“Das Boot”: Zweite Staffel mit noch mehr Landratten

  • An der Titelmusik erkennt man noch den Zusammenhang zum Kinoklassiker.
  • In der zweiten Staffel der Serie “Das Boot” tummeln sich ab 24. April im Zweiten Weltkrieg Helden, Schurken und schöne Frauen.
  • Das ist einigermaßen unterhaltsam, aber das Buch von Lothar Günther Buchheim diente bestenfalls noch als Inspirationsquelle.
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Die ersten Wasserbomben fallen noch vor der Titelmusik. Wir haben gehört, wie sie in die Tiefe trudelten, gesehen, wie auch die Männer in ihrem düsteren Stahlrumpf atemlos lauschten, wie die nahen Detonationen ihre Körper durchrüttelten und wie die Nieten aus den Wänden ploppten.

Dann erst erklingt die für die Sky-Serie “Das Boot” elegant überarbeitete Erkennungsmelodie. Unverkennbar knüpft sie an jene aus Wolfgang Petersens Film von 1981 an (damals komponiert von Klaus Doldinger), der wiederum auf Lothar-Günther Buchheims autobiografischem Weltbestseller von 1973 beruhte.

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Vor zwei Jahren brachte Regisseur Andreas Prochaska den U-Boot-Krieg in Serienform wieder in unsere Wohnzimmer. Für manche war es ein Sakrileg, dass der Bezahlsender den Meilenstein des deutschen Actionkinos reanimierte – oder eben fledderte, je nach Sichtweise.

Prochaska ließ die erste Staffel zur Hälfte an Land und im Umfeld der Résistance spielen – Petersons Film dagegen war noch hauptsächlich auf Männer in klaustrophobischer Enge fokussiert, Und nun bekommen die U-Boot-Fahrer noch mehr Konkurrenz von Landratten. Nur ist das zu Beginn nicht zu ahnen.

Typen mit ungepflegten Bärten schauen dem Tod ins Auge

Der fulminante maritime Einstieg wirkt erst einmal ausgesprochen vertraut. Typen in speckigen Klamotten und mit ungepflegten Bärten schauen dem Tod ins Auge, den sie selbst über andere bringen.

Dass der U-Boot-Krieg genauso dreckig wie jeder andere war, wird gleich mal klargestellt: Bevor ein Zerstörer die Wasserbomben in die Tiefe schickt, hat U822 seine Torpedos losgeschickt – aber keinen Frachter versenkt, sondern ein Passagierschiff. Männer, Frauen, Kinder treiben schreiend im brennenden Wasser.

Für U822 sind die Überlebenden die Rettung vor dem Zerstörer: Unter den Menschen hindurch taucht das Boot und entkommt ihm. Denn der Verfolger muss abdrehen, um die im Wasser Paddelnden nicht zu gefährden.

Ausgebrannte Führungskraft geht auf neue Höllenfahrt

Korvettenkapitän Johannes von Reinhartz (Serienneuzugang Clemens Schick) ist schwer deprimiert über diesen mörderischen Irrtum – anders als seine jubelnde Mannschaft, die einmal mehr mit dem Leben davongekommen ist. Dieser ausgebrannten Führungskraft würde ein erfahrener Psychologe wohl erst mal keine wichtige Aufgabe anvertrauen.

Die Marineleitung jedoch schickt ihren vermeintlich besten Mann gleich wieder auf Mission gegen Amerika. Drei stramme Nazis mit undurchsichtigem Geheimauftrag befinden sich an Bord.

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Doch schnell wird von Reinhartz’ geplante Fahnenflucht ruchbar: Der zwielichtige Kommandant Ulrich Wrangel (Stefan Konarske) soll ihn einholen und zur Strecke bringen. Wir erinnern uns: Wrangel ist jener Offizier, der in der ersten Staffel eine Meuterei angezettelt und U-Boot-Kapitän Klaus Hoffmann (Rick Okon) im Schlauchboot mitten auf dem Atlantik ausgesetzt hat.

Die zweite Staffel macht mit ihrem Serienpersonal ganz einfach da weiter, wo die erste geendet hat. Wer diese nicht kennt, dürfte erst einmal Schwierigkeiten haben, sich einzufädeln.

Viel vom “Boot” spielt diesmal an Land

Der neue Serienregisseur Matthias Glasner (“Der freie Wille”) – zuständig für die ersten vier Episoden, dann übernimmt Rick Ostermann (“Der Staat gegen Fritz Bauer”) – ist aber auch bereit zu überraschenden Entwicklungen: Das gilt besonders für Simone Strasser (Vicky Krieps), die zur Résistance übergelaufene Sekretärin des eiskalten Gestapo-Chefs Hagen Forster (Tom Wlaschiha) in La Rochelle. Strasser muss eine Entscheidung treffen – und eine jüdische Familie muss quer durch Frankreich in Sicherheit gebracht werden.

Der dritte Handlungsstrang: Der im Ozean ausgesetzte U-Boot-Kapitän Hoffmann hat sich tatsächlich nach Amerika gerettet und schlüpft unter die Fittiche des schon bestens bekannten Rüstungsmillionärssohns Greenwood (Vincent Kartheiser).

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Hoffmann gerät in den USA in Kreise, die in Adolf Hitler ihr Idol sehen – mittendrin der schmierige Rechtsanwalt Berger (Thomas Kretschmann). Und dann ist da noch die selbstbewusste schwarze Sängerin Cassandra (Rochelle Neil).

Der Frauenanteil wird also noch einmal deutlich erhöht, um die toxische Männerwelt ein wenig zu entgiften. Immerhin: Nicht einmal die U-Boot-Besatzung scheint hier noch an den Einschwörungsvortrag von Kommandant Wrangel zu glauben, der davon schwafelt, dass erst der Krieg einem Mann zeige, wer er wirklich ist.

Der Autor Buchheim würde sich im Grab umdrehen

Nach der Hälfte der acht Episoden scheint klar: Lothar-Günther Buchheims Roman diente hier bestenfalls als eine Inspirationsquelle. Der Autor würde sich bei diesem Produkt vermutlich im Grab umdrehen. Eine erfolgreiche Marke wird in eine international verwertbare und allzu glatte Dramaturgie überführt. “Das Boot 2” ist jetzt eine Serie wie jede andere.

„Das Boot II“, Sky, ab 24. April, acht Episoden. Regie: Matthias Glasner, Rick Ostermann, mit Tom Wlaschiha, Clemens Schick.

RND

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