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Die drei ???: 40 Jahre, bald 200 Folgen und kein Ende in Sicht

Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich haben seit 40 Jahren denselben Job: Sie sind die Sprecher der „Drei ???“. Aufgenommen werden die Hörspiele in einer Stadtvilla mitten in Hamburg – ganz analog. Auch die im Sommer erscheinende 200. Folge.

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Hamburg. Die Plastikräder drehen sich, die braunen Bänder surren beim Umwickeln. Wie eine Pilotin im Cockpit sitzt Heikedine Körting in ihrem Tonstudio in Hamburg und steuert ihre Aufnahme: die 200. Folge der „Drei ???“, der Fall „Feuriges Auge“. Im Juli soll sie erst herauskommen, doch schon seit drei Monaten läuft die Produktion in einer alten Hamburger Stadtvilla.

Die drei Fragezeichen: 40-jähriges Jubiläum für Justus, Peter und Bob

Es ist, als ob Körting auch bei den Stimmen von Justus, Peter und Bob, dem Detektivtrio aus Rocky Beach, einen Knopf gedrückt hätte. Denn die Sprecher Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich sprudeln – vorher ganz ruhig – plötzlich los, lassen sich nicht von Verhasplern oder kleinen Hustereien aufhalten und sind voll in dem Spiel, das sie seit 40 Jahren kennen.

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„Ist es nicht schön, wenn sie richtig anfangen zu spielen?“

Sucht Wawrczeck als sportlicher Detektiv Peter beim Sprechen einen Schlüssel, klopft er auch hinter der Glasscheibe auf seine Jackentaschen und fingert schließlich einen Schlüsselbund aus der Hosentasche. Rohrbeck als dicklicher Detektivchef Justus gestikuliert bei seinen langen Sätzen mit den Händen.

Und Fröhlich lehnt sich als Bob, der gewissenhafte Rechercheur des jugendlichen Detektivtrios, bei seinem Part energisch nach vorn. Hinter ihnen steht wie ein Relikt aus alten Zeiten ein schwarzes Schnurtelefon – das Telefon der drei Fragezeichen, auf dem die Auftraggeber seit dem ersten Fall angerufen haben.

Regisseurin Heikedine Körting dreht sich um, auf ihrem handgestrickten Pulli prangt das bunte „Drei ???“-Logo. „Ist es nicht schön, wenn sie richtig anfangen zu spielen?“, fragt sie wie eine stolze Mutter. Sie wendet sich schnell wieder ihren Knöpfen zu, um den Stimmen des Trios noch etwas mehr Hall zu geben. Schließlich sollen die drei laut Drehbuch gerade in einer verlassenen Quecksilbermine herumtappen.

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Der Ort war bei der ersten Aufnahme vor 40 Jahren ein anderer, die Technik aber ist in großen Teilen die gleiche geblieben. An den Aufnahmeraum ist bis heute kein Computer angeschlossen. Während im restlichen Haus in hohen Räumen antike Cembali neben barock anmutender Polsterware stehen, herrscht hier im Obergeschoss die Atmosphäre eines alten Behördenarchivs: grauer Teppichboden, Tonbandrollen bis zur Decke, mehrere Generationen von riesigen grauen Maschinen. An der Wand hängen Kaskaden von Tonbändern.

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Für die drei Sprecher gibt es seit der ersten Folge, „Der Super-Papagei“ von 1979, eine klare Ordnung. „Andreas Fröhlich sitzt immer ganz vorne links an der Scheibe. In der Mitte ist Jens Wawrczeck, und Oliver Rohrbeck ist immer ganz außen rechts“, sagt Körting, die nicht nur in dieser Villa wohnt, sondern auch auf dem Gut Hasselburg in Schleswig-Holstein. „Früher haben wir wirklich unglaublich viel Quatsch gemacht. Wir lagen teilweise unter den Tischen vor Lachen“, erzählt Fröhlich von den Anfängen. „Das war wie Kindergeburtstag.“

Ein Paradies für Krachmacher

Die Geräusche im Hörspiel, zum Beispiel ebenjenes Tapsen in der Quecksilbermine, sind die Aufgabe von Hella von der Osten-Sacken. Bei den „Drei ???“-Produktionen wird sie unter ihrem Künstlernamen Wanda Osten geführt. Ihr Reich ist der Raum nebenan – ein Paradies für Krachmacher.

Beim Rundgang zieht sie eine Plastikkiste voller Ketten, die rasseln und klackern, aus einem Regal. Darüber liegen Plüschtiere übereinander, ein paar Fächer weiter unten sind verschiedenste Plastikflaschen versammelt, und wieder weiter rechts stehen ein paar Schnurtelefone. In der Ecke liegen alte Tonbänder verknüllt in einer Plastiktüte.

Doch Hella von der Osten-Sacken hat hier nicht den Müll liegen lassen. „Das braucht man, wenn man Schritte auf dem Gras simulieren will“, sagt sie. Der Rasen im Garten würde beim Laufen einfach nicht richtig klingen. „Es kommt darauf an, welche Vorstellung die Hörer von einem Geräusch haben.“ So würden manche Telefone nicht wie Telefone klingen, wenn man einen Hörer auf die Gabel knallt – das charakteristische Geräusch in unseren Köpfen klinge eben immer noch nach den alten Schnurtelefonen und nicht nach den modernen Geräten.

Mit über 50 Millionen verkauften Exemplaren zählen die Detektivgeschichten der "Drei ???" zu den erfolgreichsten Hörspielserien Deutschlands. Andreas Froehlich, Oliver Rohrbeck und Jens Wawraczeck treten längst auch regelmäßig live auf, wie hier im Jahr 2002.
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Bei ihrer Arbeit notiert sie sich die Geräusche, die sie brauchen wird, im Drehbuch. Nach der Aufnahme mit den Sprechern hangelt sie sich am Dialog entlang, spielt neue Geräusche ein oder bedient sich am analogen Archiv. Das hat sie nach ihrem ganz eigenen System organisiert. „Wenn ich das digitalisieren müsste, würde ich nichts wiederfinden. Hier weiß ich, dass das Band, das ich suche, zum Beispiel unten links steht“, erzählt sie.

Die Welt der Detektive scheint sich seit 40 Jahren nicht verändert zu haben. Außerhalb des Studios hat die Digitalisierung die Welt voll im Griff – doch an der Wand des Studios scheint sie abzuprallen. Nur indirekt nimmt sie Einfluss. Mehr als 50 Millionen Tonträger wurden während der Karriere der „Drei ???“ verkauft – doch heute streamt mehr als die Hälfte der Hörer die Kriminalgeschichten.

Kleine Fehler können großen Unmut bei den Fans auslösen

Die Reaktionen im Netz haben wiederum Einfluss auf die Produktionen: „Jetzt gucken die Leute im Internet immer ganz genau, ob es irgendwo Fehler gibt. Die merken sofort, wenn man die falsche Tür hineingeschnitten hat, und beschweren sich“, sagt Geräuschemacherin von der Osten-Sacken. Weil im Internet so viel diskutiert wird, steigt der Druck – kleine Fehler können da großen Unmut auslösen.

Statt Kindergeburtstagsstimmung herrscht heute eher Kaffeerundenatmosphäre. Wie lange die drei Fragezeichen noch neue Fälle lösen werden, weiß keiner im Team so genau. Doch erst einmal drehen sich die Tonbänder auf den alten Maschinen weiter.

„Die drei ???“ ist eine ursprünglich in den USA entwickelte Buchreihe über drei Jugendliche, die als Hobbydetektive mysteriöse Fälle aufklären. Zunächst stand sie unter der Schirmherrschaft von Regisseur Alfred Hitchcock.

Die erste deutsche Hörspielepisode, „Der Super-Papagei“, erschien am 12. Oktober 1979 beim Verlag Europa. Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews werden seitdem von Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich gesprochen. Regisseurin seit der ersten Folge ist Heikedine Körting.

Am 19. Juli erscheint die 200. Folge, „Feuriges Auge“, und ab dem 25. Oktober gehen die drei Schauspieler auf Livetournee. Obwohl die Serie sich ursprünglich an Kinder und Jugendliche zwischen acht und 14 Jahren gerichtet hat, besteht die Hörerschaft heute zur Hälfte aus Erwachsenen.

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Von Geraldine Oetken