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Gipfeltreffen auf Schloss Elmau

In diesen Hotels wurde Geschichte geschrieben

Der Gipfel der G7: Schloss Elmau

Fotomotive sind traditionell wichtig bei den Treffen der sieben wichtigsten In­dus­trie­staa­ten, den G7. Teils ikonische Bilder entstehen bei diesen Veranstaltungen, etwa 2015, als der damalige US-Präsident Barack Obama entspannt vor Alpenpanorama auf einer Holzbank sitzt und sich von Angela Merkel offenbar die Welt erklären lässt. Aufgenommen wurde dieses Motiv genau dort, wo in der nächsten Woche erneut die Staats- und Regierungschefs der G7 zusammenkommen werden: auf Schloss Elmau in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen.

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Das Fünfsternehotel mit Spitzturm und Satteldach könnte kaum malerischer gelegen sein. In 1008 Meter Höhe am Fuß des Wettersteingebirges bietet es Voralpenidylle pur. Und ist wohl nicht zuletzt deswegen erneut Austragungsort des Treffens.

In diesem Jahr Ort des G7-Gipfels: Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen.

In diesem Jahr Ort des G7-Gipfels: Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen.

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Ein Hotel war das Gebäude nicht immer. Der zivilisationskritische Philosoph und Theologe Johannes Müller ließ Schloss Elmau zwischen 1914 und 1916 bauen. Es sollte zum Zufluchtsort für Menschen werden, die Urlaub vom eigenen Ich machen wollten, zu sich selbst finden, den Alltag vergessen. Müller war mehr als ein Gesellschaftskritiker. Er galt als erbitterter Gegner nicht nur des Kapitalismus, sondern auch des Kommunismus, außerdem der Kirchen und der Anthroposophie. Ein Eigenbrötler, der den Menschen in den Mittelpunkt stellte. Seine Vorträge waren hoch angesehen, seine Bücher Bestseller. Gute Voraussetzungen also, um nun dort die dringendsten Fragen der Weltpolitik zu diskutieren?

Die US-Armee beschlagnahmte Schloss Elmau nach dem Krieg und nutzte es zunächst als Gefangenenlager, später als Winterkampfschule. 1947 übernahm der bayerische Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte, Philipp Auerbach, das Gelände – ein damals hoch umstrittener Vorgang – und funktionierte es zu einem Sanatorium um. Er wurde später verhaftet und starb schließlich im Gefängnis. Aus Sorge vor Schadensersatzforderungen bot Bayern Elmau den Erben Müllers zur Pacht an. Sie eröffneten es 1951 wieder als Hotel. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Schloss vor allem zu einem Treffpunkt für hochkarätig besetzte Symposien, auch für Kunst- und Musikveranstaltungen.

2005 schien die lange Geschichte zunächst abrupt zu Ende zu gehen: Am 7. August zerstörte ein Brand zwei Drittel des inzwischen denkmalgeschützten Gebäudes. Der Wiederaufbau dauerte bis 2007. Dann eröffnete Schloss Elmau erneut als Hotel.

Geburtshilfe für die Vereinten Nationen: das Fairmont-Hotel in San Francisco.

Geburtshilfe für die Vereinten Nationen: das Fairmont-Hotel in San Francisco.

Geburt der UN: Fairmont San Francisco

Die Welt stand vor nichts Geringerem als einem politischen Neubeginn, als sich im April 1945 Vertreter aus 46 Staaten in San Francisco trafen. In weiten Teilen der Welt war der Zweite Weltkrieg noch nicht über­standen – doch ein Ende schien absehbar. Sicher war zumindest eines: Die internationale Zusammenarbeit bedurfte einer Neukonzeption.

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Die angereisten Delegationen planten, während der sogenannten Konferenz der Vereinten Nationen über internationale Organisation die Weichen für ein neues gemeinsames Miteinander zu stellen. Es wurde eines der einschneidendsten Ereignisse der Nachkriegsgeschichte: Die Geburt der Vereinten Nationen (UN), wie wir sie heute kennen.

Obwohl die Teilnehmer wegen des großen Andrangs auf mehrere Hotels verteilt waren, konzentrierte sich das Geschehen schnell auf eines: das Fairmont. In diesem Prachtbau auf dem Nob Hill waren die Vertreter der „Big Five“ untergebracht – Frankreich, China, Russland, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten. Es war klar, dass sie maßgeblich an einem Abschlusspapier beteiligt sein würden. In der Penthousesuite des Gebäudes, wo der damalige US-Außenminister Edward Stettinius residierte, liefen alle Stränge zusammen.

Das Treffen mündete in der Charta der Vereinten Nationen, die parallel im Garden Room des Fairmont-Hotels ausgearbeitet wurde. Am 25. Juni 1945 schließlich stimmten die 46 beteiligten Nationen im Opernhaus von San Francisco einstimmig für das Papier, das als Beginn der UN gilt. Auch die Bedeutung der „Big Five“ wurde in diesem Zusammenhang zementiert: Gemeinsam bildeten sie fortan die ständigen Mitglieder des wichtigen UN-Sicherheitsrats.

Das Fünfsternehotel Fairmont war bereits zu jener Zeit so etwas wie das Aushängeschild der kalifornischen Stadt. Es wurde am 18. April 1907 eröffnet, auf den Tag genau ein Jahr nach dem großen Erdbeben, das San Francisco in weiten Teilen zerstört hatte. Der Rohbau des Hotels überstand das Beben zwar, doch ein anschließender Großbrand beschädigte es stark.

Die Penthousesuite Stettinius’ ist bis heute ein wichtiger Anlaufpunkt prominenter Politiker. Seit Harry Truman soll dort jeder US-Präsident wenigstens einmal übernachtet haben. Auch ein anderer erlebte hier einen Wendepunkt seines Lebens: Sänger Tony Bennett soll 1962 im Venetian Room des Fairmont-Hotels erstmals seinen Song „I Left My Heart in San Francisco“ gesungen haben. Der Hit machte ihn weltberühmt.

Der erste Sitz der IAEO: das Grand Hotel Wien.

Der erste Sitz der IAEO: das Grand Hotel Wien.

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Die erste Heimat der IAEO: Grand Hotel Wien

Im Jahr 1948 verabschiedet die Generalversammlung der damals noch jungen Vereinten Nationen (UN) einen wegweisenden Beschluss: die Gründung einer internationalen Institution, die fortan alle Atomreaktoren und Uranminen weltweit besitzen und betreiben solle. Darüber hinaus ist geplant, jeglichen Bau von Atombomben einzustellen und die bestehenden zu vernichten. Ziel ist drei Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki eine ausschließlich friedliche Nutzung dieser gefährlichen neuen Technologie. Es bleibt zunächst bei einem Papier.

US-Präsident Dwight David Eisenhower regt schließlich 1953 in einer Rede eine etwas abgeschwächte Variante dieses Vorhabens an: eine Internationale Atomenergiebehörde (IAEO). Auch sie solle sich um die ausschließlich friedliche Nutzung der Atomenergie kümmern – jedoch dürfen die einzelnen Staaten die Technik selbst betreiben. Eine Strategie, die eine Mehrheit findet. Am 29. Juli 1957 wird die IAEO offiziell gegründet. Sitz der internationalen Organisation soll Wien werden. Doch wo? Die österreichische Hauptstadt will im Jahrzehnt nach Ende des Zweiten Weltkrieges ihren Ruf in der Welt festigen, und so bietet man der Organisation eines der feinsten Gebäude Wiens an: das Grand Hotel an der Ringstraße. Es wird bis 1979 die Heimat der IAEO bleiben.

Das Gebäude hat schon damals eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1862 lässt es der Wiener Hotelier Anton Schneider nach den Plänen des renommierten Architekten Carl Tietz bauen – zunächst jedoch noch als Wohnhaus. Erst 1870 wird es zum Hotel umfunktioniert. Es verfügt über 200 Badezimmer, ein Telegrafenbüro und einen dampfbetriebenen Aufzug – für damalige Verhältnisse luxuriös.

Das zieht entsprechendes Publikum an. Wer etwas auf sich hält, lässt sich im Grand Hotel sehen. Johann Strauss feiert dort 1894 sein 50‑jähriges Bühnenjubiläum. Die Zimmer sind fast immer ausgebucht. 1911 dehnt sich das Hotel auf zwei Nachbargebäude aus und gewinnt so noch einmal 100 weitere Zimmer hinzu.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernehmen die sowjetischen Besatzer das Gebäude. Es wird für zehn Jahre eines ihrer Domizile. Im Anschluss öffnet es lediglich für ein Jahr erneut als Hotel, dann erwirbt es die österreichische Regierung, die es zum Sitz der neuen IAEO umfunktioniert. Die ist inzwischen weitergezogen in die Wiener UN-City. So konnte das Gebäude zurückkehren zu dem, was es einmal war: ein Hotel mit Geschichte.

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Entscheidender Ort für die Gründung der Republik Irland: das Shelbourne Hotel Dublin.

Entscheidender Ort für die Gründung der Republik Irland: das Shelbourne Hotel Dublin.

Das Hotel der Unabhängigkeit: Shelbourne Dublin

Der Osteraufstand im April 1916 ist für Iren einer der bedeutendsten Tage ihrer Geschichte: Militante Republikaner versuchten in Dublin, gewaltsam die Unabhängigkeit von Großbritannien zu erzwingen. Das schlug zwar fehl – doch es markiert den Beginn eines Prozesses, der in der Unabhängigkeit mündete. Denn mit der Hinrichtung der Revolutionäre durch die Briten änderte sich die Stimmung der Bevölkerung. Die Iren wollten nun mehrheitlich ihren eigenen Staat.

Im Zentrum des Osteraufstands stand nicht nur das Hauptpostamt in der O’Connell Street, in dem sich die Republikaner verschanzten und das gern als Hauptquartier der Revolutionäre bezeichnet wird. Die Kämpfe tobten auch wesentlich vor einem Hotel, dem Shelbourne am noblen St. Stephen’s Green, ebenfalls im Zentrum Dublins. Gäste wie Angestellte versuchten, das Beste daraus zu machen.

Am Ostermontag wurde in gewohnter Weise der Afternoon Tea serviert, bis eine Kugel einschlug – die aber niemanden verletzte. Die Gäste zogen um in den Lesesaal im hinteren Bereich des Gebäudes, in die heutige Horseshoe Bar, und aßen weiter. Auch am nächsten Tag öffnete das Hotel seine Türen – unter anderem, um die Verletzten beider Seiten zu versorgen.

Das Shelbourne bleibt auch in den folgenden Jahren eng mit dem Konflikt verknüpft: Von Februar bis Mai 1922 trifft sich in Raum 112 eine Kommission, um die Verfassung eines künftigen irischen Freistaates auszuarbeiten. Michael Collins hat den Vorsitz. Er ist Anführer der Irischen Nationalisten und maßgeblich nicht nur an der Verfassung, sondern auch am Anglo-Irischen Vertrag beteiligt, der die Gründung eines unab­hängigen irischen Staates besiegelte. Raum 112 ist insofern nicht ganz unbedeutend für das Irland, das wir heute kennen. Deswegen trägt er inzwischen die Bezeichnung „Constitution Suite“, Verfassungssuite.

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Auch der irische Autor James Joyce würdigte das Shelbourne in seinem Jahrhundertroman „Ulysses“: Darin erinnert sich der Protagonist Leopold Bloom an das Hotel als jenen Ort, an dem ihm eine gewisse Miriam Dandrade „ihre alten Umhänge und ihre schwarze Unterwäsche“ verkaufte.

Ironischerweise ist ausgerechnet jenes Hotel, in dem die irische Unabhängigkeit mit besiegelt wurde, nach einem Briten benannt: William, der zweite Earl of Shelbourne, von 1782 bis 1783 Premierminister von Großbritannien. Er hatte ein Haus auf genau jenem Grundstück besessen, auf dem Anfang des 19. Jahr­hunderts das Shelbourne Hotel entstand.

Grand Hotel Petersberg: das einstige Gästehaus der Bundesregierung.

Grand Hotel Petersberg: das einstige Gästehaus der Bundesregierung.

Breschnews Totalschaden: Grand Hotel Petersberg

Nicht viele Staatsbesuche bleiben auch nach Jahrzehnten noch in Erinnerung. Der des damaligen sowjetischen Staats- und Parteichefs Leonid Breschnew im Mai 1973 in Bonn schon. Und zwar nicht wegen wegweisender politischer Entscheidungen, so wichtig der Besuch in der damaligen Zeit des Kalten Krieges auch war. Breschnew erhielt als Gastgeschenk von der Bundesregierung einen nagelneuen Mercedes-Benz, den er bei einer Spritzfahrt sogleich auf der kurvenreichen Straße des Petersbergs unweit der damaligen deutschen Hauptstadt zerlegte.

Über die genauen Ursachen wurde viel spekuliert – und der Petersberg, auf dem sich das Gästehaus der Bundesregierung befand, war in aller Munde. Es blieb nicht das einzige Mal.

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Von 1945 bis 1949 ist das Luxushotel auf dem Petersberg hoch über dem Rhein Sitz der Hohen Kommissare der Alliierten. Sie haben in jener Zeit de facto das Sagen über Deutschland. Das ändert sich auch noch nicht vollständig, als am 24. Mai 1949 das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft tritt. Zwar wird bei den ersten Wahlen eine Regierung gebildet, es gibt erstmals einen Bundespräsidenten. Doch die Alliierten bestimmen zunächst weiterhin in den Bereichen Außenpolitik, Außenhandel, Devisenverkehr, Reparationen und Entmilitarisierung.

Konrad Adenauer passt es gar nicht, sich in seiner neuen Rolle als Bundeskanzler jemandem unterordnen zu müssen. Am 21. September 1949 erscheint er zum Antrittsbesuch auf dem Petersberg und verursacht einen Affront: Eigentlich sollten nur die Vertreter der Siegermächte auf dem Teppich in dem Raum stehen, Adenauer aber davor, um die klare Rollenverteilung zu unterstreichen. Der Kanzler hält sich nicht daran. Das sogenannte Petersberger Abkommen, das die Aufgabenverteilung zwischen Alliierten und Bundesrepublik regelt, wird dennoch unterzeichnet.

Das Grand Hotel Petersberg bleibt ein Ort für Geschichten und Geschichte: 2001 und 2011 war es Austragungsort der Afghanistan-Konferenzen, die zur Demokratisierung und Befriedung des Landes führen sollten.

Von 1954 bis 1969 wurde der Komplex zum Gästehaus der Bundesregierung bei parallelem Hotelbetrieb – nur für Leonid Breschnew machte man eine Ausnahme und öffnete das 1973 eigentlich geschlossene Gebäude noch einmal. Bis 1990 ließ der Bund das 1892 erbaute Hotel umfangreich sanieren. Seitdem beherbergt es weiterhin Staatsgäste, ist aber auch für jeden anderen und jede andere geöffnet.

Villa Rothschild: Hier nahm das Grundgesetz 1949 Gestalt an.

Villa Rothschild: Hier nahm das Grundgesetz 1949 Gestalt an.

Die Wiege der Bundesrepublik: Villa Rothschild

Die Umgebung ist ein Garant für eine gewisse Ruhe und Erholung. Am Rande des Naturschutzgebietes Burghain Falkenstein liegt die Villa Rothschild, erbaut im englischen Landhausstil. 1888 als Sommerresidenz Wilhelm Carl von Rothschilds entstanden, entwickelte sie sich schnell zum Treffpunkt für Adel, Politik und hochrangige Wirtschaftsvertreter. Zur Eröffnung kamen sogar Kaiserin Viktoria und der Prince of Wales.

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Vielleicht lag es an der idyllischen Lage, weshalb die Villa Rothschild 1948 und 1949 Schauplatz für wegweisende Treffen wurde. Aber wohl doch eher an der leisen Hoffnung aus Hessen, Frankfurt könnte die Hauptstadt der künftigen Bundesrepublik werden und die Villa im Taunus durch die unmittelbare Nähe zur Mainmetropole eine wichtige Bedeutung erhalten.

Das Land Hessen hatte das Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg übernommen und machte es schon einmal zum Haus der Länder. Vertreter aus den damals elf Ländern der Westzonen sowie Ernst Reuter als Bürger­meister Berlins berieten hier über grundlegende Fragen einer gemeinsamen Bun­des­repu­blik und des wirtschaftlichen Wiederaufbaus: Welche Grenzen sollten die Bundesländer künftig haben? Wie könnte ein neues Wahlrecht aussehen? Welche Punkte muss ein Grundgesetz abdecken?

Ein Hauch von Gründerzeit umwehte die im Krieg unversehrt gebliebene Villa, als die Ministerpräsidenten­konferenz am 24. März 1949 die Weichen für das neue Grundgesetz stellte. Zum damaligen Zeitpunkt waren die Verhandlungen zwischen der grundgesetzgebenden Versammlung, dem Parlamentarischen Rat, und den Militärgouverneuren ins Stocken geraten. Konrad Adenauer richtete damals in einem Meinungsbeitrag in einer Tageszeitung einen Appell, den Schwebezustand, in dem sich Deutschland befand, schnellstmöglich zu beenden.

In der Villa Rothschild wurde an jenem Tag, dem 24. März, der Knoten durchlagen. Zwei Monate später waren alle Details geklärt, und Ende Mai stimmten die westdeutschen Länderparlamente über das Grundgesetz ab. Die Villa Rothschild gilt seitdem als so etwas wie die Wiege der Bundesrepublik. Später berieten CDU und CSU hier über ihre Fraktionsgemeinschaft im Bundestag.

1956 wurde das Gebäude zum Hotel umfunktioniert. Heute ist es eines der exklusivsten in der Region. Seine Bedeutung als wichtiger Ort der deutschen Demokratiegeschichte ist geblieben, und mehr noch: Die Arbeit am Grundgesetz in der Villa kann auch als Verbeugung vor jenen verstanden werden, die sie einst bauen ließen: Die Familie Rothschild musste 1938 vor den Nazis in die Schweiz flüchten.

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Die Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten sitzen im Juni 2007 in Heiligendamm in einem großen Strandkorb.

Die Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten sitzen im Juni 2007 in Heiligendamm in einem großen Strandkorb.

Wo die G8 einen Korb bekam: Grand Hotel Heiligendamm

Die Agenda war lang: Als sich die sieben führenden Industrienationen und Russland 2007 zum G8-Gipfel im Grand Hotel Heiligendamm trafen, sollten zukunftsweisende Themen besprochen werden. Es ging um das Ungleichgewicht der Globalisierung, um Klimaschutz und das Verhindern von Produkt- und Markenpiraterie. Doch vor allem eines blieb bis heute in Erinnerung: der Strandkorb. Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm in der auf sechs Meter verbreiterten Version mit ihren Amtskollegen zum Gruppenfoto Platz. Es ging um die Welt.

Doch es war mehr als das. Die ganze Kulisse des altehrwürdigen Seebads verlieh dem Gipfel etwas Märchen­haftes – auch, weil ein zwölf Kilometer langer Zaun das Gelände weiträumig abschirmte, sodass kein Protest die Idylle trügen konnte.

Heiligendamm war schon immer ein Ort für alle, die es sich leisten konnten. Das erste Seebad in Kontinental­europa – in England gab es diese Orte am Meer bereits vorher – entstand 1793. Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin begab sich damals auf Anraten seines Arztes in die Ostsee. Das Meer­wasser sollte ihn von einer ganzen Reihe von Krankheiten heilen, so die Hoffnung. In Badehose einfach so ins Wasser zu gehen war damals absolut unüblich. Also entwickelten sich komplizierte Varianten – in Badebekleidung, teils von Holzwagen geschützt. Der Herzog aber blieb nicht unbeobachtet. Er zog mit seinem Badeurlaub den Adel aus ganz Europa an. So entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein klassizistisches Gebäudeensemble aus edlen Badehäusern und Herbergen. Ein Trend war geboren – und die „Weiße Stadt am Meer“, wie Heiligendamm fortan wegen seiner zahlreichen weißen Gebäude bezeichnet wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Regierung der DDR das Seebad. Es wurde in erster Linie zum Sanatorium, aber auch eine Fachschule für angewandte Kunst entstand. Erst 2003, lange nach der Wieder­vereinigung, wurde das Grand Hotel Heiligendamm wiedereröffnet und wechselte 2013 den Eigentümer.

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Auch der Strandkorb verließ das Hotel. Er wurde für etliche Veranstaltungen durch die Republik geschickt und schließlich für einen guten Zweck versteigert. 2017 wurde in Heiligendamm zumindest eine Kopie des Korbes aufgestellt.

Watergate Hotel: Die Affäre um einen Einbruch in diesem Komplex stürzte US-Präsident Nixon.

Watergate Hotel: Die Affäre um einen Einbruch in diesem Komplex stürzte US-Präsident Nixon.

Der Fall eines Präsidenten: Watergate Hotel

Es wird einer der schillerndsten Skandale der internationalen Politik. Er birgt Stoff für den erfolgreichen Hollywoodfilm „Die Unbestechlichen“ mit Robert Redford und Dustin Hoffman – und er kostet einen US‑Präsidenten dessen Amt: Richard Nixon. Die Watergate-Affäre macht einen Gebäudekomplex in Washington, D. C., weltberühmt. Und Teil davon ist das Watergate Hotel.

Anfang der Siebzigerjahre befindet sich in ebendiesem Komplex das Hauptquartier der Demokratischen Partei. Es ist die Zeit des Vietnam-Krieges. Der republikanische Präsident Nixon ist als Antikommunist bekannt, er sagt Drogen den Kampf an und hält nicht viel von Beratern. Er gilt als jemand, der seine Überzeugungen durchboxen will. Zugleich beginnt er in einer Zeit des Kalten Krieges erste Gespräche mit der Sowjetunion und China. 1972 bemüht sich Nixon aber vor allem um eines: seine Wiederwahl.

Es ist die Nacht auf den 17. Juni 1972, als Wachmann Frank Wills die Polizei verständigt. Fünf Männer haben offenbar versucht, Abhörwanzen im Hauptquartier der Demokraten zu installieren und Dokumente zu fotografieren. Die Polizei nimmt die Täter fest. Schon früh wird dieser Vorgang mit den im November anstehenden Präsidentschaftswahlen in Verbindung gebracht. Doch die Beweise fehlen. Nixon gewinnt die Wahl.

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Zwei Reporter der „Washington Post“, Bob Woodward und Carl Bernstein, bringen den Ball ins Rollen. Ein zunächst geheimer Informant mit dem Codenamen „Deep Throat“ – der langjährige stellvertretende Direktor des FBI, Mark Felt, wie später bekannt wird – spielt ihnen Beweise für die Verwicklung des Weißen Hauses in den Einbruch bei den Demokraten zu. Die Watergate-Affäre nimmt ihren Lauf.

Mehr und mehr Machenschaften aus dem Team Nixon kommen zum Vorschein. Der Präsident ist schließlich nicht mehr zu halten. Am 8. August 1974 gibt er in einer Fernsehansprache bekannt, dass er zurücktreten werde. Damit kommt er einem drohenden Amtsenthebungsverfahren zuvor. Woodward und Bernstein erhalten für das Aufdecken der Affäre den Pulitzerpreis, und ihre Arbeit wird für Journalisten zum Inbegriff der investigativen Recherche.

Das Watergate-Hotel, das sich streng genommen lediglich im selben Gebäudekomplex befindet, ist nach wie vor eine Luxusherberge. Doch anders als zur Eröffnung 1967, als es als moderner Designtempel galt, als einer der Plätze der Stadt, um gesehen zu werden, ist es heute vor allem für eines bekannt: die Watergate-Affäre.

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