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  • „Die Kunst der Nächstenliebe“: Die Kritik zum Kinostart

„Die Kunst der Nächstenliebe“: Glücklich in der Suppenküche

  • „Die Kunst der Nächstenliebe“ ist eine Kinokomödie über eine Frau mit Helfersyndrom.
  • Nicht immer treffen die deftigen Dialoge über Bedürftige und Besorgte ins Schwarze.
  • Ohne die souveräne Hauptdarstellerin Jaoui würde der Film kaum funktionieren.
Margret Köhler
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Helfersyndrom ist die Sucht, anderen Hilfe aufzudrängen und eigene Wünsche zu vernachlässigen – und im Gegenzug dafür Dankbarkeit zu erwarten.

Ein Paradebeispiel dafür ist Isabelle (Agnès Jaoui). Kleiderkammer, Suppenküche, Sozialzentrum, das sind die Orte, wo sie sich am liebsten aufhält – auf Kosten des Familienlebens. Als (ausgerechnet) eine Deutsche der unprofessionellen Sprachlehrerin für Zuwanderer mit modernen Lehrmethoden Schüler abspenstig macht, gerät nicht nur Isabelles schöne karitative Welt ins Wanken, sondern auch ihr Selbstbewusstsein.

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Regisseur Gilles Legrand pikst ins Wohlgefühl bei der Wohltätigkeit, ohne dabei in Zynismus zu verfallen. Mal treffen die nicht unbedingt feinen Dialoge, mit denen er Bedürftige und Besorgte persifliert, ins Schwarze, mal schrappt das Ganze an der Karikatur entlang.

Für den Fahrlehrer, der Isabelles Schützlinge zum Führerschein durchboxen soll, ist die engagierte 50-Jährige „eine Bürgerliche, die auf sozial macht“. Ohne die in allen Szenen souveräne Jaoui würde der Sturm auf die Bastille politischer Korrektheit so gar nicht funktionieren.

„Die Kunst der Nächstenliebe“, Regie: Gilles Legrand, mit Agnès Jaoui und Tim Seyfi, 103 Minuten, FSK 0

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