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David Kross versucht sich als Immobilienmakler: Der Netflix-Film “Betonrausch”

  • Auf einen Film über Immobilienmakler haben wir lange schon gewartet.
  • Der Streamingdienst Netflix hat ihn mit “Betonrausch” jetzt aber doch noch gedreht.
  • Und doch sind die beiden Helden Sympathieträger, denen man sofort verzeiht.
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Junge Pärchen mit leuchtenden Augen haben den Stift gezückt – in schneller Abfolge springt die Kamera von einem zum anderen. Sie alle schauen so glücklich drein, als wollten sie gleich den Bund der Ehe schriftlich besiegeln. Sie wollen aber nur eine Wohnung kaufen.

Dabei haben sie ihr neues Eigenheim noch gar nicht in Augenschein genommen. Eben noch drängelten sie sich in einer frisch ausgepinselten Wohnung, in der sie den freundlichen Ausführungen von Verkäufer Viktor lauschten. Dass ihr tatsächliches Kaufobjekt eine Bruchbude ist, werden sie erst lange nach Vertragsabschluss erfahren. Aber dann ist es zu spät.

Bei diesem ersten Abverkauf eines bei einer Zwangsversteigerung ergatterten Wohnblocks hat sich Viktor (David Kross) noch gehörig gewundert. Sind die Menschen wirklich so leichtgläubig? Nur ein Großvater zögerte, der die Wohnung für seine Enkelin mit seinem Ersparten erwerben wollte: “Das hier ist kein Beschiss, oder?”, hat er gefragt.

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Sympathieträger, denen man sofort verzeiht

Nein, hat Viktor ihm in seiner treuherzigen Art versichert. Sein Kompagnon Gerry (Frederick Lau) mit dem kecken Hut hat daneben gesessen und wohlweislich geschwiegen. Natürlich ist das hier Beschiss, ein großer sogar.

Auf einen Film über Immobilienmakler haben wir lange schon gewartet. Der Streamingdienst Netflix hat ihn mit “Betonrausch” jetzt aber doch nicht gedreht.

Gewiss, Regisseur und Drehbuchautor Cüneyt Kaya (bekannt durch die Comedyserie “Blockbustaz”) erzählt von einem in Verruf geratenen Beruf. Aber es geht hier nicht um die womöglich üblichen Gepflogenheiten in dieser Branche, sondern um schwerkriminelle Machenschaften. Gerry lernen wir kennen, als er schon im Gefängnis sitzt und im Rückblick von Aufstieg und Fall berichtet.

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Und doch sind die beiden Helden Sympathieträger, denen man sofort verzeiht: Viktor und Gerry setzen immer wieder auf die Gier der anderen und werden zum Opfer ihrer eigenen. Ihr Credo lautet: “Alle Menschen sind gierig.”

Grandioses Zusammenspiel

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Malersohn Viktor stammt aus kleinen Verhältnissen. Er musste miterleben, wie sein Vater von der Steuer geschröpft wurde – ein Trauma, das ihm immer noch im Kopf herumspukt. Aus der Provinz brach er nach Berlin auf mit kaum mehr als einem Anzug in der Reisetasche.

Erst wurde er noch selbst reingelegt – als Billigarbeiter zwischen Bulgaren auf dem Bau (gezeichnet als Abziehfiguren, die mit Huhn und Schaf in ein schickes Loft einziehen). Dann verschwand er in einem City-Klo am Straßenrand und kam in dem erstaunlicherweise perfekt sitzenden Anzug wieder heraus. Und nun macht sich Viktor daran, seinerseits die anderen reinzulegen.

Der Schlawiner Gerry ist dabei der richtige Kumpel an seiner Seite. Frederick Lau und David Kross haben schon als ungleiches Brüderpaar im Kinofilm “Simpel” (2017) miteinander harmoniert. Ihr Zusammenspiel ist das Beste, was dieser Film zu bieten hat.

Niemand hat zu wenig Geld, um eine Immobilie zu erwerben

“Betonrausch” ist zuallererst die Geschichte eines jungen Mannes, der zum Schwindler geboren scheint. Anders als sein wohl berühmtester Vorgänger Felix Krull muss dieses Naturtalent das Schwindeln nicht üben.

In einer Gastrolle als Banker taucht Detlev Buck auf – als Kinoregisseur ist er dabei, den Thomas-Mann-Roman über die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull noch einmal zu verfilmen. David Kross wirkt auch mit, allerdings nicht in der Titelrolle (die ist mit dem allgegenwärtigen Jannis Niewöhner besetzt), sondern als unglücklich verliebter Marquis Louis de Venosta.

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Mit gelassener Entschiedenheit macht sich Viktor ans Reichwerden. Bedenken lächelt er aus dem Weg. Entmutigen lässt er sich nie – auch nicht von Nicole (Janina Uhse), bald schon die Dritte im Bunde, die ihn zunächst kühl hat abtropfen lassen.

Nicole kennt als Bankangestellte die nötigen Finanzierungstricks, um Kunden in ihr Unglück zu stürzen. Der Werbeslogan, den das Trio unters kaufwillige Volk bringt, lautet: Niemand hat zu wenig Geld, um eine Immobilie zu erwerben.

“La Grande Bellezza”-Erinnerungen werden wach

Nicoles Bank heißt “Berlin Global” – was an die “Global Invest” aus der ZDF-Serie “Bad Banks” erinnert, die wesentlich origineller und sachkundiger von Gier erzählt hat. Dort gehörte die Demütigung der Protagonisten zum Programm, hier müssen ein paar Immobilienmakler unverhofft in ein Weihnachtslied einstimmen – eine Weigerung würde sie den Job kosten.

Viktor, Gerry und Nicole verschwinden erst einmal in einer Party- und Drogenblase. Die selbstvergessene Seligkeit ruft Assoziationen an den Oscar-Film “La Grande Bellezza” des Italieners Paolo Sorrentino wach – und wirkt doch nur wie eine Pflichtübung in Sachen Exzess und nackter Haut.

Man kann sich durchaus an diesen beiden Hallodris erfreuen, aber über die menschliche Gier erfährt man nichts Neues. Zu sehr klebt diese Komödie an der Oberfläche. Viktor und Gerry entwickeln nie genug Fallhöhe, als dass man ihren Absturz bedauern würde.

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“Betonrausch”, ab 17. April bei Netflix, Regie: Cüneyt Kaya, mit David Kross, Frederick Lau, 94 Minuten

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