Die Oscars werden nur ein bisschen bunter

  • Die Oscars sind zu weiß, es gibt zu wenig Vielfalt und nicht genug Frauen: Diese Kritik hört die Oscar-Akademie seit Jahren.
  • Der Verband kündigt jetzt “historische” Änderungen an.
  • Die dürften die Academy Awards aber nur ein bisschen bunter machen, fürchtet RND-Kinoexperte Stefan Stosch.
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Los Angeles. Der Widerspruch war kaum mehr auszuhalten: Da gebärdeten sich Hollywoods Stars bei der glamourösen Oscargala jedes Jahr wieder als gesellschaftliche Avantgarde – und dann hob die Academy doch wieder vorzugsweise weiße Preisträger und kaum Frauen aufs Schild. Das neue Vielfaltsreglement, nun großspurig als historisch beschworen, soll endlich den Anschluss an die bunte Lebenswirklichkeit bringen.

Mit den neuen Regeln in der wichtigsten Oscarkategorie “Bester Film” will die Akademie mehr Inklusion und Diversität erzwingen: Um überhaupt nominiert zu werden, muss künftig eine Darstellerin oder ein Darsteller in einer wichtigen Rolle einer Minderheit angehören. Genauso wird aber auch Vielfalt vor der Kamera, in der Filmcrew oder auch im Produktionsstudio als Pluspunkt gewertet.

Gleichberechtigung muss sich in der Praxis durchsetzen

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Auf den ersten Blick wirken die Kriterien wie ein bürokratielastiges Punktesystem der Vereinten Nationen. Auf den zweiten sind sie jedoch so schwammig, dass kein Produzent fürchten muss, nur noch mit Filmen über Minderheiten zu gewinnen.

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Sollten die Vorschriften für die Oscarkandidaten den Bewusstseinswandel in der US-Kinoindustrie beflügeln, haben sie ihren Zweck erfüllt. Tatsächlich weiß die Branche aber genau, dass sich Gleichberechtigung in der Praxis durchsetzen muss: Der Anteil von Frauen auf dem Regiestuhl etwa ist nicht nur in Hollywood erschreckend gering (und bislang hat allein Kathryn Bigelow 2010 als einzige Frau einen Oscar für die beste Regie gewonnen). Daran kann auch die Academy wenig ändern.

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