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Als Jimi Hendrix den Funkrock erfand – endlich erscheinen die Fillmore-East-Gigs

  • Die Band of Gypsys existierte nur für einen Augenblick in der Geschichte der Rockmusik.
  • Und dennoch schuf sie mit ihren Jahresendgigs im Fillmore East in Manhattan Musik, die künftige Bands prägte.
  • Alle vier Konzerte erscheinen jetzt auf der Box „Songs for Groovy Children“ – am 22. November auf CD, am 13. Dezember auf LP.
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Die Nachricht dürfte Freunde des Gitarristen aller Gitarristen erfreuen. Am 22. November erscheint mit „Songs for Groovy Children – The Fillmore East Concerts“ zum ersten Mal die Debütkonzertserie von Hendrix und seiner Band of Gypsys. Die vier Konzerte kommen zunächst am 22. November auf einem Fünf-CD-Set auf den Markt. Am 13. Dezember schlägt dann die Stunde der Vinyljunkies – acht Langspielplatten voller Hendrix.

Vorbesteller bekommen das Stück „Message to Love“

Die Auftritte der Band fanden jeweils am Nachmittag und am Abend des 31. Dezember 1969 beziehungsweise des 1. Januar 1970 statt. Die Songs des Trios Hendrix, Billy Cox und Buddy Miles sind dabei nicht nur in ihrer originalen und vollständigen Abfolge enthalten. Unter den Mitschnitten sind – so die Plattenfirma Sony Music – auch mehr als zwei Dutzend bisher unveröffentlichte Songs. Wer vorbestellt, wird belohnt, er erhält umgehend das Stück „Message to Love“, eine bisher unveröffentlichte Aufnahme vom Silvesterabendkonzert.

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In nur wenigen Jahren seit den ersten Sologigs im Londoner Herbst 1966 hatte der Sänger und Gitarrenvirtuose aus dem Nordwesten der USA mit seinem originellen Spiel unauslöschbare Spuren in der Entwicklung der populären Musik gelegt. War er in Monterey 1967 aufsehenerregend und in Woodstock 1969 (die per Gitarre geschredderte Nationalhymne!) auch epochal zu nennen, so zeigen ihn die New Yorker Fillmore-East-Gigs an einem Wendepunkt. Als erstes Dokument auf Schallplatte erschienen im April 1970 unter dem Titel „Band of Gypsys“ sechs Songs aus den beiden Neujahrskonzerten. Die gesamte Scheibe überraschte die Fans mit einer pulsierenden Mischung aus Rock, Funk und Soul, darunter als Kernstück das zwölfminütige Funkrockkraftwerk „Machine Gun“.

Für Woodstock tat Hendrix sich mit Billy Cox zusammen

Im Juni 1969, eigentlich auf dem Karrierehöhepunkt, war das Kapitel The Jimi Hendrix Experience mit Noel Redding (Bass) und Mitch Mitchell (Schlagzeug) überraschend geschlossen worden. Noch bevor sich die Schockwellen gelegt hatten, stellte Hendrix für den anstehenden Woodstock-Auftritt im August mit Gypsy Sun and Rainbows ein neues, größeres, aber auch nur kurzlebiges Ensemble zusammen. Mit dabei war hier sein langjähriger Freund Billy Cox am Bass, den er schon 1962 kennengelernt hatte, während gemeinsamer Militärzeiten in der 101st Airborne Division in Fort Campbell, Kentucky.

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Wenig später taten sich Hendrix und Cox dann mit dem Electric-Flag-Drummer und -Sänger Buddy Miles zusammen – für den Gitarristen offensichtlich höchst inspirierend, denn es führte zu reichlich kreativem Output an neuem Songmaterial, etwa „Power of Soul“, „Burning Desire“ oder eben „Machine Gun“.

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Mit den Konzerten kam Hendrix einer rechtlichen Verpflichtung nach

Obwohl Hendrix noch neun Monate zuvor den New Yorker Madison Square Garden komplett gefüllt hatte, fiel die Wahl für das Livedebüt an Silvester 1969 und dem darauffolgenden Neujahrstag dennoch auf das Fillmore East, Bill Grahams legendären Konzertort in Manhattan. Mit den insgesamt vier hier mitgeschnittenen Gigs musste Hendrix einer rechtlichen Verpflichtung nachkommen.

Im Oktober 1965 hatte er für eine Firma namens PPX Industries einen Vertrag als Studiomusiker abgeschlossen, der ihn, ohne dass er sich dessen wirklich bewusst war, für drei Jahre binden sollte. Um aus diesem Vertrag wieder herauszukommen, einigte er sich 1968 mit PPX und der Firma Capitol als Vertrieb, ihnen das nächste Album zu überlassen.

Die Liveevents gerieten zum Triumphzug

Als die Ungeduld der Vertragspartner stetig anwuchs, entschied Hendrix sich für besagte Liveaufnahmen in der Ostküstenmetropole. Der Rest ist Rockgeschichte. Die Liveevents gerieten zum Triumphzug. Gleich beim ersten Gig überraschte Hendrix mit einem meisterhaften Set von elf Songs und aufregenden neuen Nummern wie „Izabella“ und „Ezy Ryder“. In seiner Besprechung des zweiten Silvester-Konzerts schrieb der „Down Beat“-Kritiker Chris Alberton über Hendrix: „Die Fähigkeit, die technischen Möglichkeiten des Instruments vollends auszuschöpfen, kombiniert mit einer überreichen musikalischen Fantasie, all das macht ihn zu einem überragenden Künstler.“

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Ende Januar 1970 war das Trio allerdings auch schon wieder Geschichte. Aber obwohl es nur so kurz existierte, hatte es Einfluss auf nachfolgende Band- und Musikergenerationen wie etwa die Funkpioniere von Parliament/Funkadelic, Curtis Mayfield, die Isley Brothers (für die Hendrix Mitte der 60er noch selbst in die Saiten gegriffen hatte) und Bootsy Collins.

Viele Aufnahmen blieben 50 Jahre unveröffentlicht

Nach der ersten LP von 1970 erschienen vereinzelt Tracks innerhalb weiterer Katalogalben, doch der signifikant größere Teil der Aufnahmen blieb nahezu ein halbes Jahrhundert unveröffentlicht. Mit allen Songs neu abgemischt – und in originaler Reihenfolge wiederhergestellt – haben Fans jetzt endlich die Möglichkeit, zu erleben, wie Hendrix, Cox und Miles an diesen zwei Tagen ein neues Genre definierten. Gemastert wurden die Aufnahmen von dem Tontechniker und Grammy-Gewinner Bernie Grundman. Das Booklet des aufwendigen Boxsets wartet mit zahlreichen unbekannten Fotos aus den Archiven der Fillmore-East-Hausfotografin Amalie Rothschild auf. Erinnerungen von Billy Cox, dem letzten noch lebenden Mitglied des Trios, und Liner Notes des renommierten Musik- und Kulturjournalisten Nelson George ergänzen das Package.

Jimi Hendrix & the Band of Gypsys „Songs for Groovy Children: The Fillmore East Concerts“ (am 22. November auf fünf CDs, ab 13. November auf acht LPs).

RND/ag/big