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„Es ging um Leben und Tod“: Schauspieler Julius Weckauf über seinen Film „Der Pfad“

„Eine Message ist, dass man nicht aufgeben darf“: Der Schauspieler Julius Weckauf.

Julius Weckauf wurde mit der Verfilmung von Hape Kerkelings Autobiografie „Der Junge muss an die frische Luft“ bekannt. Zuletzt war er neben Otto Waalkes im Klamaukfilm „Catweazle“ zu sehen. Sein neues Werk „Der Pfad“ behandelt ein ernstes Thema: Weckauf spielt den etwas naiven Jungen Rolf. Dieser flüchtet 1940 gemeinsam mit seinem Vater (Volker Bruch) vor den Nationalsozialisten von Frankreich über die Pyrenäen. Der Film ist ab dem 17. Februar im Kino zu sehen.

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Julius, gehört Geschichte zu Deinen Lieblingsfächern in der Schule?

Nein, das ist nicht wirklich ein Megafach für mich. Super finde ich Englisch und Politik.

Du bist jetzt in der achten Klasse eines Gymnasiums: Hattet Ihr schon das Thema Nationalsozialismus?

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Bislang noch nicht. Wir sind gerade bei Französischer Revolution und Napoleon. Ägypten haben wir auch von oben bis unten durch. Über den Nationalsozialismus haben wir nur kurz geredet, wenn sich in der Politik was getan hat.

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Erscheint Dir das Thema so, als wäre es unglaublich lange her?

Es kommt einem so vor. Aus der Zeit ist ja nicht mehr so viel übrig, weil alles neu gebaut wurde. Dabei ist es gar nicht so krass lange her. Mir sind auch schon Stolpersteine auf den Bürgersteigen aufgefallen und das Kriegsdenkmal auf dem Friedhof.

Redest Du mit Deiner Familie über diese Zeit?

Mit meiner Oma. Ihr Haus wurde im Zweiten Weltkrieg bombardiert. Sie war sechs Tage lang verschüttet und hat ohne Essen und Trinken überlebt. Meine andere Oma ist gerade so verschont geblieben. Es werden ja heute noch Bomben gefunden.

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Habt Ihr mit der Klasse mal ein ehemaliges Konzentrationslager oder eine andere Gedenkstätte besucht?

Nein, aber ich würde es mir wünschen. Das fände ich interessant.

Jetzt kommt ein Film mit Dir ins Kino, der im Zweiten Weltkrieg spielt: Konntest Du mit dem Drehbuch zu „Der Pfad“ gleich etwas anfangen?

Mir wurde schnell klar, wie ernst die Lage damals war, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Es geht um einen Vater und seinen Sohn Rolf, den ich spiele. Der Vater ist Journalist und hat etwas über Hitler geschrieben, was dem nicht gepasst hat. Vater und Sohn müssen mithilfe einer Schleuserin, einem Mädchen, über die Pyrenäen fliehen. Wir haben auch einen Hund dabei, den Adi.

Und mit der jungen Schleuserin freundet sich Rolf an. Heute haben Schleuser ja einen eher negativen Ruf.

Was heißt negativ? Ein Schleuser ist ein Tourguide für illegale Aktivitäten. Er hilft dabei, einen gefährlichen Weg so sicher wie möglich zu gehen. Wäre ich in New York und hätte kein Google, würde ich mir auch einen normalen Guide holen.

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Aber ein Schleuser lässt sich bezahlen für seine Dienste.

Na ja, das macht ein Security Service auch. Aber gut, trotzdem muss man so etwas ja nicht unterstützen.

Was können jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer aus dem Film lernen?

Eine Message ist, dass man nicht aufgeben darf, wenn es mal schlecht läuft. Das lässt sich auf die Schule übertragen, mir ist das ein paar Mal passiert: Ich hatte viel gelernt und trotzdem eine schlechte Note. Da hat man keine Lust mehr auf das Fach. Aber Du musst sehen, was Du aus Deinem Leben machst. Und man muss dem Nächsten helfen und Freunde unterstützen. Das macht auch glücklich.

Hast Du Flüchtlinge schon mal näher kennengelernt?

Ja, in der Grundschule. Da war ein syrischer Junge in unserer Klasse. Der war supernett. Am Anfang sprach er schlecht Deutsch, aber nach einiger Zeit konnte man mit ihm reden. Ich hatte damals einen Kartoffelstand vor dem Laden meiner Eltern. Abends hat er mir immer beim Abbau geholfen. Mir war damals gar nicht so klar, dass das ein Flüchtling war. Und so sollte das auch sein, finde ich. Nach einem Jahr war er leider wieder weg. Ich weiß nicht, wohin.

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Achtest Du nun genauer darauf, was Du über Flüchtlinge hörst?

Mir ist die Angst von Flüchtlingen bewusster geworden, wenn ich jetzt Bilder von welchen sehe. Damals im Zweiten Weltkrieg war es ja wirklich so, dass Leute Dich mit Gewehren verfolgten. Es ging um Leben und Tod. In einer Szene werden wir im Film von deutschen Soldaten verfolgt. Da war ich richtig drin in dem Moment, das war eine adrenalinhaltige Szene. Da rennst du einfach. Das war so wie mit Luise Heyer, die meine Mutter in „Der Junge muss an die frische Luft“ gespielt hat. Vor der habe ich großen Respekt: Wenn der Film gerade traurig war, war sie auch richtig traurig.

Ist es etwas anders, in einem ernsthaften Film und nicht in einer Komödie wie etwa „Catweazle“ zu spielen?

Ich fand es cooler. Das Drehbuch war anspruchsvoll. Vielleicht habe ich das aber auch nur deshalb so gemerkt, weil ich jetzt 14 bin.

Was wird wohl Deine Filmfigur Rolf als Erwachsener werden?

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Auf jeden Fall Journalist wie sein Vater. Er will das vollenden, was der Vater nicht konnte.

Und was willst Du werden?

Schauspieler oder Bäcker. Wir machen bald Praktika in der Schule. Bei einem Besuch im „ARD-Morgenmagazin“ habe ich einen Bäcker kennengelernt, supernetter Typ. Der hat mich eingeladen. Da schnuppere ich rein. Frühaufsteher bin ich sowieso. Ich kann ja schlecht sagen, ich werde Schauspieler, wenn ich keine anderen Berufe kenne.

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