„Birds of Prey“: Batman als Schoßhündchen

  • Die Superheldinnen erhalten Verstärkung im Kino: Die Comicverfilmung „Birds of Prey“.
  • Margot Robbie sieht aus wie eine Mischung aus Harlekin und Pippi Langstrumpf.
  • Das männerdominierte Genre wird mit viel Bad-Girl-Charme durchgewirbelt.
Martin Schwickert
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Weiß geschminktes Gesicht, roter Lippenstift, zwei Zöpfe, die frech zur Seite abstehen – auf den ersten Blick sieht sie aus wie eine Mischung aus Harlekin und Pippi Langstrumpf. Aber von dem Girlie-Outfit sollte sich niemand täuschen lassen. Ist Harley Quinn (Margot Robbie) in Fahrt geraten, verdrischt sie mit dem Baseballschläger ganze Heerscharen herannahender Schurken.

Ein feministischer Wind weht durch die Gefilde der Comicverfilmungen. Seit „Wonder Woman“ (2017) bewiesen hat, dass man in diesem Genre auch mit weiblichen Hauptfiguren an der Kinokasse reüssieren kann, ist es vorbei mit dem maskulinen Machtmonopol im Superheldengewerbe. Dabei versuchen die beiden Marktführer – die Comic-Häuser Marvel und DC – sich gegenseitig zu überbieten. Auf DCs „Wonder Woman“ konterte die Konkurrenz mit „Captain Marvel“. Im Mai wird Marvel Scarlett Johanssons „Black Widow“ endlich eine eigene Franchise-Folge widmen.

Frauen räumen in Gotham City auf

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Doch auch diesmal war DC schneller und serviert nun mit Cathy Yans „Birds of Prey“ (zu Deutsch: „Raubvögel“) eine schrille Comicadaption, in dem die Frauen im verruchten Gotham City aufräumen. Dafür brauchen sie keinen Batman, der sich mit Fledermausmaske als Gerechtigkeitshüter aufspielt. Nach ihm wird hier allenfalls eine Hyäne benannt, die sich Harley als Schoßhündchen hält. Auch der labile Joker, mit dem Harley im Vorgängerfilm „Suicide Squad“ eine verhängnisvolle Affäre verband, ist Geschichte. Sein Konterfei dient ihr als Zielscheibe beim Messerwerfen.

Die Männer in Gotham City taugen nicht viel: selbstherrliche Gangsterbosse, narbengesichtige Killer, korrupte Polizisten. Vor allem Oberschurke Roman Sionis (Ewan McGregor) will Harley an den Kragen. Noch wichtiger ist ihm jedoch der große Diamant, welchen die jugendliche Taschendiebin Cassandra (Ella Jay Basco) gestohlen hat.

„Birds of Prey“ hat mit den bierernsten DC-Filmen à la „Batman“ und „Superman“ oder zuletzt „Joker“ wenig zu tun. Der weibliche Blick auf Gotham City ist von bitterer Ironie geprägt. Ein sarkastischer Off-Kommentar der überdrehten Harley ist das Mittel der Wahl, um die chaotische Erzählung halbwegs zusammenzuhalten. Ein bisschen erinnert der Film an eine ausufernde Schulhofkeilerei zwischen Jungen und Mädchen mit der Regisseurin als parteiischer Schiedsrichterin.

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Die Altersfreigabe 16 ist gerechtfertigt

Die Gewaltszenen, in denen die kriminellen Kerle niedergestreckt werden, sind deutlich ausformuliert – die Altersfreigabe ab 16 ist mehr als gerechtfertigt. Hier geht es jedoch weniger um martialisches Gemetzel, als um ausgelassenes Kampfkunstballett. Die Regisseurin arbeitet mit Brechungen und Überzeichnungen, wenn es ans Morden und Vermöbeln geht.

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Niemand sollte „Birds of Prey“ als feministisches Meisterinnenwerk der Comicfilmkunst missverstehen. Doch entwickelt der Film einen schrillen, lustvoll anarchistischen Bad-Girl-Charme, der viel frische Luft in das männerdominierte Genre ventiliert.

„Birds of Prey“, Regie Cathy Yan, mit Margot Robbie, Jurnee Smollett-Bell 109 Minuten, FSK 16

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