Berlinale-Kolumne: Glücksstunden für Partyhopper

  • Für manche Gäste sind Berlinale-Partys Pflichttermine.
  • Jede Filmförderungsanstalt veranstaltet ihren eigenen Empfang.
  • Ehrenbär-Preisträgerin Helen Mirren trifft man am besten im Kino.
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Es gibt einen Tunnel in Berlin, der mit Autogrammen tapeziert sein soll. Stars wie Mick Jagger oder Nicole Kidman sollen dort ihre Unterschriften hinterlassen haben. Der Tunnel führt vom exklusiven Regent Hotel in der Charlottenstraße zu einer Hintertür des Restaurants Borchardt in der Französischen Straße. Das Borchardt muss man sich während einer Berlinale als das Wohnzimmer der Prominenz vorstellen.

Ein echter Star logiert also in dem Fünf-Sterne-Hotel – und nimmt dann die diskrete Verbindung ins Traditionslokal, in dem schon Reichskanzler Bismarck zu Abend speiste. Andere wie etwa die in diesem Jahr viel fotografierte Lena Meyer-Landrut würden wohl nie den Tunnel nehmen – denn dort würde sie niemand fotografieren.

Partyhopper sind im Dauerstress

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Lieber lässt man sich auf ungezählten Berlinale-Partys blicken. Klar, früher als Hollywood noch mit großem Tross anreiste, waren die Sausen exzessiver – und je exotischer die Location war, desto besser. Aber auch in diesen Tagen sind bei der Berlinale viele Gäste unterwegs, die vermutlich nie ein Kino von innen sehen. Sie haben keine Zeit dafür. Sie sind Partyhopper.

Zum Beispiel veranstaltet jede Filmförderanstalt, die auf sich hält, einen eigenen Empfang – und Filmförderung ist in Deutschland Ländersache. Für Produzenten und ihre Schauspieler sind das Pflichttermine. Sie wollen ja gefördert werden. Das Party-Gehopse kann gerade am ersten Berlinale-Wochenende zu einer Odyssee ausarten.

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“Place to B Berlinale Party” darf natürlich nicht fehlen

Und dann gibt es noch die wirklich exklusiven Einladungen wie zur “Place to B Berlinale Party”, selbstverständlich im Borchardt. Dort hat am Samstag die Medienbranche unter dem Motto “Garden of Eden” gefeiert. Über die rote Zunge eines Schlangenkopfs spazierten 500 mehr oder weniger Prominente ins Paradies.

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Wer umgekehrt Stars während der Berlinale sehen will, sollte vielleicht im legendären Adlon-Hotel am Brandenburger Tor vorbeischauen. Auch Hillary Clinton empfängt hier am Dienstag, um ihre vierstündige Doku-Serie “Hillary” zu bewerben.

Helen Mirren bekommt Ehren-Bären verliehen

Mindestens genauso beliebt gerade bei US-Besuchern ist das Soho House in der Torstraße im ehemaligen Osten. Hier lässt sich prima düstere Geschichte atmen – in dem einstigen Kaufhaus der Weimarer Republik schlugen später genauso die NSDAP wie die SED ihr Quartier auf. In den vergangenen Jahren wohnten George Clooney oder auch Madonna hier.

Es gibt noch einen Weg, in den nächsten Tagen dem leibhaftigen Javier Bardem, Cate Blanchett oder Salma Hayek nahezukommen: Man versuche, eine Karte zu ergattern, und begebe sich die die Berlinale-Kinos. Dann kann es passieren, dass die diesjährige Festival-Queen sich blicken lässt: Helen Mirren bekommt am Donnerstag den Ehren-Bären und wird mit einer eigenen Filmreihe gewürdigt.

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