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Filme auf Hauswände projiziert: Gemeinschaftliches Filmerlebnis auch in Corona-Zeiten

  • Während der Corona-Krise hatten die Kinos lange Zeit geschlossen.
  • Da boomten nicht nur Autokinos, sondern auch andere Arten von alternativen Kinoerlebnissen.
  • Beispielsweise werden in Hinterhöfen Filme an Hauswände geworfen und von Balkonen und Wohnzimmern aus gesehen.
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Open-Air-Kino ist eine wunderbare Einrichtung. Und wenn Regisseure besonders gefühlvoll an das Kino ihrer Kindheit und Jugend erinnern, gibt es schon mal Szenen in ihren Filmen, in denen die Bilder direkt auf eine Hauswand projiziert werden. Nicht auf eine Leinwand, sondern gleich auf die – möglichst weiß getünchte – Mauer. Das war etwa in Giuseppes Tornatores nostalgischem Oscarfilm “Cinema Paradiso” mit Philippe Noiret als Filmvorführer Alfredo zu sehen und auch in Fatih Akins deutsch-italienischer Familiengeschichte “Solino”.

In Corona-Zeiten, in denen die Kinos lange Zeit geschlossen hatten und zum Teil noch haben, haben sich einige Filmenthusiasten wohl an diese oder ähnliche Kinomomente erinnert. In Berlin zum Beispiel zeigt das Projekt Window Flicks seit einigen Wochen immer donnerstags und samstags Spielfilme auf Hinterhofwänden. Die Bewohner der umliegenden Häuser sind als Zuschauer eingeladen: Die meisten bleiben in ihren Wohnungen, schauen durchs Fenster oder vom Balkon aus – quasi dem Logenplatz – zu. Oder aber sie stehen, in gebührendem Abstand zum nächsten Zuschauer, im Hof oder machen es sich auf einer Decke oder einem Stuhl gemütlich.

“Kultur in die Höfe bringen”

Initiator von Window Flicks ist der Architekt Olaf Karkhoff. Dessen Architektur- und Kunstbüro Meta Grey arbeitet unter anderem an verschiedenen Lichtprojekten. Der gebürtige Berliner fand, dass seine Leute und er ihr Know-how und technisches Gerät in der Corona-Krise für solche Filmvorführungen nutzen könnten. “Wir wollten, dass die Menschen zu Hause bleiben. Und da können wir mit unseren Projektoren doch Kultur in die Höfe bringen”, erklärt er.

Auf dem Window-Flicks-Programm stehen etwa “Loving Vincent”, eine Geschichte über van Goghs Tod, die Erfolgsfilme “Good Bye, Lenin”, “Oh, Boy” und auch “Shaun das Schaf”. Mit dem Projekt erfreut Initiator Karkhoff nicht nur Zuschauer, sondern unterstützt auch Berliner Kinos. Es gibt eine Kooperation mit der Yorck-Kinogruppe, die 14 Häuser und ein Freilichtkino in Berlin betreibt. “Das Fassadenkino ist ein Projekt, das nur jetzt in der Ausnahmesituation geplant ist, um Aufmerksamkeit für die Spendenaktion der Berliner Programmkinos zu erzielen”, sagt Katja Schubert, Sprecherin der Yorck-Kinos. Auf der Plattform Startnext haben sich diese sowie weitere unabhängige Kinos zusammengeschlossen, um in Corona-Zeiten nicht allein mit der Misere klarkommen zu müssen. Solange die Kooperation mit Karkhoffs Unternehmen läuft und somit auf die Spendenaktion hingewiesen wird, “haben wir die Rechte der Filmverleiher für die Ausstrahlung der Filme bekommen”, erklärt Schubert.

Bitte um Spenden

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Wer einmal gemeinsam mit seinen Nachbarn “Der Himmel über Berlin”, auch ein Film aus dem Programm, in seinem Hinterhof sehen möchte, muss sich dafür bei Window Flicks bewerben. “Es kostet für die sich bewerbenden Mietergemeinschaften nichts, aber es wird gebeten, für die Kampagne zu spenden”, sagt Katja Schubert.

Seinen Ausgang nahm die Fassadenkino-Renaissance in Italien, dem europäischen Land, das als erstes von der Corona-Pandemie getroffen wurde. Von Mitte März an hat ein filmbegeistertes Paar in Rom Ausschnitte aus italienischen Klassikern und Hollywooderfolgen von seinem Wohnzimmer aus an die gegenüberliegende Hauswand projiziert. Dieses Cinema da Casa sollte den Nachbarn ein Gemeinschaftserlebnis in besonders harten Corona-Zeiten ermöglichen.

Von Italien aus verbreitete sich diese Idee weiter. In Freiburg etwa hat Florian Fromm, Betreiber des dortigen Kommunalen Kinos, ebenfalls Vorführungen in Hinterhöfen organisiert. Zum Auftakt im Breisgau gab es einen Stummfilm aus dem Jahr 1920 von und mit Buster Keaton. Der Film erzählt von der Liebe, die zwischen einem linkischen Jungen (Keaton) und einem zauberhaften Mädchen (Virginia Fox) aus zwei gegenüberliegenden Häusern entbrennt – und die allerhand Hürden bis zum Happy End überwinden muss. Der Filmtitel: “Neighbors”, also Nachbarn.

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