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  • Fotografie mit Drohnen: Wie Fotografen die Welt von oben in Szene setzen

Drohnenfotografie – die Welt von oben

  • Drohnen haben die Fotografie verändert.
  • Während Bilder früher meist horizontal entstanden, ermöglichen Aufnahmen aus der Luft völlig neue Perspektiven – symmetrische Kunstwerke statt bloßer Landschaftsfotos.
  • Immer mehr Fotografinnen und Fotografen zeigen die Welt mit ihren Bildern aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel.
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Hannover. Das Surren erinnert an Insekten, und wir verbinden es wohl genau deswegen unweigerlich mit der Luft: Wer das Geräusch einer Drohne hört, sucht instinktiv nicht auf dem Boden nach ihr – er lässt den Blick in den Himmel schweifen. Dort surren sie immer öfter in Feriengebieten, in den Bergen, am Strand oder einfach nur über dem Feld – ferngesteuert von Fotografen, die mit ihnen den Alltag, vor allem die Natur, aus der Luft aufzeichnen.

Seitdem es Drohnen für Otto Normalverbraucher in so ziemlich jedem Elektromarkt zu kaufen gibt, hat es vor allem in sozialen Netzwerken eine wahre Explosion der Luftaufnahmen gegeben. Aufnahmen, die wir in dieser Form zuvor kaum kannten: Serpentinenstraßen, Tanker auf dem Meer, selbst Hochhäuser sind durch Drohnen aus der Vogelperspektive zu sehen.

Bildergalerie
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Die Welt aus Sicht einer Drohne.  @ Quelle: Lance Asper/Unsplash
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Drohnenfotos als Kunst

„Es ist das, was wir als unsere Kunst bezeichnen“, sagt Mike Andrews, der mit seinem Bruder JP in der ganzen Welt unterwegs ist, um Drohnenfotos zu erstellen. Auf ihrer Website bieten sie sie als Drucke an, viel wichtiger aber ist für die Brüder ein Exklusivvertrag mit der Bildagentur Getty Images. Die vertreibt die Aufnahmen des Andrews-Duos inzwischen in aller Welt.

Die Kunst der Brüder ist das Zweidimensionale, das durch den Blick aus der Luft in der Aufsicht entsteht. „Nicht viele Menschen sehen die Welt üblicherweise aus solch einem Winkel, wenn sie nicht gerade ein Satellitenbild anschauen“, erläutert Mike Andrews. „Normalerweise sieht man Schatten und so, das aber fehlt bei dieser Draufsicht meistens. Selbst wenn man aus einem Flugzeug schaut, sieht man die Welt gewöhnlich nicht direkt von oben nach unten, sondern immer aus einem leichten Winkel.“ Diesen Winkel nennt man im Fachjargon Senkrechtfotografie.

Millionenfach auf Instagram

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17 Millionen Fotos zählt allein das Netzwerk Instagram mit dem Hashtag „#drone“, englisch für Drohne. „#dronephotography“ kommt noch einmal auf 8,4 Millionen Aufnahmen. In aller Welt sind Profis und Amateure unterwegs, um den Alltag aus der Luft zu betrachten und in Bildern festzuhalten.

Nach Schätzungen des Statistikportals Statista soll es im Jahr 2025 allein in Deutschland 324 .000 privat und 132. 000 kommerziell genutzte Drohnen geben. Und dies trotz immer strengerer Gesetze: Wer heute eine handelsübliche Drohne in die Luft steigen lässt und mit ihr Aufnahmen machen will, muss zuvor einige bürokratische Hürden überwinden – unter anderem einen Onlinetest beim Luftfahrtbundesamt. Auch eine Drohnenversicherung, die vielfach in der Privathaftpflichtversicherung enthalten ist, muss zwingend zuvor abgeschlossen werden.

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Straße durch den herbstlichen Steigerwald. © Quelle: imago images/Westend61

„Wir haben eine vollständige Lizenz für das, was wir tun, und wir arbeiten rund um die Welt mit Leuten zusammen, die uns helfen, das zu tun“, betont JP Andrews. „Wir haben kürzlich an einem Flughafen hier in Großbritannien gefilmt, und der Papierkram, den man dafür erledigen muss, ist umwerfend. Die Voraussetzungen, eine Drohne fliegen zu dürfen, sind heute wesentlich aufwendiger als zu unserer Startzeit.“

GPS-Technik in Drohnen

Als unnötig erachten die beiden Drohnenbrüder die Flut an Vorschriften jedoch nicht. „Wenn eine Drohne funktioniert, wie eine Drohne funktionieren sollte, kann im Prinzip jeder eine fliegen“, räumt JP Andrews ein. „Die GPS-Technologie ist unglaublich – die Drohne wird wegfliegen, und sie wird wieder zu dir zurückkommen.“ Aber was man nicht vergessen dürfe: Eine Drohne sei nach wie vor eine Maschine, egal, wie ausgereift die Technik auch ist. „Und Maschinen funktionieren eben nun mal nicht immer“, betont der 36-Jährige. „Es ist wichtig zu verstehen, was du da fliegst.“

Gefeit scheint niemand vor unvorhergesehenen Ereignissen beim Fliegen zu sein: „Wirklich verloren haben wir bislang nur eine Drohne, in einem Wald in Kanada“, erinnert sich JP Andrews. „Die Verbindung brach ab, und sie stürzte irgendwo ab.“ Beschädigt worden seien beim Fliegen aber einige, räumt sein Bruder Mike, 34 Jahre alt, ein – „eine kürzlich in einem Vulkan in Island“. Sie sei angeschmort worden, habe aber dennoch zurückfliegen können. Eine weitere sei einmal gegen einen Berg geflogen. „Ich weiß gar nicht, wieso die überlebt hat.“

Ungewöhnliche Kunstwerke mit der Drohne

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„Die Drohnenfotografie macht ganz gewöhnliche Dinge viel interessanter“, beschreibt JP Andrews die Faszination. Die Brüder sind eher zufällig bei dieser Art der Fotografie gelandet: Bei einer Auszeit in Australien hätten sie abends im Pub beschlossen, eine Drohne zu kaufen. Über Instagram seien sie dann schnell in der Szene bekannt geworden. „Unsere ersten Bilder sahen aus wie abstrakte Kunstwerke“, erinnert sich JP Andrews. „Bei vielen Dingen, die wir aufnehmen, kann man auf den ersten Blick gar nicht sagen, was sie darstellen.“

Eine Frau geht durch einen Irrgarten aus immergrünen Thuja-Hecken-Pflanzen. © Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbil

Dass Drohnen mitunter einen schlechten Ruf haben, liegt vor allem an ihrer Geschichte, die eng mit der Geschichte der Luftfotografie aus Flugzeugen verbunden ist. Entwickelt wurden sie in erster Linie fürs Militär. Bereits während des Ersten Weltkrieges gab es Versuche. Die Luftaufnahmen aus Flugzeugen während des Zweiten Weltkrieges sind bis heute in vielen Geschichtsbüchern zu sehen. Während der Sechzigerjahre nutzen die USA Drohnen zu Aufklärungszwecken, unter anderem über Kuba, China, Vietnam und Korea. Im Irak und in Afghanistan kamen solche Geräte zum Einsatz, um gezielt Menschen zu töten.

Drohnen auch bei Militär und Verwaltung

Heute sind Drohnen in vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken – nicht nur beim Militär und bei Hobbyfotografen. Die Stadt Leipzig etwa kündigte kürzlich an, Drohnen einzusetzen, um Gebäude und Grundstücke zu vermessen und zu inspizieren. Der Leiter des Amtes für Geoinformation und Bodenordnung, Matthias Kredt, erklärte, dass die 6000 Euro teure Drohne im Vergleich zu anderen Vermessungsgeräten günstiger gewesen sei. „Gerade an unzugänglichen oder gefährlichen Stellen kann damit berührungslos gearbeitet werden, was den Messtrupps im Außeneinsatz Sicherheit gibt.“

Für Fotografen sind solche Einsätze in der Regel tabu: Weder über Wohngebieten noch über Behörden und militärischen Einrichtungen sind Drohnenflüge erlaubt. Vielfach sind sie auch in Naturschutzgebieten verboten, auch im Einzugsbereich von Flughäfen.

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Interessant sind für Drohnenfotografen ohnehin meist jene Orte, an denen kaum ein Mensch steht. Island sei bislang der schönste Fototrip gewesen, erinnert sich JP Andrews. „Das ist solch ein ungewöhnliches Land aus der Luft betrachtet. Es muss etwas mit den Vulkanen zu tun haben.“

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