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  • Amanda Gorman: Gedicht auf Deutsch – Lesen Sie hier die Übersetzung und das Original „The Hill We Climb“

Berührende Worte bei Biden-Amtseinführung: Amanda Gormans Gedicht im Wortlaut

  • Sie sorgte für einen ganz besonders emotionalen Moment bei der Amtseinführung Joe Bidens.
  • Die junge Poetin Amanda Gorman hat mit einem Gedicht die Herzen der US-Bürger höherschlagen lassen.
  • Doch worum genau geht es in dem Gedicht, das den Namen „The Hill We Climb“ (deutsch: „Der Hügel, den wir erklimmen“) trägt?
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Washington. Es war der wohl emotionalste Moment der Amtseinführung von Joe Biden als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika: Die US-Poetin Amanda Gorman trug bei der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden ein selbst geschriebenes Gedicht vor. Gerade einmal 22 Jahre ist die Lyrikerin alt, dennoch hat sie mit ihren Worten die ganze Welt bewegt.

Doch worum genau geht es in dem Gedicht, das den Namen „The Hill We Climb“ (deutsch: „Der Hügel, den wir erklimmen“) trägt? Es folgt zunächst die deutsche Übersetzung, die, wie stets in der Poesie, keinen Anspruch auf absolute Genauigkeit erheben kann. Im Anschluss dann das englische Original.

Video
Biden übernimmt gespaltenes Amerika
1:53 min
Während bei seiner Amtseinführung die 23-jährige Dichterin Amanda Gorman Hoffnung macht, zerschlagen Linksextreme in Portland das Parteibüro der Demokraten.  © Reuters
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„Der Hügel, den wir erklimmen“ von Amanda Gorman

Mr. President, Dr. Biden, Madam Vice President, Mr. Emhoff, Bürger Amerikas und der ganzen Welt,

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Wenn es Tag wird, fragen wir uns,

wo wir Licht zu finden vermögen, in diesem niemals endenden Schatten?

Den Verlust, den wir tragen,

ein Meer, das wir durchwaten müssen.

Wir haben dem Bauch der Bestie getrotzt.

Wir haben gelernt, dass Ruhe nicht immer Frieden bedeutet.

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Und dass die Normen und Vorstellungen von dem, was gerade ist,

nicht immer Gerechtigkeit sind.

[Die Übersetzung könnte auch lauten, „dass die Normen und Vorstellungen von dem, was gerecht ist“. Die Betonung legt aber die obige Interpretation nahe. Wahrscheinlich spielt die Lyrikerin hier aber bewusst mit der doppelten Bedeutung von „just“. Anm.d.Übersetzer]

Und doch gehört die Morgendämmerung uns,

noch ehe wir es wussten.

Irgendwie schaffen wir es.

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Irgendwie haben wir es überstanden und bezeugten

eine Nation, die nicht kaputt ist,

sondern einfach unvollendet.

Wir, die Nachfahren eines Landes und einer Zeit,

in der ein dünnes, schwarzes Mädchen,

das von Sklaven abstammt und von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen wurde,

davon träumen kann, Präsidentin zu werden,

nur um sich selbst in einer Situation zu finden, in der sie für einen vorträgt.

Und ja, wir sind alles andere als lupenrein,

alles andere als makellos,

aber das bedeutet nicht, dass wir danach streben,

eine Gemeinschaft zu bilden, die perfekt ist.

Wir streben danach, gezielt eine Gemeinschaft zu schmieden.

Ein Land zu bilden, das sich allen Kulturen, Farben, Charakteren und menschlichen Lebensverhältnissen verpflichtet fühlt.

Und so erheben wir unseren Blick nicht auf das, was zwischen uns steht,

sondern auf das, was vor uns steht.

Wir schließen die Kluft, weil wir wissen, dass wir, um unsere Zukunft an erste Stelle zu setzen,

zuerst unsere Unterschiede beiseitelegen müssen.

Wir legen unsere Waffen nieder,

damit wir unsere Arme

nacheinander ausstrecken können.

Wir wollen Schaden für keinen und Harmonie für alle.

Lasst die Welt, wenn sonst auch nichts, sagen, dass dies wahr ist:

Dass wir, selbst als wir trauerten, wuchsen

Dass wir, selbst als wir Schmerzen litten, hofften

Dass wir, selbst als wir ermüdeten, es weiter versucht haben

Dass wir für immer verbunden sein werden, siegreich

Nicht weil wir nie wieder eine Niederlage erleben werden,

sondern weil wir nie wieder Spaltung säen werden.

Die Heilige Schrift sagt uns, dass wir uns vorstellen sollen,

dass jeder unter seinem eigenen Weinstock und Feigenbaum sitzen soll

und keiner ihnen Angst machen soll.

Falls wir unserer eigenen Zeit gerecht werden sollen,

dann wird der Sieg nicht in der Klinge liegen,

sondern in all den Brücken, die wir gebaut haben.

Das ist das Versprechen:

Der Hügel, den wir erklimmen,

wenn wir es nur wagen,

denn Amerikaner zu sein, ist mehr als ein Stolz, den wir erben,

es ist die Vergangenheit, in die wir treten,

und die Art, wie wir sie reparieren.

Wir haben eine Macht gesehen, die unsere Nation eher zerschlagen würde,

als sie zu teilen,

die unser Land zerstören würde, wenn es dazu führe, Demokratie zu verzögern.

Und dieser Versuch war fast erfolgreich.

Doch auch wenn Demokratie von Zeit zu Zeit verzögert werden kann,

kann sie niemals dauerhaft besiegt werden.

In diese Wahrheit,

in diesem Glauben, vertrauen wir.

Denn obwohl wir unsere Augen auf die Zukunft richten,

die Geschichte hat ihre Augen auf uns gerichtet.

Dies ist die Ära gerechter Wiedergutmachung.

Wir fürchteten zu Beginn,

wir fühlten uns nicht bereit,

Erben einer solch schrecklichen Stunde zu sein,

doch in ihr fanden wir die Kraft

ein neues Kapitel zu schreiben,

uns selbst Hoffnung und Lachen zu schenken.

Also während wir uns einst fragten,

wie wir jemals diese Katastrophe überstehen könnten,

stellen wir jetzt fest:

Wie könnte eine Katastrophe jemals uns überstehen.

Wir werden nicht zurück zu dem marschieren, was war,

sondern uns auf das zu bewegen, was sein wird.

Ein Land, das zwar verletzt, aber dennoch intakt ist,

gütig, aber kühn,

kämpferisch und frei.

Wir werden uns nicht umdrehen

oder durch Einschüchterung unterbrechen lassen,

weil wir wissen, dass unsere Untätigkeit und Trägheit

unser Erbe für die nächste Generation sein wird.

Unsere groben Fehler werden zu ihren Lasten.

Aber eines ist sicher:

Wenn wir Barmherzigkeit mit Macht verschmelzen

und Macht mit Recht,

dann wird Liebe unser Vermächtnis

und Veränderung das Geburtsrecht unserer Kinder.

Also lasst uns ein Land hinterlassen,

das besser ist als das, welches uns hinterlassen wurde.

Mit jedem Atemzug aus meiner bronzegegossenen Brust

werden wir diese verwundete Welt in eine wundersame verwandeln.

Wir werden uns von den goldbeschienenen Hügeln des Westens erheben,

wir werden uns aus dem windgepeitschten Nordosten erheben,

in dem unsere Vorfahren zum ersten Mal die Revolution verwirklichten,

wir werden uns aus den von Seen gesäumten Städten des Mittleren Westens erheben,

wir werden uns aus dem sonnengebrannten Süden erheben,

wir werden wieder aufbauen, uns versöhnen und erholen,

und jeden bekannten Winkel unserer Nation und

jede Ecke, die unser Landes genannt wird.

Unser Volk, vielfältig und schön, wird aufstreben,

zerschunden und schön.

Wenn der Tag kommt, treten wir aus dem Schatten heraus,

entflammt und ohne Angst.

Die neue Morgendämmerung erblüht, wenn wir sie befreien.

Denn es gibt immer Licht,

wenn wir nur mutig genug sind, es zu sehen,

wenn wir nur mutig genug sind, es zu sein.

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Der US-Demokrat Joe Biden hat die Nachfolge von Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika angetreten.  © Reuters

„The hill we climb“ (Originalversion)

When day comes we ask ourselves,

where can we find light in this never-ending shade?

The loss we carry,

a sea we must wade

We’ve braved the belly of the beast

We’ve learned that quiet isn’t always peace

And the norms and notions

of what just is

Isn’t always just-ice

And yet the dawn is ours

before we knew it

Somehow we do it

Somehow we’ve weathered and witnessed

a nation that isn’t broken

but simply unfinished

We the successors of a country and a time

Where a skinny Black girl

descended from slaves and raised by a single mother

can dream of becoming president

only to find herself reciting for one

And yes we are far from polished

far from pristine

but that doesn’t mean we are

striving to form a union that is perfect

We are striving to forge a union with purpose

To compose a country committed to all cultures, colors, characters and

conditions of man

And so we lift our gazes not to what stands between us

but what stands before us

We close the divide because we know, to put our future first,

we must first put our differences aside

We lay down our arms

so we can reach out our arms

to one another

We seek harm to none and harmony for all

Let the globe, if nothing else, say this is true:

That even as we grieved, we grew

That even as we hurt, we hoped

That even as we tired, we tried

That we’ll forever be tied together, victorious

Not because we will never again know defeat

but because we will never again sow division

Scripture tells us to envision

that everyone shall sit under their own vine and fig tree

And no one shall make them afraid

If we’re to live up to our own time

Then victory won’t lie in the blade

But in all the bridges we’ve made

That is the promise to glade

The hill we climb

If only we dare it

because being American is more than a pride we inherit,

it’s the past we step into

and how we repair it

We’ve seen a force that would shatter our nation

rather than share it

Would destroy our country if it meant delaying democracy

And this effort very nearly succeeded

But while democracy can be periodically delayed

it can never be permanently defeated

In this truth

in this faith we trust

For while we have our eyes on the future

history has its eyes on us

This is the era of just redemption

We feared at its inception

We did not feel prepared to be the heirs

of such a terrifying hour

but within it we found the power

to author a new chapter

To offer hope and laughter to ourselves

So while once we asked,

how could we possibly prevail over catastrophe?

Now we assert

How could catastrophe possibly prevail over us?

We will not march back to what was

but move to what shall be

A country that is bruised but whole,

benevolent but bold,

fierce and free

We will not be turned around

or interrupted by intimidation

because we know our inaction and inertia

will be the inheritance of the next generation

Our blunders become their burdens

But one thing is certain:

If we merge mercy with might,

and might with right,

then love becomes our legacy

and change our children’s birthright

So let us leave behind a country

better than the one we were left with

Every breath from my bronze-pounded chest,

we will raise this wounded world into a wondrous one

We will rise from the gold-limbed hills of the west,

we will rise from the windswept northeast

where our forefathers first realized revolution

We will rise from the lake-rimmed cities of the midwestern states,

we will rise from the sunbaked south

We will rebuild, reconcile and recover

and every known nook of our nation and

every corner called our country,

our people diverse and beautiful will emerge,

battered and beautiful

When day comes we step out of the shade,

aflame and unafraid

The new dawn blooms as we free it

For there is always light,

if only we’re brave enough to see it

If only we’re brave enough to be it.

Wer ist Amanda Gorman?

Die 1998 in Los Angeles geborene Gorman war 2017 von der US-Kongressbibliothek mit dem Titel „National Youth Poet Laureate“ geehrt worden. Bei vergangenen Amtseinführungen von US-Präsidenten haben immer wieder Dichter und Schriftsteller wie beispielsweise Robert Frost oder Maya Angelou Werke vorgetragen – Gorman ist allerdings mit Abstand die jüngste.

RND/liz/pb

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