Computergenerierter James Dean: Lasst die Toten ruhen!

  • In Hollywood plant man einen neuen Antikriegsfilm über Vietnam.
  • Ein computergenerierter James Dean, 1955 verstorbener Edelrebell Hollywoods, soll eine der Hauptrollen spielen.
  • Nur leider lässt sich Schauspielkunst nicht binär erzeugen, findet RND-Redakteur Matthias Halbig.
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Geunkt wurde darüber quasi schon, seit die Computertrickschmiede Pixar ihre erste „Toy Story“ ins Kino gebracht hatte. Dass nämlich eines Tages ein computergenerierter Humphrey Bogart eine gepixelte Ingrid Bergman in einer Fortsetzung von „Casablanca“ küssen könnte. Dass es mithilfe der Rechner eines Tages wieder Western mit John Wayne oder Gary Cooper geben könnte. Und das mithilfe von Animationsprogrammen simuliert werden könnte, wie der jugendlich verstorbene River Phoenix („Stand By Me“) heute aussehen würde – sodass man mit ihm als „Erwachsenem“ Filme drehen könnte. Ein Hollywood als Lazarus-Fabrik.

Menschenanimationen sehen bis heute plastikhaft aus

Diese schaurig-schönen Schreckensvisionen blieben bislang Gedankenspiele, weil die Animationen menschlicher Figuren immer einen Rest von Künstlichkeit behielten. Während Peter Jacksons Riesengorilla King Kong schon 2005 ziemlich menschlich wirkte, sahen vor allem die Blicke menschlicher Figuren puppenhaft aus. Die CGI-Charaktere in Robert Zemeckis‘ sonst überaus unterhaltsamem Trickfilm „Polarexpress“ (2004), vor allem der eindeutig Tom Hanks nachempfundene Schaffner des magischen Zugs, hatten leblose Augen. Und auch, als Disney 2016 in „Star Wars: Rogue One“ den Fiesling Grand Moff Tarkin mit den Gesichtszügen des 1994 verstorbenen britischen Schauspielers Peter Cushing wiederauferstehen ließ, sah der irgendwie nach einem Action-Moff aus der Spielzeugfabrik aus.

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James Dean hat viele Follower bei Instagram

Jetzt will eine amerikanische Produktionsfirma die Sache endlich in großem Stil in Angriff nehmen. James Dean, ikonischer Jungrebellendarsteller, der nach seinem dritten Film „Giganten“ 1955 bei einem Autounfall ums Leben kam, soll als Figur aus dem Rechner Star des Antikriegsfilms „Finding Jack“ werden. Echt jetzt? Laut der Regisseure Anton Ernst und Tati Golykh habe man sich das Einverständnis der Erben Deans eingeholt. Das Vorgehen wird vor allem mit der anhaltenden Beliebtheit des Toten begründet – der Instagram-Account in Deans Namen habe noch mehr als 180.000 Follower. Als ob die kommerziellen Erfolgsaussichten dem Projekt seinen quasiblasphemischen Anstrich nehmen könnten.

Man sollte besser Jimmy-Dean-ähnliche Schauspieler verpflichten

Und auch wenn ganz Hollywood jetzt Dollarluft wittert und neben Superheldenfilmen und quasirealen Zeichentrickremakes ein drittes großes Geschäftsfeld möglich scheint, sollte man sich daran erinnern, dass es da draußen in der wirklichen Welt Legionen von großartigen Schauspielern gibt, die ihren Job gewiss nicht den lebendiggepixelten Leichnamen ihrer Branche überlassen wollen. Wenn eine Figur in „Finding Jack“ unbedingt an Jimmy Dean erinnern soll, dann könnte man doch den schicken Nicholas Hoult verpflichten oder Dane DeHaan, der Dean schon überzeugend gespielt hat – in jenem Drama von Regisseur Anton Corbijn, das den für das hier verhandelte Thema passenden Titel „Life“ trägt.

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Schauspielkunst ist nicht binär zu erzeugen

Schauspielkunst ist nicht binär zu erzeugen. Nein, wir wollen 2021 nicht in den Film, in dem James Dean womöglich einen Hundeführer im Vietnamkrieg spielt (den er selbst nie erlebt hat). Wir wollen auch nicht dabei sein, wenn Heath Ledger zum zweiten Mal den Joker spielt. Und nein, wir wollen gewiss nicht in das Konzert, in dem ein jugendlicher Elvis-Avatar auf der Bühne die berühmten Hüften schwingt, die eigentlich 1977 ins Grab gesenkt wurden. Neues nehmen wir nur von den Lebenden!

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