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Berlinale Kolumne: Warum Neuheiten die Festivalbesucher irritieren

  • Auf der Berlinale ist in diesem Jahr einiges anders.
  • Das irritiert mitunter die langjährigen Besucher.
  • Warum, erfahren Sie in Folge eins der RND-Berlinale-Kolumne.
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Berlin. Routinen sind nützlich. Festgelegte Verhaltensmuster helfen, einen zehntägigen Marathon wie die Berlinale zu bewältigen. Es gibt Festivalgänger, die bei ihren 30 und mehr Filmen immer denselben Kinosessel ansteuern – und anklagend davor stehen, wenn jemand anders sich schneller in ebenjene Sitzgelegenheit hat plumpsen lassen. Knurrend verziehen sich die Zuspätgekommenen zu einem der anderen 1599 Plätze im Berlinale-Palast.

Zum 70. Geburtstag und mit neuer Berlinale-Leitung ist es allerdings ein bisschen schwieriger mit den gewohnten Abläufen geworden. Schon die großzügig rund um den Potsdamer Platz verteilten Festivalplakate sehen merkwürdig fremd aus: Abstrakte Linien sind darauf zu entdecken.

Wo sind bloß die Knuddelbären geblieben, die in der Ära von Oberknuddelbär Dieter Kosslick in U-Bahnen oder auf dem Fernsehturm am Alexanderplatz herumkletterten? Das neue Führungsteam mit dem künstlerischen Direktor Carlo Chatrian und der Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek mag es offenbar weniger kuschelig.

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Silbrig-graue Berlinale-Tasche

Die jahrelang eingeübten Laufwege, sonst auch gern im Halbschlaf ausgeführt, sind ebenfalls infrage gestellt: Im Keller des Berlinale-Palastes, wo sonst der Nachschub an Presseheften, Fachpublikationen und Zeitungen auslag, gastiert jetzt die Show “Magic Mike Live”.

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Sängerin Lena Meyer-Landrut bei der feierlichen Eröffnung der Internationalen Filmfestspiele.  @ Quelle: Jörg Carstensen/dpa
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Mit Mühe hat die Festivalleitung die gut gebauten Tänzer dazu gebracht, wenigstens die nächsten eineinhalb Wochen die Kleider am Leib zu behalten. Um Pressematerial ausgehändigt zu bekommen, muss man nun allerdings beinahe bis zum Landwehrkanal wandern und dann eine unscheinbare Tür passieren, hinter der eher eine Lagerhalle zu vermuten wäre. Dort bekommen akkreditierte Gäste zur Belohnung auch die aktuelle Berlinale-Tasche ausgehändigt – dieses Jahr in einem vornehmen silbrig-grauen Ton gehalten.

Shoppingmall wird umgebaut

Noch dazu haben sich die Arkaden am Potsdamer Platz in ein Geistereinkaufszentrum verwandelt: Nach mehr als 20 Jahren wird die Shoppingmall komplett umgebaut. Die meisten Geschäfte stehen deswegen momentan leer. Die Grundversorgung des Berlinale-Gängers ist nicht gewährleistet.

Und dann ist da noch die Sache mit den U-Bahn-Bauarbeiten: Die U2 hält nicht am Potsdamer Platz in Richtung Westen. Nun gut, man kann immer noch am Mendelssohn-Bartholdy-Platz ans Tageslicht steigen. Wer aus den USA oder Japan angereist ist, für den dürften die paar Meter kaum einen Unterschied machen.

So ist das wohl mit jedem Neubeginn: Man muss andere Traditionen entwickeln. Wer am 1. März nach der Bärenvergabe wieder nach Hause fährt, kann sich vermutlich kaum noch erinnern, dass es jemals anders war.

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