• Startseite
  • Kultur
  • Auch Gefangene haben Rechte: Das Guantanamo-Drama „Der Mauretanier“ mit Jodie Foster

Auch Gefangene haben Rechte: Das Guantanamo-Drama „Der Mauretanier“ mit Jodie Foster

  • Verschleppt und gefoltert: Das Kinodrama „Der Mauretanier“ erzählt die wahre Geschichte von Mohamedou Ould Slahi.
  • Tahar Rahim spielt Slahi, Jodie Foster seine engagierte Rechtsanwältin, Benedict Cumberbatch ist ihr Gegenspieler.
  • Das Politdrama stellt den USA ein verheerendes Zeugnis in Sachen Rechtsstaatlichkeit aus – und eröffnet die Sommer-Berlinale.
|
Anzeige
Anzeige

Am Ende sehen wir einen Mann, der fröhlich auf die vielen Ausgaben eines Buches verweist. In alle möglichen Sprachen ist das Buch übersetzt worden, manche kennt er gar nicht. Er weiß aber, was in den Büchern zu lesen ist. Sie erzählen seine Geschichte. Der Mann hat sie selbst aufgeschrieben. Die Geschichte handelt von Verschleppung und Folter. Das Buch heißt das „Guantanamo-Tagebuch“.

Der Mann auf den Bildern ist der echte Mohamedou Ould Slahi, heute 50 Jahre alt. Man wundert sich, wie er sich so viel Fröhlichkeit hat bewahren können. Der Spielfilm „Der Mauretanier“ hat darauf keine wirkliche Antwort, aber beinahe hätte man Slahi selbst fragen können: Er sollte als Ehrengast zur Sommer-Berlinale kommen, „Der Mauretanier“ ist der Eröffnungsfilm. Doch Slahi erhielt kein Visum für die Einreise nach Deutschland. Warum auch immer.

Worüber das Drama von Kevin McDonald aber Auskunft gibt, ist das erschreckende Maß an Unrecht, das sich die USA nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 bis heute leistet. Noch immer sitzen rund 40 Gefangene auf Kuba fest. Die meisten haben nie einen Richter gesehen.

Anzeige

Der Spielfilm mit Tahar Rahim in der Hauptrolle beginnt bei einer Feier am Strand von Mauretanien. Sicherheitsleute tauchen auf. Sie fordern Slahi auf, mit ihnen zu fahren. Sie handeln auf Druck der amerikanischen Behörden. „Ich bin bald wieder da“, sagt Slahi seiner misstrauischen Mutter.

Die nächsten 14 Jahre wird Slahi seine Heimat nicht wiedersehen. Über Jordanien und Afghanistan wird er nach Kuba entführt. Zentrale Filmszenen spielen in einer Gefängniszelle. Ihm gegenüber sitzt seine resolute Anwältin Nancy Hollander (Jodie Foster).

Das Stream-Team Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix & Co. ‒ jeden Monat neu.
Anzeige

Hollander will gar nicht wissen, ob Slahi in die Vorgeschichte der Anschläge auf New York verstrickt ist. Die Anwältin will nur, dass sich die USA an ihre eigenen Prinzipien halten. Ihr Gegenspieler ist der Militärstaatsanwalt Stuart Couch (Benedict Cumberbatch). Dessen bester Freund war unter den Opfern des Terrors vom 11. September.

Der Staatsanwalt ist eine mindestens so interessante Figur wie Hollander – beide haben Vorbilder in der Wirklichkeit. Couch begreift, wozu die USA auch unter der Regierung Obamas nicht fähig war: Er erkennt, wie übel dem Gefangenen mitgespielt wird und wird entsprechend dieser Einsicht handeln.

Anzeige

„Der Mauretanier“ ist in seinen juristischen Duellen solides Drama. Der Regisseur ist versiert darin, Fiktion und Historie zusammenzubringen. Ähnliches ist ihm im Politthriller „Der letzte König von Schottland“ (2006) über den ugandischen Diktator Idi Amin gelungen.

Der Spannungsbogen hier ist überschaubar, die Eindringlichkeit rührt aus dem engagierten Spiel. Foster als couragierte Anwältin (mit tiefen Falten), Cumberbatch als zweifelnder Staatsanwalt und Rahim als Gefangener, der bei aller Hoffnungslosigkeit in sich zu ruhen scheint: Daraus erwächst ein Plädoyer für Rechtsstaatlichkeit, das den USA ein übles Zeugnis ausstellt.

„Der Mauretanier“, Regie: Kevin McDonald, mit Tahar Rahim, Jodie Foster, Benedict Cumberbatch, 130 Minuten, FSK 12

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen