Fynn Kliemann - der iTunes-Star, der Masken macht

  • Der Singer/Songwriter Fynn Kliemann feiert derzeit mit seinem zwei Jahre alten Debütalbum “Nie” bei iTunes Erfolge.
  • Und das Nachfolgealbum “Pop” steht in den Startlöchern - wer CDs oder Vinyl will, muss bis 29. Mai vorbestellen.
  • Außer tröstlichen, warmherzigen Songs trägt Kliemann auch mit der Produktion wiederverwertbarer Schutzmasken zur Corona-Bewältigung bei.
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Heutzutage ist man in der Popmusik ja schon „independent“, wenn die Gitarren nur leicht dezent schräg schrabbeln. Der Begriff ist reichlich aufgeschwemmt und unscharf geworden, und doch gibt es noch Indiemusiker im strengen Wortsinn. Die der Industrie den Mittelfinger zeigen, alles, zur Not bis zur Verschickung ihrer CDs selbst erledigen. Einer davon ist Fynn Kliemann. Der Niedersachse – Youtuber, Webdesigner, Autor, Musiker, Allesmacher - der am 1. Mai seinen 32. Geburtstag feiert, spielt derzeit bei iTunes ziemlich weit oben mit. Er schließt das erste Dutzend der iTunes-Albumcharts ab – mit seinem Debütalbum „Nie“, das er vor zwei Jahren veröffentlichte.

Hoffnung schwingt in vielen Liedern Kliemanns mit

Das mit dem Erfolg eines – gemessen an der Taktung des Digitalen – uralten Albums, kann auch am Hoffnungsmachen liegen, dass Kliemanns Liedern innewohnt und wovon man dieser Tage gar nicht genug tanken kann. „Mama sagt, auch wenn man die Augen nicht schließt / geht die Sonne noch auf“ heißt es im wuchtigen „Morgen“. Und „Mein Zuhause ist kein Ort / Das bist du“ singt er in der Klavierballade „Zuhause“ mit heiserer Stimme. Und „Ich kann sehen wie du weinst / ich kann nicht sehen wie du weinst“ kommen die Worte kratzig und hörbar tief empfunden im bluesig-schleppenden „Kieztränen“.

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Kein Kitsch, alles echt und wahr. Auf “Nie” findet sich allerfeinste Popmusik, handgemacht, vielseitig und ungeschliffen, weit weg vom Betroffenheitsblabla der Radio-Pipapo-Schmachtgesellen Tawil, Giesinger, Forster und Co. Manches ist traurig, wie „Bis Seattle“ oder „Bau mich auseinander“, aber auch dann spürt man die Umarmung der Authentizität.

„Nie“ ist eine Platte, von der man schnell weiß, dass man sie unbedingt im Regal haben muss, eine, die man streicheln will, wenn man alleine ist, deren Musik einen streichelt, wenn man alleine ist. Und in den Tagen von Corona ist das Leben vieler ja ein 24/7-Alleine. iTunes Nummer 12 ist deshalb kein Wunder. Millionenfache Klicks seiner Songs bei Youtube sind es auch nicht. Fynn Kliemann ist ein Popstar der Plattformen.

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Das Album “Nie” wirds nie wieder geben

Das einzige Schade ist, dass das mit dem Streicheln nichts werden wird. „Nie“ gibt’s nicht mehr – jedenfalls nicht auf Vinyl oder CD. Kliemann ließ Tonträger nur nach Vorbestellung anfertigen - mit Stichtag. Der geneigte Haptiker, der Kliemann damals noch nicht kannte, geht leer aus. „Nie“ wird’s nie wieder geben.

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Der Mann ist ein Tausendsassa. Aktuell trägt Kliemann aktiv zur Bewältigung der Corona-Krise bei. Der Mann, der einen alten Bauernhof in das Kliemannsland – ein Zentrum für Kreative – umgestaltete und mit der gleichnamigen NDR-Webserie Preise gewann, der mit dem Sänger und Musiker Olli Schulz das Hausboot von Gunter Gabriel in ein TV- und Musikstudio umwandelt, lässt derzeit wiederverwertbare Mundschutzmasken produzieren. Sonst stellt er auf seiner Website selbstdesignte Garderobe aus, jetzt also werden Corona-Larven feilgeboten: 250 000 Stück würden pro Woche produziert, fünf Stück für 12 Euro gingen zuvörderst an Pflege- und medizinische Einrichtungen, wie die Deutsche Presseagentur berichtete.

Kliemann wolle mit dem relativ preisgünstigen Gesichtsschutz einen „Gegenentwurf zum gierigen Markt bieten“, wie er im Interview mit der Agentur „Spot on“ verriet. Selbst setze er bei Visiten in der Stadt eine Maske auf, sei aber die meiste Zeit „mit Hund, Enten, Katze, Hühnern und meiner Freundin“ zuhause auf dem Hof.

Fynn Kliemanns Nachfolgealbum mit dem universellen Namen „Pop“ ist sozusagen auf dem Sprung. „Ich lebe für die Sache / und weiß nicht mal was sie ist“ singt Kliemann im Song „Alles, was ich hab“, einer der ersten Kostproben.

Und wieder wird alles limitiert: Auch wer „Pop“ sein eigen nennen will, der muss es in Kliemanns Onlineshop bestellen. Bis zum 29. Mai ist noch Zeit, danach wird es auch dieses Album nie wieder in der Anfassform geben. Und wer zu spät kommt, der kann sich diesmal nicht darauf berufen, er habe nichts gewusst.

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