Berlinale-Kolumne: Bitte nicht husten!

  • Die Furcht vor dem Coronavirus löst bei der Berlinale Unwohlgefühle aus.
  • Abgesagt hat kaum jemand – auch die Gäste aus dem Ausland sind angereist.
  • Auf Toiletten stehen Desinfektionsmittel und Hygiene-Tipps parat.
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Berlin. Hat da eben wer gehustet? Schniefen da nicht ein paar Zuschauer verdächtig in der elften Kinoreihe? In früheren Jahren hätte man bei solchen Warnzeichen gelassen den nächsten Salbeidrops in den Mund geschoben und vielleicht den Schal ein wenig enger um den Hals geschlungen. Aber in Zeiten des Coronavirus?

Video
Johnny Depp in Berlin: Fotograf vor und hinter der Kamera
1:40 min
Johnny Depp erreicht verspätet die Pressekonferenz zum Berlinale Film "Minamata".

Ein leichtes Unwohlgefühl lag in den ersten Tagen über der Berlinale. Manchem war mulmig zumute – besonders wenn plötzlich Menschen mit Mundschutz auftauchten, als seien sie eben gerade aus der Quarantäne entlassen worden. Es soll Festivalgänger geben, die sich vorgenommen haben, jeglichen Körperkontakt zu vermeiden. Wie das in der Praxis funktioniert, wenn man sich in die Pressekonferenz von Johnny Depp hineindrängeln muss, bleibt ihr Geheimnis.

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60 Absagen ausländischer Gäste

Andererseits haben die vielen Tausend akkreditierten Festivalbesucher gelassen reagiert – gemessen an anderen Großveranstaltungen wie etwa diversen Messen in jüngster Zeit, die gleich ganz ausfielen oder verschoben wurden.

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Die Berlinale-Leitung sprach vorab von gerade einmal 60 Absagen ausländischer Gäste wegen der neuartigen Lungenkrankheit. Filmteams seien nicht darunter gewesen. Der chinesische Regisseur Jia Zhangke zum Beispiel hat sich ordnungsgemäß am Sonnabend für seine Pressekonferenz angemeldet.

Wie meist in solchen Fällen sind die Anrufer von zu Hause viel mehr beunruhigt, die nach der Virusgefahr in Berlin fragen. Auf den Berlinale-Toiletten steht eine Portion Desinfektionsmittel extra für die Hände parat, und ein Schild weist auf die besten zehn Maßnahmen hin, um sich vor Infektionen zu schützen.

Das Einlasspersonal soll eigens geschult worden sein, um mögliche Krankheitssymptome zu erkennen. Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek spricht von einem engen Kontakt zum Robert-Koch-Institut – das seinen Sitz ja praktischerweise in Berlin hat.

Und doch: Als bei der allerersten Vorführung eine Dame auf der Bühne die Gäste begrüßte, wünschte sie allen im Saal ein „gesundes Festival“. Das wünschen wir uns auch.

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