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Frei nach Hesse - “Narziss und Goldmund” startet im Kino

  • Nach einem Leben voller Sinnlichkeit kehrt ein geschundener Lebemann ins Kloster zurück.
  • Dort wartet ein empfindsamer Bruder, der inzwischen mehr für ihn empfindet als Freundschaft
  • Stefan Ruzowitzky hat Hermann Hesses Roman “Narziss und Goldmund” (Kinostart am 12. März) mit Sabrin Tambrea und Jannis Niewöhner verfilmt.
Martin Schwickert
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„Wir drei können ja zusammen Freunde sein: Du, ich und Gott“ sagt der kleine, rotwangige Goldmund, der vom Vater in ein Kloster gesteckt wurde. Der schmale, blasse Narziss nickt etwas zögerlich. Der junge Novize ahnt, dass ihn diese Dreier-Kiste in Schwierigkeiten bringen wird, weil Gott und Goldmund in gleicher Weise seine vollste Aufmerksamkeit erfordern.

Der literarische Stoff hat durchaus seine Verfilmungstücken

Neben „Siddhartha“ und „Steppenwolf“ gehört die 1930 erschienene Erzählung „Narziss und Goldmund“ zu den populärsten Werken Hermann Hesses. Ganze Generationen sinnsuchender Gymnasiasten haben sich mit den Selbstfindungsprozessen der beiden ungleichen Freunde auseinandergesetzt. Der eine, der sich ganz nach innen gerichtet der spirituellen Askese verschreibt, der andere, der auf der Suche nach sinnlicher Erfahrung hinaus in die Welt zieht.

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Nun hat der österreichische Oscarpreisträger Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher“) den Hesse-Klassiker neunzig Jahre nach der Erstveröffentlichung fürs Kino adaptiert. Keine einfache Aufgabe, denn in der Dichotomie seiner Figuren arbeitet Hesse mit kräftigen Typisierungen. So etwas kann auf der Leinwand ganz schnell zu steifbeinigen Charakteren und didaktischer Behäbigkeit führen.

Eine Odyssee durch das faszinierende Mittelalter

Aber natürlich bietet der Stoff auch cineastische Reize. Das gilt sowohl für die klösterliche Welt des Mittelalters à la „Im Namen der Rose“ als auch natürlich für die Odyssee des jungen Goldmund, der sich den weltlichen Genüssen hingibt. Wie die meisten Filmemacher, die ein klassisches Werk der Literatur für das gegenwärtige Publikum zugänglich machen wollen, brechen auch Ruzowitzky und sein Ko-Autor Robert Gold („Der Fall Collini“) die chronologische Erzählstruktur der Vorlage auf.

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Zum narrativen Zentrum wird hier die Rückkehr Goldmunds (Jannis Niewöhner) ins Kloster, der nach einer Liebelei mit einer Fürstentochter nur knapp mit dem Leben davon gekommen ist. Ein geschundener Mann, der von dem Abt Narziss (Sabin Tambrea) nicht nur klösterliche Kost und Logis, sondern auch den Auftrag bekommt, einen neuen Altar zu schnitzen. In den Gesprächen der beiden Freunde fächert der Film mit Rückblenden die gemeinsame Kindheit im Kloster Mariabronn und die Abenteuer auf, die Goldmund während seiner Reise erlebt hat.

Der lebenshungrige Goldmund reißt immer wieder aus

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„Ich kann ihn nicht mehr ansehen“ sagt der Vater, als er Goldmund im Kloster abgibt. Das Gesicht des Jungen erinnere ihn zu sehr an dessen Mutter, die die Flucht aus der Ehe ergriffen hat und als Hure bezeichnet wird. Der Abt stellt dem Neuling den Novizen Narziss zur Seite - den eifrigsten, aber auch einsamsten Schüler im Kloster. Für ihn sind die Klostermauern kein Gefängnis, sondern ein Ort sicherer Abgeschiedenheit.

Goldmund hingegen reißt immer wieder aus. Mit anderen Novizen schleicht er sich zu einer älteren Frau im Dorf, die sich gegen einen Obolus für die Jugendlichen entblößt. Während die anderen Jungen sich in den Schritt fassen, greift Goldmund zu Stift und Papier und hält das Gesehene in einer Zeichnung fest. Nach dem sexuellen Erweckungserlebnis hält ihn nichts mehr im Kloster.

Goldmund sucht unbewusst das Bild seiner Mutter

Narziss, der mehr als freundschaftliche Gefühle für Goldmund empfindet, lässt ihn widerwillig gehen. Eine Zigeunerin verkostet den unschuldigen Goldmund für eine Nacht. Am Fürstenhof interessieren sich gleich beide Adelstöchter für den schmucken, jungen Schreiber. Schließlich geht Goldmund bei dem Holzschnitzmeister Niklaus (Uwe Ochsenknecht) in die Lehre. Er ist auf der Suche nicht nur nach seiner künstlerischen Berufung, sondern auch nach einem Bild seiner Mutter, das in seinem Kopf nur unvollständig Gestalt annimmt. „Mehr als in ein Leben passt“ habe er erlebt, sagt Goldmund zu Narziss.

Im Gegensatz zu Hesse, der die Reihe der Frauenfiguren eher als schmachtende Lebenslernhilfen für seinen suchenden Helden entworfen hat, konturiert Ruzowitzky die weiblichen Charaktere im Film stärker und formuliert deren emotionale Eigeninteressen deutlicher aus. Dadurch erscheint die Herzensbildungsreise Goldmunds auf der Leinwand weniger didaktisch als in der Vorlage.

Ruzowitzky zeigt die Anziehungskräfte der katholischen Klosterwelt

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Auch der schematischen Gegensatz zwischen asketischer Klosterwesen und sinnlicher Außenwelt wird hier abgemildert, denn gerade die Szenen in der Abtei überzeugen durch ihre sinnliche Ästhetik: die Choräle der Mönche, die aufsteigenden Weihrauchschwaden, die schweren Gemäuer, die Heiligen- und Kruzifix-Kunstwerke – Ruzowitzky entwickelt ein ausgeprägtes Gespür für die visuellen und atmosphärischen Anziehungskräfte der katholischen Klosterwelt.

Deutlicher wird auch die homoerotische Spannkraft der Beziehung zwischen Narziss und Goldmund ausformuliert, die letztlich auch zur einer Meuterei unter den Mönchen und zu einer Brandlegung führt, die in Hesses Erzählung nicht vorkommen. Ruzowitzky sucht und findet im Rahmen einer konventionellen Literaturverfilmung durchaus eigene Erzähl- und Interpretationsansätze und stärkt dabei erfolgreich die Unterhaltungseffekte des Stoffes.

Jannis Niewöhner spielt mit großer Selbstgefälligkeit

Einzig die Besetzung von Jannis Niewöhner erweist sich als problematisch, der den suchenden Goldmund mit allzu großer Selbstgefälligkeit spielt und in zahlreichen Shirt-Off-Szenen seine Trainingserfolge vor der Kamera präsentiert. Vor allem in den dramatischeren Sequenzen neigt er zu Overacting und einem ganz und gar unmittelalterlichen Sprachduktus.

Sabin Tambrea hingegen gibt dem tragischen Held Narziss eine überzeugende Empfindsamkeit und spielt die unterdrückten Emotionen seiner Figur differenziert aus. Diese schauspielerische Diskrepanz zwischen den beiden Titelfiguren bringt den Film gelegentlich aus der Balance, ohne ihn jedoch grundlegend zu schädigen.

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