• Startseite
  • Kultur
  • Filmfestival in Cannes von Corona überschattet: Droht der vorzeitige Abbruch?

Filmfest in der Kritik: „Es gibt kein Corona-Cluster in Cannes“

  • Die Kritik ist groß, nachdem sich Stars und Festivalbesucher zu Beginn des Filmfestivals an der Côte d’Azur ohne Masken gezeigt hatten.
  • Festivalleiter Thierry Frémaux betont inzwischen, dass er auf die strikte Einhaltung der Regeln bestehe.
  • Droht dem Festival trotzdem der vorzeitige Abbruch?
Anzeige
Anzeige

Cannes. Die Bilder wirken wie aus einer anderen Zeit, einer Zeit vor März 2020 und vor der Corona-Pandemie. Sie zeigen Stars in rauschenden Roben und glänzenden Anzügen, die nebeneinander in Kinosesseln sitzen. Die wenigsten von ihnen tragen einen Mund- und Nasenschutz. Menschen, die sich auf eine Terrasse schieben, eng aneinander gedrückt. Und die französische Kulturministerin Roselyne Bachelot, die dem Regisseur Spike Lee überschwänglich Küsschen auf die Wangen drückt, so als gäbe es kein Coronavirus – Bachelot selbst lag im März wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus.

„Für das niedere Volk: Masken im Kino, Abstandsregeln, Moralpredigten… Für die Mächtigen von Cannes: Umarmungen und null Mund- und Nasenschutz“, ätzte der rechtsextreme Politiker Florian Philippot auf Twitter. Die Welt des Covid-19 sei eine „Welt der Kasten“. Er war nicht der einzige, der sich ärgerte.

Festivalleiter Thierry Frémaux betont strenge Regeln

Anzeige

Die so kritisierten Bilder sind allerdings ein paar Tage alt, sie stammen vom Beginn des Filmfestivals in Cannes in der vergangenen Woche. Festival-Leiter Thierry Frémaux hat seitdem mehrmals darauf hingewiesen, dass er auf die strikte Einhaltung der Regeln bestehe. Diese sehen den Zugang auf das Festival-Gelände nur mit „Gesundheitspass“, also dem Nachweis einer überstandenen Infektion, einer vollständigen Impfung oder eines negativen PCR-Tests vor, ebenso wie das konsequente Tragen eines Mund-Nasenschutzes, so Frémaux: „Das ist die Regel, das Gesetz und die Garantie dafür, dass das Festival bis zu Ende gehen kann.“

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.

Die Abschluss-Zeremonie mit der Verleihung der Goldenen Palme soll am 17. Juli stattfinden. Tatsächlich aber kursiert das Gerücht, das schöne Spektakel, auf das die Filmwelt schon im vergangenen Jahr verzichten musste, könnte vorzeitig enden. Dazu kommt es aber wohl nicht, gilt das Festival doch als Aushängeschild für die Mittelmeer-Region, die so sehr von ihrem glamourösen Image und vom Tourismus lebt.

Die Saison startete spät in diesem Jahr, es sind deutlich weniger ausländische Gäste da. Bei einer Fernsehansprache am Montagabend kündigte Präsident Emmanuel Macron neue Maßnahmen an, um die rasante Ausbreitung der Delta-Variante in Frankreich zu stoppen. Dazu gehört eine Impfpflicht für Pflegepersonal ab 15. September, auch wird bald nicht mehr reisen, einkaufen, ja sogar einen Kaffee trinken können, wer nicht entweder geimpft ist oder einen frischen Negativ-Test hat. Eine Einschränkung der Besucherzahl bei Veranstaltungen kündigte Macron nicht an. Diese wurde erst vor kurzem wieder komplett hochgefahren. Auch die Diskotheken öffneten gerade wieder.

Schauspielerin Léa Seydoux wegen Corona-Infektion nicht angereist

Nun aber steigen die Zahlen an, wenn auch auf einem niedrigen Niveau. Doch wenn man nicht gegensteuere, drohe eine vierte „epidemische Welle“, warnte Gesundheitsminister Olivier Véran, die erneut zu großem Druck in den Krankenhäusern führen könnte. Das Département Alpes-Maritimes, in dem Cannes liegt, gehört zu den vier französischen Gebieten, in denen der Inzidenzwert wieder über 50 pro 100.000 Einwohnern gestiegen ist.

Den Verdacht, dass das Festival einen Anteil daran haben könnte, weist dessen Leitung vehement zurück .“Es gibt keinen Cluster in Cannes“, versicherte Frémaux am Samstag „Gestern führten wir mehr als 3000 Tests durch und es gab keinen einzigen positiven Fall.“ In einem Testzentrum an der „Croisette“, der Promenade mit dem Festival- und Kongresszentrum, werden stündlich bis zu 300 Tests durchgeführt.

Ein Arzt kümmert sich um alle, die sich fiebrig fühlen. Ohnehin ist bei der 74. Ausgabe des Filmfests auch ohne offizielle Beschränkung nur gut halb so viel Publikum wie in Normalzeiten an die Côte d`Azur gekommen – sonst tummeln sich hier rund 40.000 Reiche und Schöne. Auch Léa Seydoux fehlt, die in vier Filmen spielt, die gezeigt werden, davon drei im Wettbewerb: Die 36-jährige Schauspielerin musste zumindest vorerst in Paris bleiben. Sie hat das Coronavirus.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen