Die Spur führt nach Kasakistan

  • War es die Fledermaus oder die Wissenschaft?
  • Waldimir Kaminer fragt sich, wer das Coronavirus in die Welt gesetzt hat.
  • In seiner Kolumne berichtet er von einer noch ganz anderen Theorie zur Herkunft.
Wladimir Kaminer
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War es die Natur, die uns loswerden wollte, weil wir so gefräßig und maßlos geworden sind und alles in den Warenkorb stecken, was uns über den Weg läuft, sogar vor erkälteten Fledermäusen machen wir nicht halt? Oder war es doch unsere tapfere Wissenschaft, die Tag und Nacht den Fortschritt vorwärtstreibt und uns jedem Virus persönlich vorstellen möchte? Die Meinungen gehen auseinander.

Die Weltgesundheitsorganisation meint, es war die Maus. Der amerikanische Präsident sagt, es war ganz sicher die Wissenschaft, aber nicht unsere, wir waren selbst Mäuse in einem chinesischem Labor.

Ich kenne eine Chinesin. Sie ist eine schweigsame Frau, doch sie antwortet immer, wenn man sie fragt. Nie im Leben, sagte sie, würden ihre Landsleute Fledermäuse essen, weder roh noch geräuchert oder gebraten. Die Fledermaus ist in der chinesischen Folklore ein negativ besetztes Symbol, es bringt Unglück, einem solchen Tier zu begegnen, ganz zu schweigen davon, es anzufassen.

Wenn ein Chinese auf eine Fledermaus trifft, dann schaut er weg und tut so, als hätte er das Tier nie gesehen. Und der Film, den wir alle gesehen haben, wurde garantiert nicht auf dem chinesischen Markt gedreht, die chinesischen Märkte sind nämlich sauberer als die deutschen, die Waren würden dort ordentlich in speziellen Ablagen ausliegen und nicht in schmutzigen Kisten in der Pfütze stehen, sagte sie.

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Den Film haben die Abgesandten des Westens irgendwo in Kasakistan gedreht, wo die Menschen Hunger leiden und sich als Komparsen für jeden Unsinn anbieten. Ich gebe zu, es war befreiend für mich zu erfahren, dass wir doch nicht der Natur zu übel geworden sind, sondern im Dienst der Wissenschaft gelitten haben. Mit unserer Hilfe wurden in kürzester Zeit viele neue wunderbaren Vakzine getestet, die uns in der Zukunft sicher noch behilflich sein werden.

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Wladimir Kaminer schreibt jede Woche aus seinem Alltag als Schriftsteller – zwischen Moskau und Berlin.

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