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„Der Alte“, „Derrick“ und Co.: Krimimusik-Komponist Frank Duval wird 80 Jahre alt

  • „Den gibt’s noch?“, werden sich einige fragen. Jüngere werden mit dem Namen Frank Duval eher nichts anfangen können.
  • Dabei war die Musik des Berliners mal weltbekannt.
  • Allein für die Kult-Krimireihen „Derrick“ und „Der Alte“ komponierte er weit über 200 Titel.
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Madrid/Essaouira. Er hat Fernseh- und Musikgeschichte geschrieben, aber seinen Namen kennen heute wohl nur noch wenige: Frank Duval komponierte allein für die Kult-Krimireihen „Derrick“ und „Der Alte“ weit über 200 Titel. Mit seinem melancholischen und sehnsüchtigen, einfühlsamen aber auch unheimlichen Sound jagte er einem Millionenpublikum ein ums andere Mal Gänsehaut ein. An diesem Sonntag wird der Mann mit der langen Mähne und dem Schnurrbart 80 Jahre alt.

In den Achtzigen konnte er sich kaum vor Aufträgen retten

Der Komponist, Bandleader, Arrangeur und Sänger konnte sich vor allem in den 1980ern vor Aufträgen kaum retten, schrieb Hits für sich und andere und musste seinen Erzählungen nach viele Angebote ablehnen, unter anderem auch aus Hollywood. Irgendwann überschattete der Stress aber den Erfolg, kurz vor der Jahrtausendwende folgte der Ausstieg. Doch jetzt ist Duval wieder da: Er versucht ein Comeback.

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Der gebürtige Berliner arbeitet in seiner Wahlheimat Essaouira, der „weißen Künstlerstadt“ in Marokko, an seinem ersten Konzeptalbum seit gut 20 Jahren - und fühlt sich jung und voller Tatendrang. „Im Moment habe ich das Gefühl, dass das Papier, auf dem mein Alter ausgewiesen wird, ein Fake ist“, witzelte er.

„König der Krimi-Musik“ und „Klangzauberer“ wurde Duval von Medien und Fans unter anderem genannt. Das Talent wurde ihm wohl in die Wiege gelegt. Nach seiner Geburt am 22. November 1940 am Zehlendorfer Schlachtensee wuchs er in einer alten Hugenotten- und Künstlerfamilie auf. Sein Vater, der Sohn eines Chefredakteurs der „Berliner Zeitung“, war Kunstmaler. Eine Tante Hofmalerin am königlich-preußischen Hof. Schon mit zwölf trat Frank Uwe Patz, wie der Kleine bürgerlich hieß, am Theater in Berlin mit Harald Juhnke auf. Er schauspielerte nicht nur mit Juhnke und Heinz Erhardt, sondern ließ sich auch zum Tänzer ausbilden und trat in Musicals auf. Noch als Teenager bildete er mit seiner Schwester Maria außerdem vier Jahre lang ein erfolgreiches Schlagerduo.

Der Grundstein für die Komponistenkarriere wurde 1965 gelegt. Der Regisseur Heinz-Günter Stamm „entdeckte“ ihn beim Improvisieren auf einem Studio-Flügel im Bayerischen Rundfunk. Duval arbeitete fortan an großen Musicalproduktionen und Hörspielreihen. Er komponierte auch für große Stars wie Margot Werner, Maria Schell und Peter Alexander. Der wirkliche Durchbruch gelang ihm 1977 mit der Filmmusik für den „Tatort“ „Schüsse in der Schonzeit“.

„Die Fernsehserien "Derrick" und "Der Alte" waren sicherlich mein größter Karriere-Erfolg“, zieht Duval Bilanz. „Dem Produzenten Helmut Ringelmann habe ich viel zu verdanken. Und in der Nachfolge natürlich den vielen Regisseuren, die meine "spezielle dramaturgische Minimal-Filmmusik mit Melodie" - wie es der Regisseur Alfred Weidenmann einmal genannt hatte - als neu, einfühlsam und experimental bezeichnet hatten.“

Die von Duval gesungene Pop-Ballade „Angel of Mine“ (1980) aus dem Soundtrack zur Derrick-Folge „Dem Mörder eine Kerze“ erklomm Platz eins der deutschen, aber auch der österreichischen, Schweizer und niederländischen Charts. Wie bei vielen anderen Songs schrieb seine Frau Kalina Maloyer mit. Die Malerin aus der Slowakei sei seine Muse „und zugleich meine brutalste Kritikerin“, sagte der Musiker mehrfach. Duval erhielt unter anderem für seine Konzeptalben in Deutschland zwei Goldene Schallplatten. Ihm gelangen in der ersten Hälfte der 1980er Jahre viele Hits, darunter „Face to Face“ und „Give me your Love“, Fans auf der ganzen Welt liebten seine Musik.

Und heute? Ist die Fangemeinde noch groß? „Ich glaube nicht. Auf Facebook habe ich gut 20.000 Abonnenten, viele aus Österreich, aber auch aus Südafrika, Rumänien und Russland.“ Auf YouTube haben manche seiner Songs Millionen Klicks. „Und auch heute bekomme ich oft noch Mails oder Briefe von Menschen, die mir schreiben, dass sie eine besondere Beziehung zu meiner Musik haben.“

1988, „am Höhepunkt meiner Karriere“, wanderte das Paar nach La Palma aus. Die kleine, vom Massentourismus bis heute verschont gebliebene Kanaren-Insel war Zufluchtsort. „Ich wollte nicht mehr in diesem Stress leben. Hatte das Bedürfnis nach Ruhe. Anders leben ... anders denken. Ich hatte eine unbestimmte Sehnsucht in mir. Heute würde ich sagen, es war die Sehnsucht nach dem Wesentlichen.“ Ab 1997 und bis 2018 habe er sich „dann ganz zurückgezogen“. „Meine Frau und ich sind gereist, haben weise Männer und Frauen getroffen. Es war eine sehr wichtige und lehrreiche Zeit für uns.“

2021 soll ein neues Konzeptalbum von Duval erscheinen

Einer dieser „weisen Männer“ ist ein Navajo, den Duval seinen „Indianer-Bruder“ nennt. Und der für das neue Album sozusagen mitverantwortlich ist. „Es soll ein Album über die Weisheit meines Indianer-Bruders werden. Über seine Gedanken. Über Leben, Liebe und Tod. Ich habe viel von ihm gelernt.“ Damit nicht genug der Überraschungen und Innovationen: Er werde „einige Songs in einer alten Indianersprache mit englischen Wortfetzen“ singen, verrät er. Warum? „Weil in unseren Sprachen für mich nichts Neues mehr zu finden ist, vieles falsch verstanden und falsch ausgelegt wird“. Auf Duvals Facebook-Seite gibt es bereits Hörproben.

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Die neue CD samt DVD sollte zum 80. veröffentlicht werden. Wegen Corona müssen sich seine Fans aber bis Anfang 2021 gedulden. Das Virus habe ihm „einen Strich durch die Rechnung gemacht“. In Marokko, wo er seit rund drei Jahren lebt, sei er sehr glücklich. „Ich wollte schon als kleiner Junge nach Marokko. Berber sein. Jetzt bin ich da.“ Und ihn freue es auch, dass er noch immer Dinge erschaffe, so der Tausendsassa. „Dramaturgische Musik, eigene kleine Filme drehen als Kameramann, Regisseur, Autor, Beleuchter. Arrangeur, Komponist, alles Kreative. Egal. Alles macht Spaß.“

RND/dpa

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