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Für ihren “Hamlet”: Sandra Hüller ist Schauspielerin des Jahres

  • Viele Zuschauer kennen sie aus dem Kultfilm “Toni Erdmann” oder aus “Fack ju Göthe”.
  • Aber Sandra Hüller ist auch eine sehr erfolgreiche Theaterschauspielerin.
  • Nun haben 44 Kritiker und Kritikerinnen sie zum vierten Mal zur Schauspielerin des Jahres gewählt – dieses Mal für ihren “Hamlet” in Bochum.
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Als sie vor wenigen Wochen erstmals nach dem Lockdown endlich wieder auf ihre geliebte Bühne durfte, kamen ihr beim Schlussapplaus die Tränen. Sandra Hüller war gemeinsam mit Jens Harzer vor rund 100 Zuschauern im Schauspielhaus Bochum aufgetreten. Beide saßen auf Stühlen und rezitierten in einer durch das Coronavirus erzwungenen minimalen Theateraufführung Kleists “Penthesilea”. In der sehr körperintensiven Inszenierung von Johan Simons hatten sie vor der Pandemie ihr Publikum begeistert. Nun mussten sie mehrere Meter auseinandersitzend Penthesilea und Achilles spielen, die miteinander kämpfen und gleichzeitig um wie gegen ihre Liebe füreinander ringen. Das Publikum applaudierte am Ende dankbar und stehend.

Dass trotzdem die starken und radikalen Emotionen der Inszenierung die Publikumsränge erreichten, war dem intensiven Sprechtheater von Harzer und Hüller zu verdanken. Das gleichzeitige Ringen um Nähe und Ferne, um Zu- und Abneigung wurde trotz – oder vielleicht auch wegen – der erzwungenen Distanz der beiden Akteure auf der Bühne deutlich.

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Nach dem Gertrud-Eysoldt-Ring jetzt die nächste Auszeichnung

Aber das ist kein Wunder, sind doch beide außergewöhnliche und preisgekrönte Schauspieler: Jens Harzer hat mit dem Iffland-Ring im vergangenen Jahr bereits seine große Auszeichnung feiern können. Gestern nun ist Sandra Hüller von der Theaterkritik zur Schauspielerin des Jahres gewählt worden – bereits zum vierten Mal. Diesmal lobten Kritiker ihre Darstellung des “Hamlet”, ebenfalls unter der Regie von Johan Simons, den sie ebenfalls am Schauspielhaus Bochum spielte und für den sie bereits 2019 den Gertrud-Eysoldt-Ring erhalten hat.

Sandra Hüller ist einem breiteren Publikum eher aus dem Kino als von der Bühne bekannt. Ein riesiger Erfolg war die Tragikomödie “Toni Erdmann”, die es beinahe zu einem Oscar brachte. Zudem spielte die gebürtige Thüringerin in so unterschiedlichen Filmen wie Hans-Christian Schmids “Requiem” und “Fack ju Göthe 3”, wo sie die Lehrerin Biggi Enzberger verkörperte.

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Dass sie als Frau den Hamlet spielt, ist für ihren Regisseur nichts Außergewöhnliches. “Ich möchte kein großes Thema daraus machen. Eigentlich ist es normal, dass eine Frau Hamlet spielt: Sarah Bernhardt, Angela Winkler, Asta Nielsen, viele andere haben es schon gemacht”, sagt Johan Simons auf der Webseite des Schauspielhauses Bochum. Theater vermittele sich über Gedanken, nicht über Identifikation. Der Stoff handele von Geisteskraft und der Dynamik des Denkens. “Sandra Hüller hat einen flexiblen Geist. Und sie hat eine persönliche Herangehensweise. Sie lehnt jeden Zynismus ab. Sandra erweitert Hamlets Gedanken und füllt sie mit Emotionen, wie nur sie das kann.”

Schauspieler des Jahres ist Fabian Hinrichs

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Auch die 44 von der Zeitschrift “Theater heute” befragten Kritiker sahen das genauso oder zumindest ähnlich, sodass sie Hüller auf Platz eins setzten. Schauspieler des Jahres wurde “Tatort”-Kommissar Fabian Hinrichs für seine Rolle in René Polleschs “Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt”.

Die Kriminalhauptkommissare Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) ermittelten zuletzt im Franken-"Tatort: Die Nacht gehört dir".

Zum Theater des Jahres sind erneut die Münchner Kammerspiele gewählt worden. Damit wurden die Kammerspiele zum zweiten Mal hintereinander ausgewählt – jeweils unter der Leitung von Matthias Lilienthal. Der 60-Jährige hat mittlerweile seine Intendanz an den Kammerspielen beendet und ist zurück nach Berlin gegangen.

Im September spielt Sandra Hüller wieder den “Hamlet”

Sandra Hüller hat kürzlich ihr erstes Album veröffentlicht. In ihrer Singstimme hatte man sich schon in ihrer Hörbuchinterpretation von Wolfgang Herrndorfs “Bilder deiner großen Liebe” verlieren können, in der sie auch kleine Liedsequenzen sang. Ihr Album “Be your own prince” ist kein glattes, sondern eines mit wunderbar scharfen Kanten und rauer Brillanz. Im Juli kam ihr neuer Film “Sibyl” in die Kinos. Auf der Bühne steht sie Ende des Monats wieder: Am 26. und 27. September zeigt das Schauspielhaus Bochum den “Hamlet”. Der Vorverkauf beginnt am 1. September.

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