, die Haare unter einer schwarze Cap und das Gesicht unter einer schwarzen Sturmhaube versteckt. Kai, laut eigenen Angaben Social-Media-Experte, sitzt an einem Tisch vor zwei Bildschirmen und erklärt in einem YouTube-Video, wie er angeblich aus Newcomern, aber auch aus gestandenen Künstlern der Rapszene Streamingstars macht – mit gefaketen Klickzahlen und Chart-Manipulationen.

Spotify-Hacker: „Für 50.000 besorg ich dir ’ne Goldene Schallplatte“

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„Ich kann aus dir ’nen Star machen“, sagt Kai, der seine Identität geheim halten möchte, in der Dokumentation des öffentlich-rechtlichen „Y-Kollektivs“. Der angebliche Hacker offenbart, wie sich deutsche Rapper Streams, Charterfolge oder sogar Goldene Schallplatten kaufen – oder besser gesagt: ihre Manager. Aufträge hat Kai laut eigenen Angaben bereits für die fünf größten Topkünstler in Deutschland entgegengenommen. „Auch wenn sie es nicht wissen, aber ihre Manager wissen es.“

Doch wie funktioniert der Fake? Ganz einfach: Der Manager kommt zu Kai und sagt, wie viele Streams er für seinen Künstler haben will, Kai stellt eine Kalkulation auf, der Manager zahlt, der Künstler wird erfolgreich. Kai: „Es ist mega einfach, aus dem Nichts in die Charts zu kommen.“ Er habe 150.000 oder 250.000 deutsche Accounts allein auf Spotify, so Kai. Er bedient sich der Anmeldedaten der Nutzer – egal ob von Familienaccounts oder Premiumaccounts. „Und die hören dann nonstop den Song.“ Je länger Kais Programm läuft, desto höher sind die Abrufzahlen, desto besser ist die Chartsplatzierung – und: desto mehr Geld fließt. Denn die Plattformen zahlen pro Klick. Kai selbst verdient laut eigener Aussage mit seinen gefaketen Streamingzahlen bis zu 100.000 Euro im Monat, wenn er will. „Für 50.000 besorg ich dir ’ne Goldene Schallplatte.“

Auch andere Künstler profitieren von den Fake-Accounts

Damit der Algorithmus von Spotify den Fake nicht merkt, nimmt Kai auch andere Künstler mit in die Playlist auf. Zum Beispiel Capital Bra, sagt er im Video. Dessen Songs werden dann mitgestreamt, ob er will oder nicht. Aber so würden auch bekannte Künstler wie Bra von den gefaketen Accounts profitieren.

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Dass Kais Schaffen und Wirken illegal ist, weiß er. Die Komplett-Vermummung ist nicht umsonst. Selbst seine Hände stecken in Handschuhen, sind an den Ärmeln mit Tape abgeklebt. Doch er ist nicht der einzige, der Streams manipuliert, sagt er. Wenn jemand bei Youtube-Videos extrem schnell, extreme Abrufzahlen habe, 70 Millionen oder höher, dann sollte man skeptisch werden. Das schaffe nicht mal Ariana Grande.

Groove Attack weist Vorwürfe zurück

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Inwiefern die Behauptungen des angeblichen Hackers stimmen, lässt sich nicht überprüfen. Das Label Groove Attack, dessen Künstler in dem Video genannt werden, hat sich allerdings bei Instagram geäußert und die Vorwürfe scharf zurückgewiesen: „Wir sind traurig, dass verdienten Künstlern aus unserem Hause unterstellt wird, dass ihr Erfolg auf Fälschungen basiere. Hunderttausende Fans hören täglich ihre Musik, haben Tickets für die Konzerte gekauft und folgen ihnen in den sozialen Netzwerken. Sie sind die Basis für den Erfolg, ihnen gebührt unser Dank!“

Von RND