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Partyüberblick: So darf weltweit in Clubs gefeiert werden

  • Mit steigender Impfquote kehren hierzulande immer mehr Freiheiten zurück – dazu zählen auch durchzechte Partynächte.
  • Während in Berlin Clubs seit drei Wochen wieder mit dem 2G-Modell öffnen dürfen, zieht Hamburg am Wochenende nach.
  • Wie die aktuelle Feierlaune in anderen Ländern Europas und der Welt aussieht, unterscheidet sich teils stark.
Jérôme Lombard
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Sie tanzen wild, sie tanzen eng, sie tanzen ohne Masken: Die Berliner und ihre Freunde sind wieder in Partystimmung. Seitdem die Clubs in der Bundeshauptstadt vor rund drei Wochen nach über anderthalb Jahren toter Pandemie-Hose wieder ihre Pforten öffnen durften, ist das berühmte Berliner Nachtleben zurückgekehrt. Aus organisatorischen Gründen sind zwar noch nicht alle der namhaften Clubs wieder geöffnet, aber die, die es sind, sind an den Wochenenden rappelvoll.

Allerdings: Für Ungeimpfte und Ungetestete hat es sich bis auf Weiteres ausgefeiert. Die Clubs sind ausschließlich für Menschen mit dem Nachweis einer zweifachen Corona-Schutzimpfung oder einem Genesenenzertifikat geöffnet. Wer reindarf, kann sich auf Clubnächte „wie früher“ freuen, ohne Abstandsgebot und Maskenpflicht. Das sogenannte 2G-Modell wird an den Clubtüren strikt kontrolliert und ist für die Betreiber nicht – wie etwa in Gaststätten oder anderen Einrichtungen – optional.

Auch Hamburgs Clubs öffnen wieder

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Ähnlich wird es an diesem Wochenende auf der Reeperbahn und der Schanze in Hamburg aussehen. Der Senat der Hansestadt hat angekündigt, die 2G-Regel für Clubs zur Bedingung für ihre Wiedereröffnung zu machen. Wer also hoch im Norden ohne Abstand und Maske diesen Samstag ab Mitternacht auf der Tanzfläche die Sau rauslassen will, kann das tun – sofern die beiden Stiche oder die Genesung von Covid-19 in Kombination mit dem Personalausweis nachgewiesen werden können. Ganz ähnlich sehen die Regeln für Partynächte in Bundesländern wie Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt aus. Auch dort gilt: Zutritt exklusiv für 2G.

Und wie ist es um das Nachtleben in diesem Corona-Herbst in anderen Ländern Europas und der Welt bestellt – volles Risiko, 2G oder weiter Totentanz? Wir geben einen kleinen Überblick.

Auf der Reeperbahn in Hamburg dürfte es an diesem Wochenende wieder richtig voll werden: Clubs und Diskos dürfen dann wieder für Geimpfte und Genesene öffnen. © Quelle: imago images/opokupix

Österreich schielt auf 1G-Regel

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In Österreich sind Clubs und Bars bereits seit Juli wieder geöffnet. Wer genesen, getestet oder geimpft ist, darf in Wien, Salzburg, Graz und Co. bis zum Morgengrauen tanzen und sich an der Theke fleißig Drinks bestellen. Allerdings könnte das bisherige 3G-Modell in der Nachtgastronomie nach den Plänen der Bundesregierung schon bald aufgehoben werden. Ab Oktober könnte die in der Alpenrepublik derzeit heiß diskutierte 1G-Regel gelten. Wer dann in eine Bar oder Disko gehen will, muss vollständig gegen das Coronavirus geimpft sein. Wer lediglich getestet oder genesen ist, bekommt konsequenterweise keinen Einlassstempel mehr. Bevor die Regel rechtskräftig in Kraft tritt, will die Bundesregierung die Entwicklung der Infektionszahlen abwarten.

Party in England – Vorsicht in Schottland

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In England sind die Party- und Nightlife-Einrichtungen seit dem landesweiten „Freedom Day“ am 19. Juli wieder für Feierwütige geöffnet. Weder vor der Tür noch auf der Tanzfläche gelten Corona-Beschränkungen – wer es sich nicht aus irgendwelchen Gründen mit dem Türsteher verscherzt, darf rein und eng umschlungen tanzen. Ein Impf- oder Testnachweis muss in England nicht vorgezeigt werden. Tatsächlich hatte der englische Gesundheitsminister Sajid Javid mit Blick auf den Herbst einen solchen Schritt ab Ende September in Erwägung gezogen, wie die BBC berichtet. Aufgrund des breiten politischen Gegenwindes wird es dazu aber nicht kommen – vorerst. Man behalte die Einführung eines „Covid Passports“, in dem die volle Immunisierung festgehalten ist, als verpflichtendes Eintrittsticket für Clubs als Option in der Schublade, so Javid. Im Rest des Vereinigten Königreichs ist man bisweilen strikter.

In Schottland wird die Vorlage eines Impfnachweises zur Pflicht für den Partyspaß. Dort gilt ab Oktober praktisch eine 1G-Regel. Wer nicht vollständig gegen Corona geimpft ist, muss in den Clubs in Edinburgh und Glasgow draußen bleiben. Getestete und nachweislich Genese haben dann keinen Zutritt mehr. Auch in Wales wird die die Vorlage eines „Covid Passports“ ab Mitte Oktober zur Pflicht für den Diskobesuch. Allerdings sollen den Pass dort auch Menschen bekommen können, die einen negativen Corona-Test aus den letzten 48 Stunden vorweisen können. In Nordirland berät die Regionalregierung derzeit noch über einen solchen Schritt. In Belfast darf bislang wie überall im Vereinigten Königreich ohne Einschränkungen gefeiert werden.

Maskenfrei glücklich in Dänemark

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Nach englischem Vorbild hatte auch Dänemark bereits seinen „Freedom Day“ am 1. September. Waren bereits vorher schon die meisten Corona-Restriktionen in dem skandinavischem Land gefallen, öffneten an dem Stichtag auch die Nachtclubs wieder. Seitdem kann in Kopenhagen und andernorts wieder ohne Abstand und Maskenpflicht gefeiert werden. Ein Impfnachweis muss dabei nicht vorgelegt werden. Die dänische Regierung begründet die Rückkehr zu alten Freiheiten mit der hohen Impfquote im Land. Die liegt aktuell bei 74,8 Prozent (zum Vergleich Deutschland 63,5 Prozent). Sollten die Infektions- und Hospitalisierungszahlen im Herbst und Winter dennoch wieder steigen, behält sich die Regierung die Wiedereinführung von Beschränkungen vor. Für Clubs und Diskos ist in einem solchen Fall das Vorweisen eines Impfnachweises für den Einlass im Gespräch.

Andrang auf die Normalität: Vor allem die jungen Dänen in den Großstädten genießen die Rückkehr in ein Leben ohne Corona-Beschränkungen. © Quelle: picture alliance / Ritzau Scanpi

Draußen tanzen in Madrid

Auch in Spanien ist das Nachtleben nach dem Lockdown wieder zum Leben erwacht. Allerdings unterscheiden sich die geltenden Corona-Beschränkungen in den einzelnen Regionen. So sind die Innenräume von Clubs in Katalonien mit der Partymetropole Barcelona nach wie vor geschlossen. Bars dürfen dort bis maximal 0.30 Uhr ihre Gäste bewirten. In der Hauptstadt Madrid und der angrenzenden Region sind die Beschränkungen entspannter. Dort darf in den Außenbereichen von Tanzlokalen mit Abstand gefeiert werden. Im Inneren ist Tanzen aber noch untersagt und nur die Hälfte der Fläche darf ausgelastet werden. Sperrstunde in Madrid ist aktuell um 3 Uhr. Auf den Balearen mit der beliebten Ferieninseln Mallorca ist zumindest das nächtliche Versammlungsverbot seit Anfang September vom Tisch. Bars dürfen nun wieder bis zwei Uhr öffnen. Die Lockerungen bedeuten aber nicht, dass Partys auf Mallorca schon uneingeschränkt möglich sind. Die Tanzflächen in Bars, Diskotheken und Clubs bleiben geschlossen.

Tischkonvent in Südkoreas Clubs

Wer in diesen Tagen in Südkorea ausgehen will, darf keine ausgelassenen Partynächte erwarten. Die Regierung in Seoul stuft die verschiedenen Regionen des Landes monatlich neu nach einem nationalen Corona-Level-System ein, das von eins (schwache Einschränkungen) bis vier (weitreichende Einschränkungen) reicht. Die Hauptstadt Seoul mit dem dazugehörigen Großraum ist derzeit auf dem vierten Level, der Rest des Landes liegt im Bereich drei. Für die Clubs bedeutet das: Sie sind derzeit zwar landesweit geöffnet, aber zu Bars mit Tischen und festen Sitzplätzen umfunktioniert. Tanzen ist untersagt. Die Maske muss permanent getragen werden und darf nur am Tisch beim Essen und Trinken abgesetzt werden. Eingelassen werden Besucher mit und ohne Impfung, wobei Impfungen aus dem Ausland nach dem jetzigen Stand nicht anerkannt werden. Ab 22 Uhr gilt eine Sperrstunde. Die strikten Beschränkungen des Nachtlebens sind aus Regierungssicht notwendig, da bisher lediglich 42,9 Prozent der Südkoreaner vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind.

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Australiens zwei Gesichter

Unbeschwert feiern wie vor der Pandemie in Australien? Das geht – kommt allerdings stark darauf an, wo man sich genau in Down Under aufhält. Für die Menschen im Bundesstaat Victoria mit den Metropolen Sydney und Melbourne ist an Partynächte nicht zu denken. So befinden sich die Menschen in Melbourne seit Wochen im Lockdown, Clubs und Veranstaltungslocations sind geschlossen. Die Kultureinrichtungen dürfen nach Behördenangaben erst wieder öffnen, wenn mindestens 70 Prozent der Menschen im Großraum Melbourne vollständig geimpft sind. Bei dem aktuellen Impftempo soll das Anfang Oktober der Fall sein.

Anderes Bild im dünn besiedelten Western Australia mit der Regionalhauptstadt Perth: Dort dürfen Nachtclubs ohne jegliche Beschränkungen für ihre Besucher in voller Kapazität öffnen, Masken müssen nicht getragen werden, eine Impfung ist nicht Voraussetzung. Dass sich ein Feierwütiger aus Melbourne nach Perth verirrt, ist nicht nur wegen der großen Entfernung unwahrscheinlich – es ist ausgeschlossen, halten die einzelnen Staaten ihre Grenzen doch für den nationalen Personenverkehr bis auf Weiteres geschlossen.

Im australischen Melbourne kommt es regelmäßig zu Protesten gegen den aktuell geltenden Lockdown – wie hier am 18. September. © Quelle: imago images/ZUMA Wire

Fiesta loca in México? Noch nicht ganz

In Mexiko, das seine Landesgrenzen die ganze Pandemie über offengehalten hat, ist Feiern wieder legal möglich – vielerorts allerdings nach wie vor in stark eingeschränkter Form. So dürfen etwa in der Hauptstadt Ciudad de México Bars und Diskos seit Anfang September wieder für ihre Gäste öffnen. Allerdings dürfen die Locations nur 50 Prozent ihrer Fläche nutzen und müssen spätestens um Mitternacht wieder zusperren. Vollständig geimpft müssen die Gäste hingegen nicht sein. Bei einer nationalen Impfquote von 33,5% der Bevölkerung wäre diese Auflage auch nur schwer umsetzbar. Die Auflagen zur Wiedereröffnung der Freizeitstätten haben bei der Vereinigung der Bar- und Clubbetreiber „Asociación Mexicana de Bares, Discotecas y Centros Nocturnos“ (Ambadic) für Kopfschütteln gesorgt. Unter diesen Bedingungen sei ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich, so die Kritik. Angaben von Ambadic zufolge würden sich deshalb viele Clubbetreiber in der Hauptstadt nicht beteiligen und ihre Gasträume vorerst weiter geschlossen halten.

USA kämpft mit Flickenteppich

Auch wenn Präsident Joe Biden mit der nationalen Impfquote von aktuell 55,6 Prozent noch nicht zufrieden sein kann, können sich auch die Menschen in den USA wieder auf Partynächte freuen. Allerdings unterscheiden sich die geltenden Einschränkungen und Öffnungszeiten im Nachtleben von Bundesstaat zu Bundesstaat. In New York City sind Clubs seit dem Sommer wieder für geimpfte Personen ohne Maskenpflicht geöffnet. Auch in Chicago im Bundesstaat Illinois dürfen seit Juni Nachtclubs und Bars wieder mit voller Kapazität bis in die frühen Morgenstunden öffnen. Ähnlich sieht es in Los Angeles in Kalifornien aus. Dort ist das Vorzeigen eines vollständigen Impfnachweises Pflicht für den Einlass.

Schnelle, alte Freiheiten in Israel

Israel gilt aufgrund seiner schellen Impfkampagne als weltweiter Vorreiter in Sachen Pandemieüberwindung, auch wenn die Infektionszahlen und Hospitalisierungsraten inzwischen wieder ansteigen. In dem Land am Mittelmeer sind Nachtclubs und Bars seit März dieses Jahres wieder für ihre partyfreudigen Gäste geöffnet. Grundlage für die Wiedereröffnung im Frühjahr war die Einführung des sogenannten grünen Passes, der dem hiesigen Covid-Pass gleichkommt und Auskunft über den Impfstatus seines Inhabers gibt. Wer also in Tel Aviv, Haifa oder Jerusalem bis in die frühen Morgenstunden tanzen will, muss seinen grünen Pass dabei haben – denn nur Geimpfte haben Zutritt. Für dem damaligen israelischen Gesundheitsminister Yuli Edelstein war die Wiedereröffnung der Clubs für Geimpfte eine Belohnung der gezeigten Solidarität. Wer sich gerade als junger Mensch impfen lässt und damit sich und andere schützt, soll schnellstmöglich wieder alle „alten“ Freiheiten zurückbekommen, so seine Argumentation.

Mit Informationen von AP

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