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Der Kinofilm „Vom Gießen des Zitronenbaums“: Reise nach Absurdistan

  • „Vom Gießen des Zitronenbaums“ erzählt von einer surrealen Reise.
  • Der palästinensische Regisseur Elia Suleiman spielt sich selbst.
  • Bei seiner Odyssee lächelt Suleiman nur ein einziges Mal.
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Filmemacher Elia Suleiman ist ein Wanderer zwischen den Welten. Er wurde in Nazareth geboren, lebte zwölf Jahre in New York, später in Jerusalem und kehrte wieder in seine Heimatstadt zurück.

Nazareth ist nun Ausgangspunkt für eine Reise nach Paris und New York – eine Reise nach Absurdistan, denn wo immer der elegante Mann mit Strohhut auftaucht, entpuppt sich der Alltag als Farce.

Suleiman spielt sich selbst

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Der ironische Originaltitel „It Must Be Heaven“ trifft’s. Der Palästinenser spielt sich selbst, spricht kaum und lächelt nur einmal, als sich ein Vögelchen in sein Hotelzimmer verirrt. An surrealen Szenen fehlt es nicht bei der Suche nach Identität und Stabilität.

In Paris scheitert er mit seinem neuen Projekt am potenziellen Finanzier (selbstironisch: Vincent Maraval, Chef vom Weltvertrieb Wild Bunch), der kritisiert, seine Idee sei nicht „palästinensisch“ genug. Eine Komödie über den Frieden im Nahen Osten interessiert keinen Geldgeber. Erwartet wird ein Drama, das die Klischees bedient – Palästinenser als bedauernswerte Opfer.

Die lose verbundenen Episoden erinnern mit ihrem trockenen Humor und verborgenen Tiefsinn an Jacques Tati oder Buster Keaton, wirken aber auch kafkaesk. Der Blick auf die Welt ist von Erstaunen geprägt. An der Seine verwirren ihn sexy Pariserinnen, in New York wundert er sich über Menschen, die im Supermarkt Waffen kaufen. Kontrollwut und Überwachungstendenzen karikiert er mit sichtlicher Lust. Suleiman will die Welt zeigen, „als sei sie ein Mikrokosmos von Palästina“. Das ist ihm beängstigend gut gelungen.

„Vom Gießen des Zitronenbaums“, Regie: Elia Suleiman, mit Elia Suleiman, Vincent Maraval, 97 Minuten, FSK 0

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