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Bildungsstätte Anne Frank kritisiert #allesdichtmachen-Promis: Bestärken „Querdenker“-Szene

  • Die Aktion #allesdichtmachen gegen die Corona-Maßnahmen ruft viel Kritik hervor.
  • Auch die Bildungsstätte Anne Frank ist alles andere als begeistert von den Videos.
  • „Solche Vergleiche provozieren eine Diskursverschiebung und legitimieren die Verharmlosung der NS-Verbrecher“, sagte der Direktor des Zentrums für politische Bildung.
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Frankfurt/Main. Die Bildungsstätte Anne Frank beobachtet die Internetaktion #allesdichtmachen prominenter Schauspieler nach eigener Darstellung mit äußerster Besorgnis. „Solche Vergleiche provozieren eine Diskursverschiebung und legitimieren die Verharmlosung der NS-Verbrecher“, sagte der Direktor des Zentrums für politische Bildung, Meron Mendel, am Freitag in Frankfurt.

Die verbreiteten Clips seien „Geschichtsrevisionismus par excellence“. „Wir haben mehr als genug geschmacklose KZ-Uniformen, Anne-Frank-Vergleiche und Judensterne auf Querdenken-Demos gesehen. Promis, die bei ihrer Kritik jetzt mit NS-Vergleichen operieren, bestärken eine Szene, die ohnehin kaum noch Zurückhaltung kennt“, schrieb die Bildungsstätte im Nachrichtendienst Twitter.

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Bildungsstätte kritisiert Clip des Regisseurs Dietrich Brüggemann

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Die Bildungsstätte zitierte in diesem Zusammenhang aus einem im Zuge der Aktion verbreiteten Clip des Regisseurs Dietrich Brüggemann, worin dieser ironisch feststellt: „Ich meine, nach 75 friedlichen Jahren sind uns doch in Deutschland die Geschichten längst ausgegangen, wir brauchen neue.“ Brüggemann appelliert deshalb an deutsche Politiker mit den Worten: „Lassen Sie es eskalieren! Nur dann haben wir am Ende spannende Filme.“

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#allesdichtmachen – Wie 53 Schauspieler die Corona-Politik in Deutschland kritisieren
1:33 min
Die mehr als 50 Promis, die in ironischen Clips mit der Corona-Politik abrechneten, lösten eine große Diskussionswelle im Internet aus.  © RND
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Brüggemann schrieb am Freitag bei Twitter - noch bevor die Bildungsstätte ihn beim Kurznachrichtendienst kritisierte: „Ich könnte jetzt die üblichen Distanzierungsfloskeln von mir geben, aber vorher schlafe ich vor Langeweile ein. Nazis sind Nazis und Selbstverständlichkeiten sind selbstverständlich.“ Im Deutschlandfunk sagte er: „In einer Situation wie dieser muss Kritik wehtun. Wenn man lieb und brav ist, bringt es nichts. Was diese Aktion macht: Sie hält dem besserverdienenden, bessergestellten Medienbürgertum, der Twitterblase, die die ganze Zeit Lockdown fordert, aber völlig übersieht, was mit dem Rest der Gesellschaft passiert, den Spiegel vor.“ Auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur reagierte er zunächst nicht.

Unter dem Motto #allesdichtmachen hatten Dutzende Film- und Fernsehschauspieler mit ironisch-satirisch gemeinten Clips die Corona-Politik der Bundesregierung kommentiert. An der Aktion beteiligten sich unter anderem Jan-Josef Liefers, Ulrich Tukur, Volker Bruch, Meret Becker, Ulrike Folkerts und Richy Müller.

RND/dpa

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