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Bissige Reptilien im Kino

Verfolgungsjagden fast wie bei James Bond: das Finale der „Jurassic World“-Trilogie

Manche Dinos sind richtig niedlich: Laura Dern (l.) als Dr. Ellie Sattler und Sam Neill als Dr. Alan Grant in einer Szene des Films „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“.

Manche Dinos sind richtig niedlich: Laura Dern (l.) als Dr. Ellie Sattler und Sam Neill als Dr. Alan Grant in einer Szene des Films „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“.

Als die Fischer ihre Fangkörbe aus dem Wasser ziehen, schnellt ein Dinosaurierkopf mit weit aufgerissenem Gebiss aus dem Wasser, schnappt sich den Krabbencocktail und zieht den Trawler gleich mit hinab in die Fluten. Szenen wie diese gehören zum Alltag in der Welt von „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ – dem dritten Teil der Remake-Trilogie nach Steven Spielbergs Klassiker aus dem Jahre 1993.

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Einst auf der fiktiven Isla Nublar mittels Gentechnik zur Publikumsbelustigung in einem Themenpark herangezüchtet, haben sich die Saurier längst aus dem Gefängnis befreit und in alle Welt verstreut. Die Dinosaurier sind zur Pandemie geworden. Auf dem Wolkenkratzer einer Metropole nisten die Flugsaurier wie Störche auf der Dorfkirche. Im Park füttern Kinder kleine ungefährliche Echsen, als wären es Tauben. In den Wäldern grast neben dem Damwild auch ein friedlicher Brontosaurus.

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Die Menschheit ist uneins, wie sie mit den Mitbewohnern umgehen soll. In den Umfragewerten hält sich die Forderung „Knallt sie alle ab“ die Waage mit der Befürwortung einer friedlichen Koexistenz zwischen Menschen und Sauriern. Und natürlich gibt es auch einen biotechnischen Großkonzern, der mit der Dino-DNA herumexperimentiert.

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Regisseur Colin Trevorrow und seine Co-Drehbuchautorin Emily Carmichael tun gut daran, endlich die Saurierinsel zu verlassen, um die prähistorischen Tiere in die moderne Welt zu schicken. Denn auch wenn „Jurassic World“ (2015) und das Nachfolgewerk „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ (2018) zusammen an den Kinokassen nahezu drei Milliarden Dollar eingespielt haben, machte vor allem der zweite Teil mit seiner mageren Drehbuchkonzeption den Eindruck eines hoffnungslos überfinanzierten B-Movies.

Beim Finale der Trilogie hat man sich ein wenig mehr Mühe gegeben. Mit der direkten Konfrontation zwischen menschlicher Zivilisation und einer diversen Dino-Schar eröffnet sich sowohl visuell als auch inhaltlich ein neues Spektrum.

Jeff Goldblum als Chaostheoretiker

Das Drehbuch führt zum Abschluss das Personal beider Franchise-Generationen zusammen. Sam Neil und Laura Dern, die in Spielbergs Originalfilm bereits die paläontologischen Fachkräfte Alan Grant und Elli Sattler verkörperten, sind ebenso mit im Boot wie der wunderbare Jeff Goldbloom als Chaostheoretiker Ian Malcolm.

Elli untersucht eine neuartige Heuschreckenplage, welche eine weltweite Hungerkatastrophe auszulösen droht. Die Vermutung liegt nahe, dass die gefräßigen Rieseninsekten dem Labor des Gentech-Moguls Lewis Dodgson (Campbell Scott) entsprungen sind.

So macht sich die Wissenschaftlerin mit ihren ehemaligen Kollegen und Liebhaber Alan auf in die Dolomiten, wo der Konzern einen riesigen Firmencampus mit gut gesichertem Freigehege betreibt. In dem Zoo werden die gefährlichsten Sauriersorten zur biotechnischen Erforschung gehalten. Das kann nicht wirklich gut gehen.

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In einem zweiten Erzählstrang leben die passionierte Dino-Expertin Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) und deren Lebensgefährte Owen Grady (Chris Pratt) zurückgezogen im Einklang mit Natur und Sauriern, bis ihre Adoptivtochter Maisie (Isabella Sermon) entführt wird. Deren leibliche Mutter war eine bekannte Genetikerin, und das Mädchen trägt den Schüssel zu den bahnbrechenden Forschungen in ihrem Körper. Die Spur führt auch hier in die Dolomiten.

Über einige veritable Actionszenen werden die beiden Handlungsebenen zusammengeführt. Herausragend ist die Verfolgungsjagd über einen Schwarzmarkt für Dinosaurier auf Malta. Das grandios choreografierte Chaos aus Prügeleien mit finsteren Schurken, bissigen Reptilien und einer Hatz durch enge Altstadtgassen, bewegt sich handwerklich beinahe auf James-Bond-Niveau.

Im letzten Drittel konzentriert sich der Plot leider auf die Kulisse der Biotech-Zentrale, wo neben der übersichtlichen Auflösung des Komplotts vor allem prähistorisches Großwild à la Tyrannosaurus Rex zum Einsatz kommt. Wie jedes Franchise-Finale leidet auch „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ unter einem ausufernden Schlussgemetzelsyndrom.

Bis dahin jedoch wirkt das Verhältnis zwischen menschlicher Ensembleleistung und animalischen Digitalgewese ausgewogen. Jeff Goldblum als stylischer Wissenschaftsguru, DeWanda Wise in der Rolle der saucoolen Bruchpilotin und Campbell Scott als atypischer Bösewicht sammeln die meisten Coolness-Punkte.

Das Finale macht deutlich, dass die Sache mit den Dinos nun wirklich auserzählt ist. Von weiteren Relaunch-Versuchen möchte man verschont bleiben. Wie wäre es stattdessen mal wieder mit einem Originalstoff, der ohne Zuhilfenahme von Jahrzehnte alten Vorlagen die vielen brennenden Themen unserer Zeit im Popkulturformat verhandelt?

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„Jurassic World: Das neue Zeitalter“, Regie: Colin Trevorrow, mit Sam Neil, Laura Dern, Bryce Dallas Howard, Chris Pratt, 146 Minuten, FSK 12

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