Eddie Murphy wird 60 – ein Comedian von A bis Z

  • Die Achtzigerjahre waren von Lachen erfüllt über einen quirligen schwarzen Amerikaner, dessen Mundwerk nie schlief.
  • Eddie Murphy wurde mit Filmen wie „Nur 48 Stunden“, „Die Glücksritter“ und „Beverly Hills Cop“ zum Star.
  • Am Karsamstag (3. April) wird er 60 Jahre alt – und ist gerade wieder im Karriereaufwind. Hier kommt das Murphy-Alphabet.
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Schon komisch. Lange Jahre war es eher ruhig um Eddie Murphy, und jetzt, wo er ins Jahrzehnt von Ruhestand und Rückzug eintaucht (er wird am heutigen Karsamstag 60), kommt die Karriere wieder in Schwung. Die Fortsetzung seines Kinohits „Der Prinz aus Zamunda“ ist derzeit bei Netflix zu sehen, und sogar mit Arnold Schwarzenegger macht Murphy demnächst gemeinsame Sache. Glückwunsch, Eddie!

Axel Foley: Axel Foley ist Eddie Murphys wohl berühmteste Filmfigur. Ein Cop mit großer Klappe und flinker Knarre – kein Mensch kann sich vorstellen, wie der zunächst für die Rolle vorgesehene Sylvester Stallone die Figur wohl gespielt hätte. Den Namen seines Charakters erfand Murphy selbst, der Musiker Harold Faltermeyer landete mit der Filmmelodie „Axel F.“ einen Hit (für den Soundtrack gab’s einen Grammy). Zum Originalfilm von 1984 entstanden 1987 und 1994 zwei Fortsetzungen. Derzeit ist ein vierter Film der Reihe in Vorbereitung. Murphy, Sohn eines – ermordeten – Polizisten, hat in Wirklichkeit eine tiefe Aversion gegenüber Waffen.

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Brooklyn: Eddie Murphy wurde im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren. Sein Vater verließ die Familie, als er drei Jahre alt war. Als seine Mutter schwer krank wurde, zog er mit seinem Bruder Charlie in eine Adoptivfamilie. Es war eine typische harte Kindheit in den Straßen von New York.

Comedian: In der Roosevelt Junior-Senior Highschool wurde Murphy zum „beliebtesten“ Schüler gewählt. Der Grund: Schon damals gab er kleine Vorstellungen im Auditorium und war auch berüchtigt für seine Witze, die er seinen Mitschülern in der Pause erzählte. Später machte Murphy im selben Bay Area Comedy Club Stand-up-Comedyshows, in denen auch Robin Williams und Caryn Johnson (später als Whoopi Goldberg berühmt) vor ihrer Schauspielkarriere auftraten.

„Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben“: Stanley Kubricks Endzeitsatire von 1964 hatte großen Einfluss auf die Filmkarriere Eddie Murphys. Den Peter-Sellers-Fan Murphy brachte „Dr. Seltsam“ auf die Idee, mehrere Charaktere im selben Film zu spielen, was er in den Filmen „Der Prinz aus Zamunda“ (1988), „Vampire in Brooklyn“ (1995), „Der verrückte Professor“ (1996), „Bowfingers große Nummer“ (1999), „Familie Klumps und der verrückte Professor“ (2000), „Norbit“ (2007), „Mensch, Dave!“ (2008) und zuletzt in „Der Prinz aus Zamunda 2“ (2021) tat.

Esel und Drache: Für Disneys Zeichentrickfilm „Mulan“ (1998) übernahm Eddie Murphy die Sprechrolle des komischen Sidekicks der Kriegerin, des kleinen Drachen Mushu. Drei Jahre später synchronisierte er für den Animationsfilm „Shrek“ ein weiteres Märchentier, einen sprechenden Esel – der sich in einen Drachen verliebt.

Fernsehen: Mit 19 wurde Murphy für die legendäre NBC-Show „Saturday Night Live“ verpflichtet. Der Rest ist TV- und Kinogeschichte. 66 „SNL“-Shows gibt es mit Murphy, 2019 kehrte er nach 35 Jahren Pause für eine einzige Folge zurück und erhielt dafür 2020 seinen ersten Fernsehpreis Emmy.

Golden Globe: Das war ein Fest – Eddie Murphy mal ernst. Als drogenabhängiger Bühnenderwisch Jimmy „Thunder“ Early war er im englischsprachigen Original des Musikfilms „Dreamgirls“ (2007) ein Ein-Mann-Soul-Beben. Es schien damals sogar vorstellbar, dass Murphy einen Oscar abfegt. Den bekam dann aber Alan Arkin für „Little Miss Sunshine“. Immerhin gab’s den Golden Globe für Eddie.

Hollywood Lodge No. 542: Manche Gerüchte halten sich ewig. Bis heute stößt man auf Quellen, die sagen, Eddie Murphy sei Freimaurer und Mitglied der North Hollywood Lodge No. 542. Hier aber liegt eine Verwechslung mit dem 1971 verstorbenen Westernstar Audie Murphy vor. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte der meistdekorierte US-Soldat Karriere als Schauspieler, war begeisterter Freimaurer zunächst in besagter Hollywood Lodge, dann in der Heritage Lodge (ebenfalls in Hollywood). Audie und Eddie – vermutlich hatte da mal jemand besonders undeutlich gesprochen.

Idole: Eddie Murphy verehrt unter anderem die Komödianten Peter Sellers und Charlie Chaplin. Seinen obersten Helden verriet er in einem Interview: „Elvis Presley. Wenn Sie zu mir nach Hause kämen, würden Sie überall Bilder von Elvis sehen. Er ist einfach der größte Entertainer, der je gelebt hat.“

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Jacko: Eddie Murphy als König über das antike Nilreich? Michael Jackson machte es möglich. In John Singletons Neunminutenvideo zu Jackos Hit „Remember the Time“ von 1992 spielt Murphy einen zunehmend misstrauischen Pharao, dessen gelangweilte Gattin (Imam) von einem Zauberer (Jackson) unterhalten und auch umgarnt wird. Als der Gottkönig ihn verfolgen lässt, verwandelt der sich in goldenen Sand.

Kinder: Eddie Murphy ist der Vater von zehn Kindern – sechs Töchtern und vier Söhnen. Der älteste Sohn Eric wurde 1989 geboren (Mutter ist Murphys Ex-Freundin Paulette McNeely), jüngster Spross ist Sohn Max Charles (2018 geboren, mit seiner Verlobten Paige Butcher). Fünf Kinder entstammen der Ehe mit Nicole Mitchell Murphy. Bei Tochter Oona (vom Ex-Spice-Girl Mel B.) musste Murphy durch einen Gentest von seiner Vaterschaft überzeugt werden. 2016 sagte er dem „People“-Magazin: „Ich hatte Glück mit meinen Kindern. Es ist nicht ein schlechtes dabei.“

Landis, John: Auch der Regisseur von „Kentucky Fried Movie“ (1977), „Blues Brothers“ (1980) und „American Werewolf“ (1981) ist ein wichtiger Baustein von Eddie Murphys Karriere. Er drehte mit ihm zwei seiner größten Erfolge – „Die Glücksritter“ (1984) und „Der Prinz aus Zamunda“ (1988) – allerdings auch den Flop „Beverly Hills Cop III“ (1994).

Murphy, das Licht des Westens: Für den georgischen Popstar Katie Melua war Murphy der Lichtblick in finsteren Zeiten. „Zwischen 1991 und 1994 versank Georgien in Dunkelheit – Bürgerkrieg, Kämpfe auf den Straßen. Es war gefährlich rauszugehen, um die einfachsten Dinge fürs Leben zu besorgen. Elektrizitätsausfälle, nie war heißes Wasser da“, erzählte die Popsängerin vor zwei Jahren im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Und in der Stunde, in der Strom da war, schaute ich immer amerikanische Filme an. Ich sah Eddie-Murphy-Komödien – was für ein Kontrast zu unserem Leben!“

„Nur 48 Stunden“: Schon mit seinem ersten Filmauftritt als Knastquasselstrippe Reggie Hammond in Walter Hills Buddy-Komödie „Nur 48 Stunden“ kam Eddie Murphy 1982 zu Weltruhm. Der führende US-Filmkritiker Roger Ebert schrieb, manchmal mache eine einzige Szene einen Schauspieler zum Star, wie Jack Nicholson nach „Easy Rider“ zum Star wurde. Das gelte auch für Eddie Murphy, der in einer Szene eine Kneipe betrete, sich dort als Polizist vorstelle und die dort versammelten ‚Hillbillys‘ aufmische.

Officer Trey Sellars: Die Cop-Rolle des Trey Sellars in dem Film „Showtime“ (2002) nahm Eddie Murphy nur an, weil sie ihm die Chance bot, an der Seite von Robert De Niro zu spielen. Das Publikum würdigte die Konstellation allerdings nicht. Der Film floppte, die beiden Stars wurden 2003 als schlechtestes Leinwandpaar für die „Goldene Himbeere“ nominiert, mussten sich bei der Verleihung aber Madonna und Adriano Giannini für „Swept Away“ geschlagen geben. Dafür wurde Murphy 2008 als schlechtester Haupt- und Nebendarsteller sowie als schlechteste Nebendarstellerin in „Norbit“ gekürt (er spielte in dem Film mehrere männliche und weibliche Rollen). Und 2010 wurde er per „Himbeere“ zum schlechtesten Schauspieler des Jahrzehnts ernannt.

„Party All the Time“: Mit dem Song versuchte sich Eddie Murphy 1985 auch als Sänger und landete damit auf Platz zwei in den US-Billboardcharts, in Deutschland auf Platz neun. Drei weniger erfolgreiche Singles und Alben später gab Murphy 1993 die Parallelkarriere als Popstar auf. 2004 versuchten sich Murphy und Antonio Banderas auf dem Soundtrack zu „Shrek 2“ (Dreamworks) an Ricky Martins „Living la Vida Loca“. Ging so.

Quälgeister: Die üblichen Highschool-Quälgeister hielt sich Eddie Murphy mit einer Wunderwaffe vom Leib – seinem älteren Bruder Charlie. In einem Interview erzählte Murphy: „Wir waren so unterschiedlich, dass die Leute uns sahen und sagten: ‚Ihr seid Brüder?‘“ Charlie sei noch als Erwachsener ein „Ultramacho – Piranhas, Pitbulls, Beile, Äxte, Macheten. Er hat den schwarzen Gürtel in Karate. Ich kam durch die Schulzeit, weil die Kids wussten, dass ich sein Bruder war. Keiner wagte es, mich zu verarschen.“ Der „harte“ Bruder begann in den 80er-Jahren ebenfalls eine Schauspielkarriere, hauptsächlich im Fernsehen, spielte zuletzt in Serien wie „Black Jesus“ (2014) oder „The Comedy Get Down“ (2017).

Regisseur: Nur ein einziges Mal versuchte sich Eddie Murphy auf dem Regiestuhl – 1989 bei der Gangsterkomödie „Harlem Nights“, für die er auch das Skript schrieb. Zwar spielte der Film mehr ein, als er kostete, die Kritik aber war eher grimmig. Die „Washington Post“ vermutete, Murphy sei inzwischen von Leuten umgeben, die jede seiner Ideen bejubelten. US-Kritikerpapst Roger Ebert befand, Murphy benötige als Comedian „einen besseren Drehbuchautor und Regisseur als sich selbst“.

Spuren in Hollywood: Natürlich hat sich auch Eddie Murphy in der Filmstadt verewigt. Im Mai 1987 hat er seine Hand-und Fußabdrücke im Hof des Grauman’s Chinese Theatre in frischem Beton hinterlassen). Und einen Murphy-Stern auf dem Hollywood Walk of Fame in Los Angeles gibt es auch. Adresse: 7000 Hollywood Boulevard.

„Triplets“: Julius und Vincent Benedict (Arnold Schwarzenegger und Danny De Vito), Helden der Komödie „Twins – Zwillinge“ (1988) finden heraus, dass sie noch einen weiteren Bruder haben, und der – noch Namenlose – wird von Eddie Murphy gespielt werden. Die Fortsetzung befindet sich im Stadium der Vorproduktion, Regie führt auch nach 33 Jahren wieder Ivan Reitman.

Übersetzung ins Deutsche: Der 2007 verstorbene Schauspieler Randolf Schmitt-Kronberg wurde als Eddie Murphys deutsche Stimme bekannt. Er ließ sein sonst tiefes und gefestigtes Organ ordentlich überdrehen und schlittern und prägte damit Murphys Image in Deutschland. Schmitt-Kronbergs Stimme litt allerdings im Lauf der Jahre unter der ständigen Verkünstelung. Außerdem kam es zu einer Debatte, ob der schrille Charakter von Murphys deutscher Stimme ein rassistisches Klischee sei. Nach Schmitt-Kronbergs Tod wurde Dennis Schmidt-Foß mit der Sprechrolle des Esels aus „Shrek der Dritte“ (2007) Murphys neue deutsche Stimme.

Vertragsschauspieler: Eddie Murphy war einer der letzten Stars des alten „Studiosystems“, in dem sich Schauspieler vertraglich an ein Studio banden. Alle frühen Filme Murphys wurden von Paramount Pictures produziert.

Winston Zeddemore: Um ein Haar wäre Eddie Murphy 1984 einer von den „Ghostbusters“ geworden. Die Rolle des Winston Zeddemore wurde eigens für ihn geschrieben und war deutlich größer angelegt als im fertigen Film. Der Part des vierten Geisterjägers ging dann an Ernie Hudson. Der Film, für den Murphy die Rolle absagte, war „Beverly Hills Cop“. Kein schlechter Tausch.

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X-Akten: Die Sci-Fi- und Gruselkomödien Eddie Murphys kann man getrost ad acta legen – 1. Murphy versuchte sich 20 Jahre nach dem No zu „Ghostbusters“ doch noch im Übersinnlichen. In „Die Geistervilla“ sah man ihn 2004 als Grundstücksmakler unter Gespenstern. Regisseur Rob Minkoff führte in der Komödie allen Firlefanz ins Feld, den Geisterfilme gemeinhin bieten. Und Terence Stamp hätte für seinen Butler die Boris-Karloff-Gedächtnismedaille verdient. Aber: Man lachte nie, und man fürchtete sich auch nie. Angst machte einem hier höchstens die damals zunehmend katastrophale Rollenwahl Murphys. 2. „Raumschiff Enterprise“-Fan Murphy spielte in „Mensch, Dave!“ (2009) den Captain eines Raumschiffs, das so aussah wie er. Schon mal eine blöde Idee, und obwohl Murphy in „Mensch, Dave!“ ulkige Verrenkungen hinlegt und abgespacte Grimassen schneidet, kommt die Klamotte nie auf Touren. Und dass dem fetten Scotty-Verschnitt des Films immer der halbe Hintern aus der Hose hängt, macht den Film nicht eben ansehnlicher. Man hätte sich damals gern in ein anderes Kino beamen lassen.

Y: Kein Y in Leben und Laufbahn von Eddie Murphy. Eine Tochter heißt Zola – knapp daneben.

Zamunda: Zamunda ist in der wirklichen Welt eine Heuschreckengattung, im Film „Der Prinz aus Zamunda“ ist es ein afrikanisches Fantasieland, dessen Thronfolger Eddie Murphy 1988 spielte. Seit 5. März ist Murphy in der Fortsetzung (bei Netflix) erneut jener Akeem – eine Art Prinz Charles von Afrika, gesegnet mit einem Vater, der das ewige Leben zu haben scheint. Mit dem Film ist Murphys in den Zehnerjahren darniederliegende Karriere wieder in Schwung gekommen. Und weil es in Hollywood vor allem die alten Besen sind, die gut kehren, wurde auch ein neuer Auftritt von „Beverly Hills Cop“ Axel Foley angekündigt. Der 60. „Birthday“ dürfte für Eddie Murphy ziemlich „happy“ ausfallen. Um mit Komödienmeister Shakespeare zu schließen: Ende gut – alles gut.

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