Bad Hersfelder Festspiele fallen wegen Corona-Pandemie aus

  • Die für diesen Sommer geplanten Bad Hersfelder Festspiele sind abgesagt – wegen der Corona-Krise.
  • Wann das Programm nachgeholt wird, ist unklar.
  • Unsicherheiten gibt es auch wegen der finanziellen Folgen.
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Ausgerechnet die 70. Jubiläumssaison der Bad Hersfelder Festspiele fällt wegen der Corona-Krise aus. Die Stadt teilte die Absage des bundesweit bedeutenden Theaterfestivals am Dienstag mit. Die Spielzeit wäre vom 26. Juni bis 23. August gewesen. Auf dem Programm in der Stiftsruine standen unter anderem die Uraufführungen des Stücks “Der Club der toten Dichter” (Regie: Intendant Joern Hinkel) und des Musicals “Goethe”.

Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses der Kommune hatten am Donnerstagabend beraten und sich zur Absage entschieden. Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos) bezeichnete die Absage als "katastrophal" für die Stadt: "Die Festspiele sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Stadt." Die Festspiele seien im Sommer "das Herz unserer Stadt", betonte er. Intendant Joern Hinkel sagte: "Wir sind alle fassungslos, dass die Festspiele ausgerechnet in ihrer 70. Spielzeit nicht stattfinden können. Noch vor wenigen Wochen hätte ich mir das in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können."

“Risiken wären zu groß”

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Die Unsicherheit, wie es wegen der Corona-Pandemie weitergeht, führte letztlich zur Absage. Denn die Behörden in Deutschland haben Kontaktbeschränkungen für die Bürger erlassen, damit eine schnelle Ausbreitung des Virus verzögert wird. Dass sich mehr als 1000 Menschen dicht an dicht in ein Theater setzen - derzeit undenkbar.

Hinkel sagte: "Wir müssen unser Publikum, unser Ensemble und unsere Mitarbeiter hinter der Bühne schützen. In wenigen Wochen hätten wir mit den Proben beginnen wollen. Die gesundheitlichen Risiken eines Probenbetriebs, bei dem die Darsteller, Musiker und Regisseure, aber auch die Mitarbeiter der Gewerke - wie zum Beispiel Bühne, Kostüm und Maske - in ständigem physischen Kontakt sind, wären viel zu groß."

Der Kaufpreis wird zurückerstattet

Kartenkäufer müssen sich keine Sorgen um ihre Tickets machen. Nach Angaben der Stadt wird der Kaufpreis auf Wunsch zurückerstattet. Es gebe aber auch die Möglichkeit, gekaufte Karten in einen bis zum 31. Dezember 2023 gültigen Gutschein umwandeln zu lassen. Oder man könne den Karten-Kaufpreis zugunsten der Festspiele spenden.

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Die Unsicherheit, wie es mit Kultur-Veranstaltungen weitergeht, erfasste auch die Kartenkäufer. Bis Ende Januar sei der Verkauf der gut gelaufen, dann stark eingebrochen, sagte ein Stadtsprecher. Ticket-Einnahmen sind ein wichtiger Grundstein für die Finanzierung.

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Im Sommer 2021 soll nachgefeiert werden

Wann das diesjährige Programm nachgeholt wird, ist noch unklar. Es müsse schnell geklärt werden, ob der Spielplan von 2020 im Folgejahrumgesetzt werden könne, erklärte die Stadt. Nachhol-Festspiele sind für Intendant Hinkel derzeit das wahrscheinlichste Szenario. “Ich gehe im Augenblick davon aus, dass wir die 70. Bad Hersfelder Festspiele im Sommer 2021 feiern werden. Ich bin überzeugt, nach einer Zeit der Trennung und des Verzichts ist die Sehnsucht, gemeinsam Zeit zu verbringen, gemeinsam ins Theater zu gehen, gemeinsam Musik zu hören und das Leben zu feiern, besonders groß.”

Mit der Absage der Festspiele zogen die Theatermacher und die Stadt die Reißleine in der Vorbereitungsphase. Denn in Kürze hätte der Aufbau der Bühne und der Tribünen in dem alten Kirchengemäuer beginnen müssen - das hätte Kosten verursacht. Doch angesichts der aktuellen Entwicklungen der Corona-Krise sei es unrealistisch gewesen, im Sommer Festspiele veranstalten zu können. Im Vorjahr strömten knapp 100.000 Zuschauer zu den Vorführungen, die als eines der Jahreshöhepunkte im Kulturkalender Hessens gelten.

Höhe der Verluste noch nicht abschätzbar

Unklar sind bislang noch die finanziellen Auswirkungen der Absage. Das Theater-Festival ist jedes Jahr auch ein Millionen-Projekt, das großen finanziellen Einsatz der Stadt erfordert. Der Etat lag zuletzt bei rund acht Millionen Euro. Der städtische Zuschuss betrug rund 1,8 Millionen Euro, wie ein Stadtsprecher sagte. Bedeutsam sind in diesem Zusammenhang Fördergelder und Sponsoring-Zuschüsse. Gespräche mit Bund, Land und Landkreis über die bereits zugesagten Mittel laufen.

Ein Stadtsprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur zu den Finanzen: "Was uns an Einnahmen wegbricht, können wir gegenwärtig noch nicht sagen. Ebenso unklar ist, was eine Festspiel-Absage kostet." Sicher ist: Geld benötigen die Festspiele auch bei einem Saison-Ausfall.

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Neben dem größten Theaterfestival in Hessen wurden bereits weitere Veranstaltungen im Bundesland abgesagt. Dazu zählen die Brüder Grimm Festspiele in Hanau und die Internationalen Maifestspiele in Wiesbaden.

RND/dpa

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