Aus Trauer und Wut formt sich eine Superheldin

Charismatische Kriegerinnen: „Black Panther: Wakanda Forever“

Eine Szene aus „Black Panther: Wakanda Forever".

Eine Szene aus „Black Panther: Wakanda Forever".

Als Marvel 2018 die Comicverfilmung „Black Panther“ auf den Markt brachte, war die Zeit mehr als reif für einen schwarzen Superhelden. In Papierform war die Figur bereits 1966 als Reaktion auf die schwarze Bürgerrechtsbewegung und die Gründung der militanten Black Panther Party entstanden. Aber auf der Kinoleinwand ließ die Revitalisierung des Superhelden mit afrikanischen Wurzeln lange auf sich warten.

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Erst als die Oscars-So-White-Kampagne 2013 massiv auf die fehlende Präsenz afroamerikanischer Filmschaffender in Hollywood aufmerksam machte und sich auf den Straßen die ersten Proteste der Black-Lives-Matter-Bewegung formierten, ließ Marvel die schwarze Raubkatze aus dem Sack. Mit Erfolg: Mehr als 1,3 Milliarden Dollar spielte Ryan Cooglers „Black Panther“ weltweit ein – mehr als die Konzernflaggschiffe „Thor“, „Iron Man“ und „Captain America“ mit ihren hellhäutigen Posterboys. Chadwick Boseman verkörperte mit einer tiefenentspannten Präsenz die Titelfigur, die ihre Coolness jenseits bewährter Machoattitüden entwickelte.

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Dann starb Boseman 2020 im Alter von gerade einmal 43 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Eine Fortführung des Franchises schien ohne ihn zunächst kaum vorstellbar. Aber das kommerzielle Leben geht nun einmal weiter. Und so bindet das Sequel „Black Panther – Wakanda Forever“ die Trauer um Bosemans Tod direkt in die Handlung ein.

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Ein umfangreicher Prolog ist dem plötzlichen Sterben und der Beerdigung des Filmhelden gewidmet. Wenn danach die Buchstaben des Marvel-Logos auf der Leinwand erscheinen, spiegeln sich darin nicht wie üblich die diversen Figuren des Comicuniversums, sondern – wie in einer filmischen Schweigeminute – allein die Bilder Chadwick Bosemans.

In der neuen Story übernimmt nach dem Tod des Regenten dessen Mutter Ramonda (Angela Bessett) die Macht in Wakanda – jenem geheimen Königreich, das sich im Herzen Afrikas von der Weltgeschichte abgekoppelt und zu einem hochtechnisierten Utopia entwickelt hat. Das lichtdurchflutete Metropolis ist eine machtvolle Comicfantasie. Sie zeigt in schillernder Computeranimation, was aus dem geschundenen Kontinent hätte werden können, der von weißen Kolonisatoren unterjocht wurde und durch Sklavenhandel und die Plünderung der Rohstoffe ausblutete.

In der Tiefe des Atlantiks

Der technische Fortschritt in Wakanda gründet sich auf einer solchen Ressource, dem Wundermetall Vibranium, an das amerikanische Geheimdienstler nach dem Tod des Königs vergeblich zu gelangen versuchen. Ramonda bringt die gefangengenommenen US-Söldner gleich mit zur UN-Konferenz nach Genf, wo das mächtige Wakanda als Gefahr für den Weltfrieden diffamiert wird.

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Wie sich bald herausstellt, lauert die wirkliche Gefahr nicht im afrikanischen Dschungel, sondern in den Tiefen des Atlantiks. Dorthin hat sich ein südamerikanisches Ureinwohnervolk im 16. Jahrhundert vor spanischen Konquistadoren geflüchtet.

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Auf dem Meeresgrund wurde ebenfalls mithilfe von Vibranium die Unterwasserstadt Talokan erbaut. Als ein amerikanisches Forscherteam das Wundermetall im Atlantik aufspürt, ist Anführer Namor (Tenoch Huerta) fest entschlossen, dem imperialistischen Treiben auf der Erdoberfläche ein für allemal ein Ende zu bereiten.

Rachsüchtiger Meereskönig

Namor hofft, mit Wakanda einen Alliierten für den geplanten Vernichtungsfeldzug zu gewinnen. Als Ramonda und Prinzessin Shuri (Letitia Wright) sich der Allianz verweigern, gerät auch das afrikanische Königreich ins Visier des rachsüchtigen Meereskönigs. Die Frauengemeinschaft, darunter auch die zuverlässige Kämpferin Nakia (Lupita Nyong‘o), setzt sich zur Wehr.

Gleich zwei prachtvolle Fantasywelten präsentiert Regisseur Ryan Coogler und spart dabei nicht an visuellen Schauwerten. Auch wenn die Konflikte zwischen habgierigen Amis, kriegslüsternen Unterwasserlingen und wackeren Wakanderinnen über 161 Filmminuten ein paar Längen generieren, überzeugt das Abenteuer „Wakanda Forever“ doch durch seine emotionale Hardware. Zeichnete sich der Vorläuferfilm schon durch ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis im Handlungs- und Kampfgeschehen aus, so baut das Nachfolgewerk die weibliche Machtsphäre noch viel entschiedener aus.

Angela Bassett kann in einigen Szenen ihre schauspielerische Naturgewalt als Königin voll entfalten. Aber es ist die fabelhafte Letitia Wright, die in der Rolle der jungen Prinzessin Shuri den Herzschlag des Filmes bestimmt.

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Schon in der ersten Kinofolge hatte Wright mit der Nebenrolle der fidelen, technikaffinen Königstochter alle Sympathien auf sich gezogen. Als zentrale Figur, die von ihren Verlustgefühlen aufgefressen wird und über Umwege nur ganz langsam zu sich selbst und ihrer Führungsrolle findet, entfaltet die britisch-amerikanische Schauspielerin nun die ganze Bandbreite ihres Könnens.

Aus Trauer, Zweifel, Wut und Mut formt sie eine Superheldin, die sich nicht an den männlichen Genremaßstäben orientiert, sondern einen ganz eigenen Drive entwickelt – und füllt damit auf souveräne Weise die Charismalücke, die Bosemans Tod in dem Franchise hinterlassen hat.

„Black Panther – Wakanda Forever“, Regie: Ryan Coogler, mit Letitia Wright, Angela Bassett, Tenoch Huerta, Lupita Nyong‘o, 161 Minuten, FSK 12

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