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Veranstalter zum Festival-Aus: “Das ist fast schon eine Erleichterung”

  • Der Festival-Sommer 2020 fällt aus – das ist jetzt klar.
  • Für Veranstalter ist das ein finanzielles Desaster – andere sind allerdings auch froh über die Gewissheit.
  • Für Unmut sorgen derweil unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern.
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Weeze/Hannover. Das Parookaville-Festival am Niederrhein gehört zu den größten Festivals Europas. Im vergangenen Juli feierten auf dem Flughafengelände in Weeze noch 85.000 Fans ihre liebsten DJs, wie etwa Felix Jaehn, Armin van Buuren oder die Chainsmokers. Die Besucher verdrückten 40.000 Pizzen, 68 Tonnen Eiswürfel und 13.000 Bananen.

In diesem Jahr wird keiner der genannten DJs in Weeze auflegen, die Pizzen und Eiswürfel bleiben im Kühlfach. “Wir haben in den vergangenen Wochen bereits begonnen, auf die Bremse zu treten”, erklärt Bernd Dicks, Mitinitiator und -Veranstalter des Parookaville, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Auftragsvergaben wurden verschoben, Alternativstrategien entwickelt.

Am Mittwoch dann die Gewissheit: Wegen der Corona-Pandemie werden Großveranstaltungen bundesweit bis zum 31. August untersagt – das gilt auch für das Parookaville. “Jetzt kommen unsere monatelangen Planungen komplett zum Stillstand”, sagt Dicks. “Das ist emotional eine echte Achterbahnfahrt.”

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Endlich Klarheit

Dennoch: Die Entscheidung der Politik sei in gewisser Weise “eine große Erleichterung, da sie uns Planungssicherheit und Handlungsfähigkeit gibt”, so Dicks. “Wie viele andere Großveranstalter sind wir glücklicherweise gegen einen solchen Ausfall versichert und hoffen nun, dass bei der Abwicklung alles glatt laufen wird.”

Das hoffen auch andere Festival-Veranstalter. Von Rock am Ring über Ruhr in Love bis Wacken: Allein in Deutschland fallen im sonst so beliebten Festival-Sommer Hunderte Großveranstaltungen aus. Für viele Veranstalter ein Desaster.

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“Die Krise wird einige Unternehmen in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen”, weiß Jens Michow, Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV). Zwar könnten den Ticketkäufern nach einer Entscheidung der Bundesregierung statt einer Rückzahlung Gutscheine ausgehändigt werden – “es sollte aber niemand glauben, dass der Schaden, der dem Veranstalter durch die Absage entsteht, damit kompensiert wird”, so Michow.

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Absagen sind ein finanzielles Desaster

Alle Vorbereitungskosten, also etwa Werbung, Personal-, Technik- und Mietkosten, würden bei der Veranstaltung im kommenden Jahr noch einmal anfallen. “Zudem ist der Kartenverkauf auch für Konzerte derzeit vollständig zum Erliegen gekommen. Es bleibt nur zu hoffen, dass es nach der Rückkehr zur Normalität nicht allzu lange dauert, bis Tickets wieder im gewohnten Umfang gekauft werden.”

Für die Mitarbeiter der Veranstaltungsbranche sind das keine guten Aussichten. Zwar seien derzeit viele in Kurzarbeit, so Michow, “aber leider hat es bereits auch eine signifikante Zahl von Arbeitnehmerkündigungen gegeben”.

Hinzu komme noch ein weiterer Knackpunkt: die Verträge mit den bereits gebuchten Künstlern. In der Branche sei es üblich, dass insbesondere ausländische Künstler ihre Honorare bereits Monate im Voraus erhalten. “Da ist es sehr schwer, diese Beträge zurückzuerhalten”, erklärt Michow. “Und es dürfte nachvollziehbar sein, dass Veranstalter Rückzahlungsansprüche gegen Künstler nicht auf rechtlichem Wege durchsetzen.”

Jetzt wird für 2021 geplant

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Am Niederrhein erwartet man hier allerdings keine Probleme. “Da die Absage eindeutig aufgrund höherer Gewalt erfolgte, sind wir zuversichtlich, dass uns hier keine größeren Kosten entstehen”, erklärt Parookaville-Veranstalter Bernd Dicks. “Wir haben zudem sehr gute Kontakte zu den Agenturen und Managements und arbeiten mit ihnen bereits konstruktiv daran, das Line-up für 2021 zusammenzustellen.”

Auch für Mitarbeiter werde sich erst mal nichts ändern. Einige wenige seien in Kurzarbeit gegangen – alle anderen seien mit der Absage des Parookaville jetzt “umfangreich beschäftigt”. Anschließend werde nahtlos mit der Planung für 2021 weitergemacht, daran halte man weiter fest.

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Die RND-Hauptstadtkorrespondentinnen Daniela Vates und Marina Kormbaki analysieren die Lockerungen der Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern.  © Matthias Schwarzer/RND

Unterschiedliche Regeln sorgen für Unmut

Jens Michow vom BDKV sieht bis dahin jedoch noch allerhand Probleme für die Veranstalter. Das fange schon bei den Regelungen in den einzelnen Bundesländern an. Bislang seien schließlich nicht alle Konzerte, sondern nur Großveranstaltungen abgesagt – ab wann eine Veranstaltung eine Großveranstaltung ist, sei derweil gar nicht so klar. “Es steht leider zu befürchten, dass die Regelungen in den einzelnen Bundesländern erneut voneinander abweichen.”

Für die Konzert- und Tourneeveranstalter sei das fatal. “Wenn in Hamburg Veranstaltungen mit bis zu 3000 Besuchern erlaubt werden, in München jedoch bereits eine Veranstaltung ab 1000 Besuchern als ‘Großveranstaltung’ behandelt wird und damit unter das Verbot fällt, wird die Durchführung geplanter Tourneen unmöglich”, so Michow.

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Ob tatsächlich ab dem 31. August wieder Veranstaltungen und Konzerte möglich sind, steht für Michow ebenso in den Sternen. “Wir hoffen natürlich das Beste, aber derzeit sind wir skeptisch, dass bereits ab Anfang September das Geschäft uneingeschränkt wieder anlaufen kann.”

RND

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