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  • Veranstaltungen müssen wegen Corona wieder abgesagt werden - BDKV Präsident spricht von Besuchertriage

„Besuchertriage“: Veranstaltungen müssen wegen uneinheitlicher Regeln abgesagt werden

  • Mehrere Bundesländer verschärfen ihre Regelungen für Veranstaltungen, Bayern etwa erlaubt nur eine Kapazität von 25 Prozent.
  • Das führt dazu, dass Konzerte und andere Auftritte dort komplett abgesagt werden.
  • Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft befürchtet, dass bald komplette Tourneen wieder ausfallen müssen und spricht von einer „verheerenden Lage“.
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Weil sich die Corona-Lage in Deutschland verschärft, passen auch einige Bundesländer ihre Regelungen an. So etwa Bayern, wo Ministerpräsident Markus Söder kürzlich unter anderem als eine von mehreren Maßnahmen entschied, dass Veranstaltungen auf 25 Prozent der Zuschauerinnen und Zuschauer reduziert werden müssen. Die Folge: Viele Konzerte und Auftritte werden komplett abgesagt, weil das organisatorisch und wirtschaftlich nicht umzusetzen ist. So hat etwa die „Let‘s Dance“-Tour ihren Auftritt in München abgesagt, Carolin Kebekus verschob für den November geplante Konzerte in den bayerischen Städten Bamberg und Augsburg auf nächstes Jahr, und auch der Sänger Kummer gab an diesem Donnerstag bekannt, dass er seine Konzerte in München, aber auch in Stuttgart und Hannover verschiebt.

Auch andere Künstlerinnen und Künstler sagen ihre Auftritte ab – und es werden weitere Absagen ganzer Tourneen folgen, ist sich Jens Michow, Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) sicher, wie er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) im Gespräch sagt. „Kapazitätsbeschränkungen auf etwa 25 Prozent  der Zuschauerinnen und Zuschauer, wie wir es jetzt in Bayern erleben, sind wirtschaftlich nicht tragfähig“, meint er. Und wenn es sich dann noch um längst ausverkaufte Konzerte handele, stünden  die Veranstalter vor einer „Besuchertriage“. „Da kommen dann hunderte Menschen, die wir wieder nach Hause schicken müssen. Mal abgesehen davon, dass sowas bereits personell gar nicht durchführbar ist, kann man das doch keinem Karteninhaber zumuten. Das geht nicht.“

„Situation ist noch verheerender als zu Beginn der Pandemie“

Michow findet deutliche Worte: „Die Situation ist noch verheerender als wir es zu Beginn der Pandemie erlebt haben. Die Tourneen wurden bereits mehrfach verlegt und jetzt müssen die Veranstalter sie ein weiteres Mal  absagen.“ Manche hätten ihre Tickets bereits 2019 gekauft für Auftritte im Jahr 2020, die dann wieder und wieder verlegt wurden. „Die Leute verlieren jegliches Vertrauen, dass Veranstaltungen überhaupt noch zuverlässig stattfinden“, sagt der BDKV-Präsident.

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„Bei dem ja nun schon seit langem bestehenden Flickteppich der je Land unterschiedlichen Regelungen lassen sich Tourneen nicht durchführen“, betont er die missliche Lage. „Das ist so nicht durchzuführen.“ Gleichzeitig könne er auch verstehen, dass es keine bundeseinheitlichen Regelungen gebe, da die Inzidenzen in den Bundesländern teilweise sehr unterschiedlich seien. Er geht davon aus, dass nun zunehmend ganze Tourneen abgesagt werden. Er würde sich wünschen, dass die Länder sich auf Kernregeln einigen, damit die Branche zumindest eine gewisse Planungssicherheit erhalte. Als Beispiel nennt er die Problematik von Veranstaltungen, die noch unter 3G-Bedingungen geplant und für die unter dieser Grundlage auch Tickets verkauft wurden, die nun aber mit 2G oder 2G-Plus, Kapazitätsreduktionen und Maskenpflicht durchgeführt werden müssten.

Was den wirtschaftlichen Faktor anbelangt sagt Michow, dass es nun zumindest den vom BDKV initiierten Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen gebe, der Ausfallrisiken absichere und für kleinere Veranstaltungen sogar eine Wirtschaftlichkeitshilfe gewähre. Aber da gebe es noch zahlreiche Lücken, die nicht zuletzt durch die ständig wechselnden Verordnungslagen entstünden. „Die wirtschaftliche Situation war noch nie so verheerend wie jetzt. Hinzu kommt die völlige Perspektivlosigkeit und Planungsunsicherheit. Wir waren ein florierender Wirtschaftszweig und sind nun seit über 20 Monaten auf staatliche Hilfen angewiesen. Das ist unglaublich demütigend. Wir wollen endlich wieder Geld verdienen“, sagt er.

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