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Was kann Cannes? Das 74. Filmfestival will das Weltkino endlich wieder in Schwung bringen

  • Das Filmfestival in Cannes will das Kino endlich wieder gebührend feiern.
  • Die Veranstalter können aus zwei beinahe kompletten Filmjahrgängen schöpfen.
  • Stars wie Jodie Foster, Léa Seydoux, Spike Lee und Sean Penn werden erwartet.
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Zum Kino an den Strand: Das 74. Filmfestival von Cannes gönnt dem Publikum einen cineastischen Benzinrausch bei einer nächtlichen Freiluftvorstellung von „Fast and Furious 9“. Willkommen in der Bucht von Cannes sind dann auch die Touristen im sommerlichen Südfrankreich, denen die Säle des wohl exklusivsten und wichtigsten Kinoereignisses des Jahres verschlossen bleiben.

Das Special Screening des Autoraser-Films mit Vin Diesel soll zeigen: Die Spektakelmaschine Kino kommt auf Touren – und da darf auch ordentlich Popcorn im Tank nicht fehlen.

Festivalchef Thierry Frémaux will offenbar vergessen machen, dass es Corona noch gibt: Tests und Masken sind zwar Vorbedingung für akkreditierte Gäste, aber die Kinos sollen bis auf den letzten Platz gefüllt werden – und in den größten Saal passen annähernd 2500 Besucher. Ebenso verspricht der Programmchef Galadinners und Stars im Tagesrhythmus. Noch im Vorjahr musste Cannes vor Corona kapitulieren, nun soll es nach der Verschiebung vom Mai in den Juli gewohnt glamourös über die Bühne gehen.

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Das fängt mit der Jury an: Spike Lee ist als deren erster afroamerikanischer Präsident auserkoren. Jodie Foster, schon als Teenager mit „Taxi Driver“ (1976) in Cannes, wird mit der Ehrenpalme ausgezeichnet – und reist auch an, anders als noch im Juni bei der Sommerausgabe der Berlinale. Matt Damon stellt außer Konkurrenz den Thriller „Stillwater“ vor.

Für französische Gäste wie Sophie Marceau oder Catherine Deneuve ist Cannes sowieso ein Pflichttermin. Léa Seydoux ist gleich in vier Filmen zu sehen – und demnächst auch im neuen Bond-Film, der trotz allerlei Gerüchten nun doch nicht in Cannes präsentiert wird.

Eröffnung mit dem Musical „Annette“

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Eröffnet werden die Festspiele am Dienstag, 6. Juli, mit dem Musical „Annette“ von Leos Carax, in dem Adam Driver und Marion Cotillard singen. Sean Penn – vor ein paar Jahren mit „The Last Face“ in Cannes bitter durchgefallen – kommt nun mit familiärer Verstärkung: Er bringt fürs Drama „Flag Day“ seine Tochter Dylan Penn mit, die auch seine Filmtochter spielt.

Eng dürfte es auf dem roten Teppich werden, sollte US-Regisseur Wes Anderson sein komplettes Team auflaufen lassen: In „The French Dispatch“ sind Frances McDormand, Bill Murray, Christoph Waltz, Timothée Chalamet und Owen Wilson dabei.

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Andersons Film über ein Team von US-Reportern in Frankreich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg hat eine symptomatische Vorgeschichte: Der Film war schon im Vorjahr für Cannes gebucht. Ein Jahr lang hat Anderson das Werk unter Verschluss gehalten, um es nun im Glanz der Croisette zu präsentieren.

So groß ist die Anziehungskraft von Cannes, dass es sich immer noch leisten kann, Netflix die kalte Schulter zu zeigen. Der Streamingdienst wollte sich nicht den Regularien beugen: Filme bekommen nur dann Zugang zum Wettbewerb, wenn sie einen französischen Kinostart haben. Jetzt schaut Netflix zu. Strotzt Cannes nun vor gesundem Selbstbewusstsein, oder mauert es sich in seiner eigenen Welt ein, während sich die da draußen auch in der Pandemie weitergedreht hat?

Im Wettbewerb reihen sich klangvolle Namen: Der gebürtige Niederländer Paul Verhoeven präsentiert sein Drama „Benedetta“ über eine lesbische Nonne. Der zweifache iranische Oscarsieger Asghar Farhadi hat „A Hero“ in seinem Heimatland gedreht. Wenig wahrscheinlich ist, dass der in Russland von der Justiz drangsalierte Kirill Serebrennikow persönlich mit seinem Film „Petrov’s Flu“ anreisen darf.

Der Thailänder Apichatpong Weerasethakul hat Tilda Swinton für „Memoria“ als Hauptdarstellerin gewonnen. Der italienische Cannes-Veteran Nanni Moretti ist mit „Tre piani“ mal wieder dabei. Immerhin vier Frauen haben es in den gewohnt männerlastigen Wettbewerb geschafft, darunter die frühere Berlinale-Siegerin Ildikó Enyedi aus Ungarn mit „Die Geschichte meiner Frau“.

Deutsche fehlen im illustren Palmen-Rennen, dessen Sieger oder auch Siegerin am 17. Juli bekannt gegeben wird. Aber die fehlten auch vor der Pandemie oft genug.

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