• Startseite
  • Kultur
  • Die Weihnachtsalben von 2019: Christmaspop mit Robbie und Co.

Die Weihnachtsalben von 2019: Christmaspop mit Robbie und Co.

  • Robbie Williams swingt 2019 mit Helene und Rod Stewart durchs Winterwunderland, Keb’ Mo’ macht Christmasblues und die Berliner OnAir sind a cappella unterwegs.
  • Die Adventsmusiken der Saison reichen von Juliano Rossis heimeligen Jazz bis zum Weihnachtsmetal von Judas-Priest-Sänger Rob Halford.
  • Das RedaktionsNetzwerk Deutschland gibt einen Überblick über die interessantesten Veröffentlichungen.
|
Anzeige
Anzeige

Robbie Williams – „The Christmas Present“

„Nehmt das!“, sagt Robbie Williams und swingt zum dritten Mal – diesmal durchs „Winter Wonderland“. Mit dem Klassiker aus den Dreißigerjahren macht er gleich mal klar, wer in diesem Jahr im Biz den größten Popweihnachtsbaum aufgestellt hat.

Auf dem Doppelalbum „The Christmas Present“ gibt es einige der amerikanischen Klassiker wie „Chestnuts Roasting on an Open Fire“ oder „Let It Snow! Let It Snow!, Let It Snow!“, aber auch das Rock-Carol „Merry X-Mas Everybody“ von Slade wird zum Fingerschnipper. Mit seinem Vater Pete, der stimmlich gut mithält, singt Robbie „It’s a Wonderful Life“, beim folkigen Walzer „Fairytales“ hilft ihm Rod Stewart, und Helene Fischer bemüht sich, ihren Part bei „Santa Baby“ nicht weniger sinnlich rüberzubringen als weiland Eartha Kitt oder Madonna.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Das zweite Album des Williams-Päckchens ist dann moderner, poppiger, souliger, groovender. Unter den neuen Songs könnte die Bombastballade „Home“ sogar einen möglichen Adventshit für Williams abwerfen, unter den Oldies seine Coverversion von Greg Lakes „I Believe in Father Christmas“. Eigentlich hatte Williams das Album ja „Achtung, Bublé!“ nennen wollen, eine humorvolle Kampfansage an den Weihnachtsliedsänger Nummer eins im Pop.

Dann hat er es damit bewenden lassen, auf dem Cover des von seinem alten Hitschreiber Guy Chambers produzierten Werks mit Zylinder durch verwehten Schnee, an einer mistelgrünen Hausfassade vorbei zu stolzieren – als wär er unterwegs in einem glücklichen Traum von Charles Dickens.

Robbie Williams: „The Christmas Present" (Columbia/Sony)

Anzeige

Juliano Rossi – „The Last White Christmas“

Auch ein Wanderer zwischen den musikalischen Welten der alten und der neuen Popmusik ist Oliver Perau, der unter seinem bürgerlichen Namen bei Terry Hoax rockt und rollt, aber mühelos zu völliger Swinglässigkeit der Sinatra-Schule wechseln kann – dann als Juliano Rossi. Unter diesem Pseudonym hat er auch das Album „The Last White Christmas“ aufgenommen und trägt mit dem schlendernden Titelstück (Wird's noch mal wirklich richtig Winter?) eine ansehnliche Eigenleistung zum Popcarol-Kanon bei.

Anzeige

Eine gut austarierte Mischung aus Oftgehörtem wie „Baby, It’s Cold Outside“ (mit der norwegischen Jazzerin Rebekka Bakken) und „Santa Claus is Coming to Town“ und Exotischem hat Rossi ausgewählt. Mit Schubberorgel kommt Burt Bacharachs eher selten gehörtes „The Bell That Couldn’t Jingle“ daher. Und auch das hawaiianische „Mele Kalikimaka“ aus den Vierzigerjahren hat man bislang nicht auf allzu vielen Weihnachtsalben.

Juliano Rossi: „The Last White Christmas“ (Künstlerhafen/Edel)

OnAir – „So This Is Christmas“

OnAir besorgen alles mit ihren Stimmen. Das Angebot der A-cappella-Truppe aus Berlin reicht auf „So This Is Christmas“ von Barockhits (Bachs „Ave Maria“) bis zu Hip-Hop-Beats („Carol of the Bells“). Das Quintett – Jennifer Kothe, Marta Helmin, André Bachmann, Patrick Oliver und Kristofer Benn interpretiert Chris Reas „Driving Home for Christmas“ ebenso geschmackvoll wie „Stille Nacht“ und macht das Wunder eines nach sieben Jahre Dürre zu Rosenschönheit erblühenden Gestrüpps in „Maria durch ein’ Dornwald ging“ zu einer Art akustischer 3-D-Erfahrung.

Nie sind die Songs zu nah ans Original angelehnt, das wäre auch ziemlich langweilig. Selbst bei OnAirs Versionen der besonders totgedudelten von allen Pop-Carols – Mariah Careys „All I Want for Christmas Is You" und Whams „Last Christmas“ – zappt man nicht ungeduldig weiter, und wieder einmal wird klar, wie toll Paul McCartneys „Wonderful Christmastime“ eigentlich ist. Nur ausgerechnet der Song, aus dem man sich den Albumtitel geholt hat – John Lennons „Happy X Mas“ – klingt mit seinem Wechsel von drögem Beatbox-Bummtschacka zu überkandidelt.

Anzeige

OnAir : „So This Is Christmas“ (Musicstarter/Heart of Berlin)

Keb’Mo‘ – „Moonlight, Mistletoe & You“

Nicht zwangsläufig ist Weihnachten für jeden ein Fest der Freude, der Liebe und der Zuckerkringel. Und deshalb mischt sich immer wieder auch der Blues unter die Adventsmusiken. Der Kalifornier Keb’ Mo‘ startet sein Album „Moonlight, Mistletoe & You“ denn auch gleich mit einer klassischen Vermisstenanzeige – mit Charles Browns „Please Come Home for Christmas“ von 1960.

Die Bandbreite, die der 68-Jährige Mo' mit seiner warmen volltönenden Stimme hier anbietet, reicht dabei von (überwiegend) swingenden, streicher- und saxofongeschmückten Stücken, wie dem von ihm selbst geschriebenen Titelsong, dem schlendernden „Better Everyday“ (ebenfalls eine eigene Komposition) und dem im Duett mit Melissa Manchester vorgetragenen Irving-Berlin-Evergreen „I’ve Got My Love to Keep Me Warm“ bis hin zu kernigem Gitarrenblues wie dem fast 90 Jahre zählenden „Santa Claus Blues“.

Mit „Christmas Is Annoying“ bezieht Keb‘ Mo‘ dann auch kritisch (und witzig) Stellung zum großen Jahresendzeit-Konsumrausch. Nach dieser Nummer kann man eigentlich nur JD McPhersons durchgehend amüsantes Adventsalbum „Socks“ aus dem Vorjahr auflegen.

Anzeige

Keb’ Mo‘: „Moonlight, Mistletoe & You“ (Concord Records)

Katie Melua - „Live in Concert“

„Oh, Holy Night“, dieses Lied verankert auch Katie Meluas Livedoppelalbum „Live in Concert“ im Weihnachtshafen der Popmusik. Dazu tritt noch Rachmaninoffs „Nunc Dimittis“, in dem der greise Simeon Gott ankündigt, nun, da er den Erlöser im Tempel gesehen hat, sterben zu wollen. Aber auch dann, wenn der Rest der insgesamt 21 Songs keinen direkten Bezug auf Jesu’ Geburt nimmt, so ist die Stimmung doch eine festliche, eine der Andacht.

Vor allem, wenn der Frauenchor aus der georgischen Stadt Gori aufsteigt, richten sich dem sich nach akustischer Idylle sehnender Hörer auch die Nackenhärchen ins Lot. Aus ihrer sechs Alben umfassenden Zusammenarbeit mit dem britischen Popgranden Mike Batt bringt Melua nur die beiden größten Hits – „The Closest Thing to Crazy“ und „Nine Million Bicycles“ – schon „Mary Pickford“ muss draußen bleiben.

Die anmutig präsentierten Coverversionen (unter anderen Blacks „Wonderful Life“, Stings „Fields of Gold“und Joni Mitchells „River") setzen alternative Vertrautheitspunkte. Aber auch die eigenen Lieder der 35-jährigen gebürtigen Georgierin „Dreams on Fire“, „Cradle Song“ oder das hymnisch endende „Maybe I Dreamt It“, das Melua mit ihrem Bruder und Gitarristen Zurab geschrieben hat, tragen zum perfekten Adventseindruck bei. Liebe und Frieden über 100 Minuten. Fehlt nur noch, dass, wenn Sie beim andächtigen Lauschen aus dem Fenster schauen, draußen tatsächlich der Schnee leise rieselt.

Katie Melua & The Gori Women’s Choir: „Live In Concert“ (BMG/ATC), erscheint am 13. Dezember

„Christmas With The Stars“

Auf der Compilation „Christmas With The Stars“ werden Weihnachtsklassiker aus den Tiefen der Popgeschichte aufgebrezelt, indem man den Interpreten von damals neue Orchesterarrangements unterschiebt. Das Royal Philharmonic Orchestra hat sich dabei unter Leitung von Steve Sidwell Mühe gegeben, nicht einfach eine modernisierte sinfonische Suppe über alle Titel zu kippen, sondern den Originalen von Eartha Kitt, Harry Belafonte und Dean Martin gerecht zu werden.

Ein Perry-Como-Stück klingt weiterhin nach Perry Como, eine Doris-Day-Nummer nach Doris Day. Und Elvis „Blue Christmas“ könnte auch in dieser Version aus dem Jahr 1957 stammen – auch wenn es unterm Bombast der Streicher sein Rock-’n’-Roll-Feeling reduziert hat. Zu empfehlen ist diese Platte all jenen, zu deren perfekter Feiertagsgestaltung immer noch Filme wie „White Christmas“ mit Bing Crosby und „Ist das Leben nicht schön?“ mit James Stewart gehören.

Diverse: „Christmas With The Stars“ (Legacy Recordings)

„Come on up to The House: Women Sing Waits“

Und hier nun das heurige Ausweichalbum für all die, die sich an den Feiertagen zwar behaglicher Musik widmen möchten, dabei aber weder mit den klassischen noch den Weihnachtsliedern des „American Songbook“ behelligt werden möchten. „Come on up to The House“ heißt eine neue, eigens produzierte Versammlung von Liedern, auf der sich bekannte und längst bekannt sein sollende Künstlerinnen des Werkes von Tom Waits annehmen.

Mit einer festlichen Aufnahme des Titelsongs durch das Trio Joseph aus Portland beginnt das Dutzend wohlig getragener Americana. Phoebe Bridgers liefert eine kontemplative Version von „Georgia Lee“, Shelby Lynne und Allison Moorer heiligen das durch die Eagles bekannt gewordene „Ol‘ 55“ und Angie McMahons „Take It with Me“ klingt vollends wie ein Weihnachtslied. Wie bei vielen Coverversionen von Bob-Dylan-Stücken schält sich auch hier unter den wohlgefälligen Stimmen von Aimée Mann, Rosanne Cash oder Corinne Bailey Rae die Schönheit der Lieder des Mannes mit der zerbrochenen Stimme erst richtig heraus.

Einen Tag nach Nikolaus feiert Waits, Autor von hier versammelten Songpreziosen wie „Jersey Girl“, „Tom Traubert’s Blues“ und „Downtown Train“ seinen 70. Geburtstag – gefeiert von seinen Fans, die schon seit 2011 eines neuen Studioalbums harren. Hau rein, Tom!

Diverse: „Come on up to The House: Women Sing Waits“ (Dualtone/SPV)


Furnace And The Fundamentals - „A Very Furnace Christmas“

Die etwas andere Herangehensweise an ein Weihnachtsalbum: Mit ein wenig Chor und ein paar Glöckchen und Schellen behängt, lassen sich auch „YMCA“, „Gangsta’s Paradise“ und sogar Rage Against The Machines „Killing in The Name“ zum Weihnachtslied umformulieren. Das weisen die Australier Furnace And The Fundamentals auf dem Album „A Very Furnace Christmas“ nach. Dann werden die Lyrics noch vergnüglich auf die besinnliche Jahreszeit getrimmt.

So wird Billy Joels „The Longest Time“ mit ein paar „Ho! Ho! Ho’s!“ geschmückt, und in Coldplays „Yellow“ versucht sich der Sänger vorzustellen, wie man wohl so schnell wie der alte Santa von Haus zu Haus kommt. Depeche Modes „Just Can’t Get Enough“, „Shout“ von den Isleys Brothers und Paul Simons „You Can Call Me Al“ werden alle froh und munter veradventiert.

„Presents for you and for me!“, jubiliert Sänger Furnace dann kurz vorm Refrain von Neil Diamonds „Caroline“. Genau! Diese Platte beispielsweise!

Furnace And The Fundamentals: „A Very Furnace Christmas“ (Bird's Robe Records)

Rob Halford – „Celestial“

Nicht Robbie, nur Rob. Dieser Mann braucht keine Verniedlichungsformen, Robert John Arthur Halford ist schließlich seit langen Jahrzehnten Sänger von Judas Priest, einer der härtesten Kapellen aller Zeiten, purer Ur-Metal. Und auch wenn sein nun schon zweites Weihnachtsalbum nach 2009 mit Kirchengeläut und Kutschengeräuschen recht idyllisch beginnt, zeigt der 68-Jährige auf „Donner and Blitzen“, der ersten von drei Eigenkompositionen gleich mal, was ein gepanzertes Rock-’n’-Roll-Rentier ist.

Zwar findet sich auf „Celestial“ richtig Weihnachtliches wie „The First Noel“, dazu gibt es auch synthesizerumspielte Balladen wie „O Little Town of Bethlehem“ oder „Away in a Manger“, zwar klingt eine Gitarre mal nach George Harrison zu „What is Life?“-Zeiten („Morning Star“), eine andere nach dem Schnörkelspiel von Queens Brian May („Joy to The World“). Aber immer wieder knattert Rob auch Carols raus, wie man es von ihm erwartet: „God Rest Ye Merry Gentlemen“ ist heavy.

„Hark! The Herald Angels Sing“ ist kurz und rotzig, fast ein Stück Punk. Ein Spaß ist das für alle Headbanger, die auch im Advent gern zu Musik nicken. Und eine Familiensache ist das obendrein – am Schlagzeug sitzt Halfords Bruder Nigel, am Bass steht sein Neffe Alex, das Glöckchenspiel bedient seine Schwester Sue. Und jetzt warten wir, dass 2020 eine Weihnachtsplatte von AC/DC kommt – ein wenig „Hell’s Jingle Bells“ und „You Shook Me All Holy Night Long“ könnte uns gut gefallen.

Rob Halford: „Celestial“ (Legacy/Sony)


“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen